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230 Tonnen Lebensmittel verteilt die Tafel in Frankfurt monatlich.
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230 Tonnen Lebensmittel verteilt die Tafel in Frankfurt monatlich.

Frankfurt

Frankfurter Tafel wehrt sich gegen Diskriminierungs- und Rassismus-Vorwürfe - „Schlag in die Magengrube“

  • Stefan Simon
    VonStefan Simon
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Der Verein Doña Carmen kritisiert die Frankfurter Tafel dafür, kein Essen an Wohnungslose auszugeben – auch der Rassismusvorwurf steht im Raum. Die Tafel widerspricht.

Frankfurt – Der Verein Doña Carmen, der sich für die politischen und sozialen Rechte von Prostituierten einsetzt, erhebt schwere Vorwürfe gegen die Frankfurter Tafel. Grund hierfür ist ein Vorfall, der sich bei der Lebensmittelausgabe in Rödelheim ereignete.

Nach Schilderungen von Doña Carmen hatte eine Mitarbeiterin des Vereins eine Schwarze Frau, die vor Ort in einer städtischen Notunterkunft lebt, zur Ausgabestelle begleitet. Dort soll ihr „mehrfach der Empfang von Lebensmitteln verweigert“ worden sein, obwohl sie einen ALG-II-Bescheid und einen Frankfurt-Pass vorlegen konnte. Beides gilt seitens der Tafel als Bedingung für den Erhalt von Lebensmitteln.

Frankfurter Tafel: Essensausgabe trotz Arbeitslosen-Bescheid verweigert

Doch seit 2016 gilt bei der Tafel die zusätzliche Bedingung, eine eigene Wohnung zu haben. Weil die Betroffene nicht in einer fest angemieteten Wohnung in Rödelheim wohnt, erhielt sie daher keine Lebensmittel.

Juanita Henning von Doña Carmen nennt diese Regelung diskriminierend. Sie wirft dem Vorstand der Tafel Rassismus vor, denn die Tafel benachteilige dadurch insbesondere Migrant:innen und Flüchtlinge, die in Notsituationen dringend auf die von Stadt oder Land zur Verfügung gestellten Unterkünfte angewiesen seien.

Essensausgabe in Frankfurt: Wohnungsregel der Tafel diskriminiere Migranten:innen

Die zweite Vorsitzende der Tafel, Edith Kleber, weist diese Vorwürfe vehement zurück. „Die Entscheidung, nur Mitmenschen mit eigener Mietwohnung und Frankfurt-Pass an unseren Lebensmittelausgaben zu bedienen, ist dem Vorstand sicher nicht leichtgefallen“, sagt sie der FR.

Die Frankfurter Tafel hätte 2015/2016 die Situation gehabt, dass an einer Lebensmittelausgabe etwa 200 Personen mehr standen. „Ganz Frankfurt wusste nicht, wer wohnt in einem Flüchtlingsheim, wer in einem Hotel, wer bekommt Lebensmittel von den Einrichtungen, wer hat eine Kochmöglichkeit, und somit hatten alle sozialen Vereine keinen Überblick mehr“, sagt Kleber.

15.000 Bedürftige monatlich - 70 Prozent der Kund:innen haben Migrationshintergrund

Die Tafel bediene derzeit etwa 14 980 Bedürftige im Monat durch die Lebensmittelausgaben. „Wir haben schlichtweg nicht genug Lebensmittel für alle bedürftigen Mitmenschen dieser Stadt.“ Dem Vorwurf, damit rassistisch zu handeln, tritt Kleber entschieden entgegen. „70 Prozent der Frankfurter Tafelkunden haben einen Migrationshintergrund, ebenfalls trifft dies auch auf viele unserer ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zu“, sagt sie.

Doch auch aus dem Sozialdezernat kommt Kritik an der Regelung. Uta Rasche, die Sprecherin von Dezernentin Daniela Birkenfeld (CDU), konstatiert im Gespräch mit der FR, dass solch eine Entscheidung an der Lebensrealität von Geflüchteten und anerkannten Asylsuchenden, die noch in Unterkünften leben, vorbeigehe.

Frankfurter Tafel rechtfertigt sich: Spendenfinanzierter, privater Verein und „zu nichts verpflichtet“

Edith Kleber wehrt auch diese Kritik ab: Die Tafel sei ein privater Verein und zu nichts verpflichtet. „Wir leben von Spenden und erhalten keine Zuschüsse von der Stadt. Ich mache die Arbeit seit über 20 Jahren, muss Klinken putzen, Kontakte knüpfen, damit wir uns das alles leisten können“, sagt sie.

Man müsse sich all das mal organisatorisch vorstellen: mit ehrenamtlichen Mitarbeitenden und drei Festangestellten an zwölf Ausgabestellen monatlich 230 Tonnen Lebensmittel zu verteilen. „Diese Vorwürfe gegen uns sind wie ein Schlag in die Magengrube.“

Frankfurt: 7.500 Personen ohne eigene Wohnung sind von Dienstleistung der Tafel ausgeschlossen

Die Regeländerung schließt etwa 7500 Personen von der Nutzung der Tafel aus. So viele Menschen leben nach Angaben der Stadt ohne eigene Wohnung. Dazu zählen Not- und Übergangsunterkünfte, Hotels und mehrere Obdachloseneinrichtungen. Von den Menschen ohne eigene Wohnung seien gut die Hälfte Geflüchtete und knapp die Hälfte Frankfurter Wohnungslose.

Verstößt die Tafel dadurch gegen ihre eigene Satzung? Darin heißt es, dass der Sinn und Zweck des Vereins sei, sich für die Belange der Obdach- und Wohnsitzlosen einzusetzen. Außerdem würden ausschließlich Personen im Sinne des Paragrafen 53 „Mildtätige Zwecke“ der Abgabenordnung unterstützt. Dazu zählen etwa Personen, deren „wirtschaftliche Lage aus besonderen Gründen zu einer Notlage geworden ist“.

„Wir arbeiten gemäß unserer Satzung“, versichert Kleber. Denn neben den Lebensmittelausgaben bediene die Tafel über die sozialen Einrichtungen auch Obdachlose, Drogenabhängige und andere Bedürftige. (Stefan Simon)

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