Michi Herl geht in diesem Sommer nur online auf die Stoffel-Bühne. Rolf Oeser
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Michi Herl geht in diesem Sommer nur online auf die Stoffel-Bühne. 

Kultur

Frankfurter Theater: Der ahle Grießbrei und Corona

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Den Stoffel wird es in Frankfurt auch dieses Jahr geben, wenn auch nur virtuell.

Programm

Das Stoffelprogramm 2020 beginnt am Freitag, 17. Juli, um 21 Uhr mit Folk und Pop der Sängerin und Songwriterin Romy – und endet am 14. August mit Rainer Weisbeckers Grießbrei.

Zu sehen sind die Auftritte auf dem Youtube-Kanal des Stalburg-Theaters, der auch barrierefrei über die Internetseite des Theaters zu erreichen ist (www.stalburg.de).

Ein Kinderprogramm gibt es zweimal jeweils um 21 Uhr: Am Donnerstag, 23. Juli, präsentiert Iso Herquist „Cecil oder Auf der Suche nach der Insel der Trötentiere“, am Donnerstag, 6. August, berichtet Pirkko Cremer über „Nunu, die kleine Wolke“.

Ein komplettes Programm der Vorstellungen der Künstler, die dieses Jahr fast ausschließlich aus der Region kommen, hat Herl bislang noch nicht ins Internet gestellt. Wird hoffentlich noch. Die nächsten Daten: Samstag, 18. Juli: Elis C. Bihn (Liedermacher & Texter); Sonntag, 19. Juli: Cello meets Jazz; Montag, 20. Juli: Stefani Kunkel (Satire).

Michi Herl ist bislang noch mit allen fertig geworden: Nordendeltern, Bionadefetischisten, Süßgespritzertrinker. Da wäre es mehr als verwunderlich, wenn so ein kleines Virus einen so großen Herl aus der Bahn werfen würde. Die gute Nachricht: tut es nicht. Die schlechte: ein kleines bisschen doch.

Stoffel (kurz für Stalburg-Theater-OFFEn-Luft) wird es auch in diesem Jahr wieder geben. Aber ohne Bratwurst. „Die Bratwurst wird fehlen“, ahnt Herl schon jetzt. Und ohne Bionade. Und ohne über den Lärm meckernde Nachbarn. Und ohne Günthersburgpark. Denn weil die Seuche nichts anderes Vernünftiges zulasse, werde man das Programm heuer online an die Stoffel-Jünger bringen.

29 Auftritte sind in den vergangenen Wochen im immer noch geschlossenen Stalburg-Theater aufgenommen worden, von diesem Freitag an werden sie täglich um 21 Uhr Stück für Stück auf dem You-Tube-Kanal des Stalburg-Theaters publik gemacht. Anders als sonst muss man dieses Jahr nicht unbedingt pünktlich sein, wenn man nichts verpassen will – nach der Erstausstrahlung werden die Auftritte jederzeit abrufbar sein.

Wie auch beim Real-Life-Stoffel ist das Zugucken auch beim Online-Festival kostenlos, ebenso sind Spenden nach wie vor erwünscht. Die real existierende Unsitte, das Kulturprogramm abzustauben, aber beim Klappern des Spendeneimers so zu tun, als sei man blind und taubstumm, kann also von Stoffel-Töffeln auch im heimischen Wohnzimmer weiter gepflegt werden. Der nächstgelegene Supermarkt bietet eine reichhaltige Bionade-Auswahl, und wenn man den Stream voll aufdreht, beschweren sich mit etwas Glück auch noch die Nachbarn. Nur die Stoffel-Bratwurst ist von einzigartiger Schmackhaftigkeit und kann nicht ersetzt werden.

Den virtuellen Stoffel wird es dieses Jahr „zum ersten und vermutlich zum letzten Mal“ geben, hofft Herl. Aber wie es weitergeht, ist derzeit noch völlig offen. Auch beim Stalburg-Theater gilt: Das Ensemble ist zwar schon wieder am Proben – unter anderem eine „Hesselbach“-Episode – aber an einen auch nur halbwegs tragfähigen Spielbetrieb ist bei den derzeitigen Sicherheitsbeschränkungen nicht zu denken. Eine aus Mitteln des Landes finanzierte neue Belüftungsanlage soll demnächst eingebaut werden, aber die alleine bläst die Sorgen auch nicht weg. „Wie lange wir das noch aushalten, weiß ich nicht“, sagt Herl.

Und wie das altbekannte Wir-Gefühl ohne Park und Bratwurst aufkommen soll, ist auch noch nicht ganz klar. Morgen wollen die Stalburg-Macher immerhin ein „Mahnmal“ im Günthersburgpark aufbauen, ein paar Baugerüste, plakatiert mit „Sinnsprüchen“ und Programmhinweisen. Ob man auch im virtuellen Raum etwas reißen kann, wird sich spätestens am Ende des Festivalprogramms 2020 erweisen. Dann spielt der Frankfurter Mundartdichter und Liedermacher Rainer Weisbecker sein Lied „Der ahle Grießbrei“, der in den vergangenen Jahren zur inoffiziellen Stoffel-Hymne avanciert ist. Normalerweise singen dann alle mit. Herl fordert das Publikum auf, das auch diesmal zu tun, ein Video davon zu machen und online zu stellen. Für das virtuelle Wir-Gefühl.

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