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Viele Tauben brauchen derzeit Hilfe.

Tierschutz

Frankfurt: Tauben zunehmend in Not

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Der Verein Stadttaubenprojekt muss in diesem Sommer so viele Tiere aufnehmen wie noch nie. Die Vorsitzende wendet sich mit einem Appell an die Öffentlichkeit.

Der Corona-Sommer hat manch ungeahnte Auswirkung – auch was das Tierleid angeht. Gerade schlägt der Verein Stadttaubenprojekt Frankfurt Alarm. „Solche Massen an abgegebenen Tauben hatten wir noch nie“, sagt die Vorsitzende Gudrun Stürmer und bittet um Hilfe.

Auffangstation für Tauben in Frankfurt spricht von Rekordzahl

Zwischen dem 1. Mai und dem 26. Juli habe das Projekt auf seiner Anlage in Oberrad 664 Tauben aufgenommen. Die Auffangstation platze schier aus den Nähten. „Das ist eine Rekordzahl, die den Verein vor massive Probleme stellt“, berichtet Stürmer.

Die Tiere in Not seien hauptsächlich durch Bürgerinnen und Bürger, Ämter und Institutionen weitervermittelt worden. Zunehmend handle es sich aber auch um Tauben aus schlecht montierten oder marode gewordenen Abwehrnetzen, leerstehenden Häusern – und von Privatbalkonen, auf denen die Tiere aus Mangel an geeigneten Möglichkeiten brüten. Dort sind sie meist unerwünscht. Hinzu komme ein hoher Anteil an Rassetauben, deren Züchter in der Regel nicht zu ermitteln seien.

Corona hat die Zahl der verletzten Tauben in Frankfurt sprunghaft steigen lassen

„Die Covid-19-Pandemie hat ein Übriges getan, um die Zahl der verletzt oder hilflos aufgefundenen Tiere sprunghaft zu erhöhen“, berichtet Gudrun Stürmer weiter. Üblicherweise meldeten sich jährlich gut 3000 Frankfurterinnen und Frankfurter beim Stadttaubenprojekt – in diesem Jahr liege die Zahl deutlich höher. Der Verein sei damit an seine Belastbarkeitsgrenzen gestoßen.

Bereits im Juni hatte sich der Ortsbeirat 2, in dessen Zuständigkeitsgebiet am Westbahnhof das Projekt eines seiner Taubenhäuser betreibt, mit dem Thema befasst. Auf Antrag der Grünen ging es darum, wie häufig Feuerwehr und Ordnungsamt Taubenrettungen an den Verein delegiert haben, wie viel Geld das Stadttaubenprojekt der Stadt Frankfurt somit gespart habe – und ob es vor diesem Hintergrund plausibel sei, den städtischen Zuschuss seit Jahren konstant bei 20 000 Euro jährlich zu belassen. Die Aufgaben hätten schließlich deutlich zugenommen, betonen die Grünen in dem Antrag, der volkswirtschaftliche Nutzen sei gewachsen. Beantwortet sind die Fragen noch nicht; der Ortsbeirat hat den Antrag bis zur nächsten turnusmäßigen Sitzung zurückgestellt.

Die Stadt stehe mit in der Verantwortung, erinnert der Verein Stadttaubenprojekt. Er bittet aber auch die Frankfurterinnen und Frankfurter um Unterstützung, um die aktuelle Situation zu bewältigen. Nähere Informationen: www.stadttaubenprojekt.de

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