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Uralt trifft neu im Theater Willy Praml: Die Antigone ist eine bis heute erschütternde Tragödie.

Theater

Willy Praml zeigt Antigone

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Inszenierungen auch in Corona-Zeiten: Hölderlins „Antigone“-Übertragung feiert Premiere im Theater Willy Praml in Frankfurt.

Die Frankfurter Naxoshalle, Industriekathedrale aus dem 19. Jahrhundert, ist für das Theater Willy Praml eine grandiose Kulisse, meist sogar noch mehr. Der eindrucksvolle Raum spielt bei vielen Inszenierungen eine Hauptrolle. Wer hier schon mal im Winter eine Vorstellung durchzittert hat, lernt vielleicht zentralheizungsgewärmte Säle neu zu schätzen, aber dass die riesige, bestens durchlüftete Naxoshalle nun dem Theater allein wegen ihrer unerhörten Dimensionen so nützlich sein würde, hätte sich wohl auch Intendant Willy Praml nicht träumen lassen.

Willy Pramls Antigone

Premiere feiert „Antigone. Bocksgesang von Hölderlin nach Sophokles“, bearbeitet von Martin Walser und Edgar Selge, am Freitag, 28. August, um 20 Uhr im Theater Willy Praml in der Frankfurter Naxoshalle, Waldschmidtstraße 19, Tel. 069/43054734, theater.willypraml@t-online.de. Die Abendkasse öffnet jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn. Regie führen Willy Praml und Michael Weber.

Weitere Aufführungen sind am 29. August, am 4., 5., 11., 12., 18. und 19. September jeweils um 20 Uhr sowie am 30. August, am 6. und 13. September jeweils um 18 Uhr. Karten kosten 22 Euro (ermäßigt 18 Euro). aph

Denn hier, so schwärmt er, kann man die Zuschauer so weit von einander entfernt setzen, dass bis zu 100 Menschen einer Vorstellung folgen können, ohne dass irgendeine coronaerzwungene Abstandsregel verletzt würde. Am kommenden Freitag, 28. August, feiert – nach dem ständig ausverkauften „Erreger“ von Albert Ostermaier im Sommer – schon das zweite Stück in Zeiten der Pandemie seine Premiere. „Wir sind inzwischen schon geübt im Umgang mit Corona“, sagt Praml, der immer noch gerührt ist von der großen Spendenbereitschaft seiner Zuschauer. Deren Unterstützung ermöglicht es dem Theater, das in den vergangenen Monaten kaum Einnahmen hatte, die Miete für die städtische Naxoshalle zu bezahlen.

Durften bei „Erreger“ nur 60 Besucher zusehen, sind es diesmal deutlich mehr. Praml, der routinierte Regisseur, hat dazu aus der steilen Zuschauertribüne die Bühne gemacht und setzt die Zuschauer in die weitläufige Halle. „Da gibt es ganz, ganz viel Abstand“, verspricht er. „Das ist sozusagen gesundheitsschonendes Theater.“

Nun also läuft die „Antigone“, im Jahr des 250. Geburtstags Friedrich Hölderlins natürlich in dessen epochaler Übersetzung. Das antike Werk des griechischen Dichters Sophokles fragt nach den menschengemachten Gesetzen und der übergeordneten göttlichen Moral. „Eine Frau probt einen Aufstand in einer Männerwelt“, fasst Praml die Handlung der bis heute überwältigenden Dichtung zusammen.

Der junge Hölderlin teilte sich mit dem nur unwesentlich jüngeren Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel im Tübinger Stift ein Zimmer. (Auch Hegels 250. Geburtstag kann übrigens in diesem Jahr gefeiert werden, am 27. August, einen Tag vor der Antigone-Premiere). Er habe das antike Werk in seiner Übersetzung auch bearbeitet, ihm eine ganz andere Gedankenwelt gegeben. Man spüre in seiner Antigone-Übersetzung auch Hegels Gedankenwelt. „Bei Hölderlin ist die größte Götterferne gleichzeitig auch die größte Nähe“, sagt Praml.

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