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Der Frankfurter Stadtwald.

Dürre im Sommer

Dem Frankfurter Stadtwald geht?s schlecht

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Nach dem extremen Sommer weisen fast alle Bäume im Frankfurter Stadtwald Schäden auf. Andere Wälder in Hessen traf es nicht so hart. Die Frage, die sich jetzt stellt, ist, warum.

Schlimm wie nie seit Beginn der regelmäßigen Kontrollen im Jahr 1984 steht es um die Frankfurter Bäume. 94,5 Prozent wiesen bei der Erhebung im Hochsommer Schäden auf. Das steht im Waldzustandsbericht, den Stadtforst-Chefin Tina Baumann am Donnerstagabend im Umweltausschuss vorstellte. Damit liegt der Anteil geschädigter Bäume um zehn Prozentpunkte über dem Wert von 2017. Als besonders stark beeinträchtigt (Schadstufen 2 und 3) wurden 51,5 Prozent eingestuft. Das ist der höchste Wert seit 1999 und ein erheblicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Da waren es 27,3 Prozent. 

„Wir haben das so erwartet“, sagte Baumann. „Uns war klar, dass sich der Wald nur erholen kann, wenn genug Regen fällt. Dann kam der August, dann kam der September.“ Was nicht kam, war Regen. Überraschend für die Leiterin der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt war nur, dass auch die Kiefer stark betroffen ist. „Das ist sonst die resistenteste Baumart.“

Um den Zustand des Waldes zu beurteilen, erhebt die Forstverwaltung seit 1984 jährlich die Daten von 1660 Bäumen auf 166 repräsentativen Flächen. Eiche, Buche, Esche, Ahorn und Kiefer sind gemäß ihrem Anteil im gesamten Wald vertreten. Die Schadstufen heißen: 0 (bis 10 Prozent Blatt- oder Nadelverlust in den Kronen), 1 (bis 25 Prozent), 2 (bis 60 Prozent), 3 (über 60 Prozent). Mehr als die Hälfte der Bäume im Frankfurter Stadtwald sind so stark geschädigt, dass sie mindestens ein Viertel ihrer Nadeln oder Blätter schon vor dem Herbst einbüßten – oder gar ganz abstarben.

Mehr betroffene Bäume als jemals zuvor

Das wiegt umso schwerer, da sich die Bäume 2017 gerade erst von zwei harten Jahren leicht erholt hatten. Aber die anhaltende Sommerhitze dieses Jahres und besonders die Trockenheit sorgten dafür, dass der Trend „komplett rückläufig“ ausfiel. „Insgesamt war der Sommer 2018 der trockenste und wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor mehr als 130 Jahren“, erinnert der Bericht. Die Niederschlagsmenge erreichte kaum ein Drittel des Vorjahreswerts, die Sommertemperatur lag mit 21,9 Grad fast zwei Grad über der von 2017. 

Und doch traf es die hessischen Wälder insgesamt nicht so hart wie den Frankfurter Stadtwald. Warum? Tina Baumann: „Hier in Rhein-Main haben wir ohnehin sehr trockene Sandböden, die höchste Durchschnittstemperatur und die wenigsten Niederschläge. Wenn dann noch so ein Sommer dazu kommt ...“

Der Johannistrieb, ein später zweiter Blattaustrieb im Juni, mit dem die Bäume Defizite aus dem Frühjahr kompensieren können, fiel fast vollständig weg. Das traf besonders die alten Bäume, die über alle Arten zu mehr als 95 Prozent schwer geschädigt sind. 

Am stärksten gebeutelt ist wie in den Vorjahren die Eiche: 98,6 Prozent haben Schäden, bei den über 60 Jahre alten Eichen sogar 99,3 Prozent, und 59,8 Prozent  erreichen Schadstufe 2 oder 3. Bei Buche und Kiefer sieht es minimal besser aus, aber auch unter ihnen sind neun von zehn Bäumen belastet, fast fünf von zehn stark belastet.

Und wenn die Sommer so bleiben? „Wir müssen schauen, was der Wald macht“, sagt Baumann, „das ist nicht so leicht vorherzusagen.“ Sollte es dauerhaft am Regen mangeln, müsse die Stadt überlegen, welche Baumarten sie künftig pflanzt. Stabiler Mischwald, wie Frankfurt ihn hat, sei wichtig. Als Sofortmaßnahme hat der Forst Baumfällungen zum Verkauf reduziert; beim Nadelholz ist der Marktpreis wegen des Überangebots ohnehin eingebrochen. 

„Das tatsächliche Ausmaß dieses Extremsommers wird erst in den kommenden Jahren erkennbar sein“, heißt es im Waldzustandsbericht: Nur wenn Spätherbst und Winter deutlich mehr Regen brächten, bestehe die Chance, dass die Schäden nicht noch schlimmer werden. 

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