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Frankfurter Symposion geht auf die Suche nach einer besseren Welt

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Von: Jana Ballweber

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Die Frankfurter Paulskirche ist ein geschichtsträchtiger Ort für politischen Austausch und den Kampf um Demokratie.
Die Frankfurter Paulskirche ist ein geschichtsträchtiger Ort für politischen Austausch und den Kampf um Demokratie. © Michael Schick

Eine bunt gemischte Versammlung von Menschen will in der Frankfurter Paulskirche Antworten auf Klimakrise, soziale Ungleichheit und Krieg finden - und ist sich vor allem bei der Beschreibung der Fragen einig.

Die hohen Decken der Paulskirche erlauben es dem Geist, in ungeahnte Fernen abzuschweifen. Kein Wunder, dass Thomas Gebauer, Geschäftsführer der Stiftung medico. den Raum als einen der wichtigsten Orte der deutschen Demokratie bezeichnet. Es gab eine Zeit, als die Demokratie, die Herrschaft des Volkes, nichts weiter war als eine Utopie.

Umdenken, Utopien und Ideen für eine bessere Welt entwickeln: Die großen Krisen unserer Gesellschaft machen das auch heute wieder nötig. Darin sind sich die meisten Teilnehmenden der Diskussionsveranstaltung der Stiftung medico, des Frankfurter Instituts für Sozialforschung und der Frankfurter Rundschau einig. Unter dem Titel „Kosmopolitismus von unten – Annährungen an eine globale Demokratie“ haben Forschende, Aktivist:innen, Künstler:innen und andere am Wochenende in der Paulskirche und im Studierendenhaus in Bockenheim Antworten gesucht auf die ganz großen Fragen. Wie können Klimakatastrophe und Umweltzerstörung gestoppt werden? Wie kann den schwächsten Mitgliedern der Weltgemeinschaft geholfen, wie können ihre Menschenrechte garantiert werden? Und wie könnte eine ökologische, gerechte und friedliche Welt aussehen?

Der Komplexität dieser Fragen angemessen schlagen die Redner:innen in Vorträgen und auf Podien die ganz großen Bögen. Forschende aus Sozial-, Wirtschafts- und Rechtswissenschaft erläutern am Sonntagvormittag theoretische Überlegungen zu globaler Gerechtigkeit und Demokratie in Verbindung mit Umwelt- und Klimaschutz. In drei Foren befassen die Teilnehmenden sich am Nachmittag mit Kommunikationsformen, lokalen und globalen kosmopolitischen Projekten. So hinterfragen beispielsweise Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck und Wissenschaftlerin Sonja Buckel, welchen Sinn neue Gesetze und Rechte überhaupt haben, wenn nicht einmal die schon bestehenden eingehalten werden.

Der Abend und auch der Montagvormittag gehören dann der Kunst. Mit einem Konzert und Lesungen versucht das Symposium, sich dem „Kosmopolitismus von unten“ auch künstlerisch zu nähern.

Dieses „Unten“, verstanden als Massenbewegung von Menschen, die mit wenig oder keiner politischen Macht ausgestattet sind, ist leider nicht zum Symposium erschienen. Im Publikum und auf den Bühnen kennt man einander. Man kennt die politischen Überzeugungen und die minimalen Differenzen, die, der guten linken Tradition folgend, aufs Maximale aufgeblasen werden, wie es Stefan Lessenich, Direktor des Instituts für Sozialforschung, schon am ersten Abend fordert. Dementsprechend anspruchsvoll sind Sprache und Inhalt der meisten Programmpunkte gehalten.

Eine globale Massenbewegung gegen den Kapitalismus entsteht am Wochenende in Frankfurt nicht. Auf die Frage, wie man den Kapitalismus denn nun abschaffen könne, kann auch der letzte Redner des Tages, Alberto Acosta, nur mit den Schultern zucken. Acosta war Präsident der verfassungsgebenden Versammlung Ecuadors, die der Natur eigene Rechte verliehen hat. Für ihn ein möglicher Weg hin zu einer besseren Welt. Aber nicht der einzige: „Aus mutigen Ideen müssen mutige Aktionen folgen. Wir können nicht warten, dass der Kapitalismus abgeschafft ist, bis wir Lösungen suchen“, sagt er.

Wie gut, dass das Symposium nur die Auftaktveranstaltung zum Prozess einer „Global Assembly“ ist, einer globalen Versammlung mit Teilnehmenden aus der ganzen Welt, die in den nächsten Jahren in Frankfurt stattfinden soll. Ein weiterer Raum, um auf eine bessere Welt zu hoffen und nach ihr zu suchen. An dem Ort, an dem die Geister in der Paulskirche schon einmal so weit geflogen sind, dass aus der absurden Idee der Mitbestimmung des Volkes in Deutschland zunächst etwas Denkbares und später etwas Reales wurde.

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