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Viele Generationen hat diese Kiefer im Frankfurter Stadtwald überstanden. Jetzt setzen steigende Temperaturen den Nadelbäumen zu.

Klimakrise

Frankfurter Stadtwald: Entsetzen über Waldschäden

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Zustandsbericht 2019: Nur drei Prozent der Bäume im Frankfurter Stadtwald sind ganz gesund. Die Misere ist eine Folge der Klimakrise.

Die Alarmrufe im Sommer schockierten – die nackten Zahlen des Waldzustandsberichts 2019 bestätigen die Befürchtungen: Fast jeder Baum ist krank und die besonders schweren Schäden haben gegenüber dem bereits katastrophalen Vorjahr noch einmal stark zugenommen.

Von einer dramatischen Situation sprach Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) am Donnerstagabend im Umweltausschuss bei der Vorstellung des Berichts. Hitzestress, Trockenheit und ein um 1,34 Meter gesunkener Grundwasserspiegel hätten den Bäumen so sehr zugesetzt, dass 96,9 Prozent des Waldes weniger Blätter ausgebildet hätten, die zudem deutlich früher als Laub herabfielen. „Dies ist das höchste erfasste Niveau der Schädigungen seit Beginn der Waldzustandserhebung“, ergaben die Untersuchungen.

Bäume im Frankfurter Stadtwald durch Hitze geschwächt

Besonders die extreme Zunahme der schwersten Schadstufe 3 macht den Fachleuten Sorge: von elf auf 27 Prozent der Bäume. Auf den Testflächen waren mehr als acht Prozent der Bäume bereits vollständig abgestorben. Eiche und Kiefer leiden am meisten unter der Klimakrise. Praktisch jede Eiche (99,8 Prozent) hat Schäden. „Wir rechnen damit, dass in den nächsten Jahren Jungbaumbestände in einer Größenordnung von etwa 20 bis 25 Hektar ausfallen“, sagt Peter Rodenfels, der stellvertretende Leiter der Abteilung Stadtforst im Grünflächenamt. Die Kiefer habe immer als relativ widerstandsfähig gegen Hitze und Trockenheit gegolten. „Aber auch hier verzeichnen wir große Flächen mit absterbenden Bäumen in allen Altersklassen und auch auf den Naturverjüngungsflächen.“

WALDZUSTAND
Seit 1984 wird (wie auch bundesweit) auf Probeflächen die Entwicklung der Waldschäden beobachtet. Im Frankfurter Stadtwald gibt es dafür 166 Test-Areale mit zusammen 1660 Bäumen. Die Anteile entsprechen den Vorkommen im Gesamtwald: Eiche 38 Prozent, Buche (inkl. Edellaubhölzer wie Esche und Ahorn) 28 Prozent und Kiefer 34 Prozent. Fichten sind nicht in den Stichprobenflächen, weil sie nur in den Frankfurter Stadtwaldgebieten des Taunus in nennenswerter Zahl stehen. Die Daten werden von Ende Juli bis Anfang August erhoben.

Die Schadstufen bedeuten: Stufe 0: ohne Kronenverlichtung (Blatt- oder Nadelverlust bis 10 Prozent); Stufe 1: schwache Verlichtung (11 bis 25 Prozent); Stufe 2: mittelstarke Verlichtung (26 bis 60 Prozent); Stufe 3: starke Verlichtung (61 bis 100 Prozent).

Durch den Wassermangel geschwächt, sind die Bäume wehrlos gegen Wind, Käfer und Krankheiten. Rodenfels erinnerte daran, dass ein Unwetter im Taunus genügt habe, um 2000 Altbuchen auf den dortigen Flächen des Frankfurter Stadtwalds umzuwerfen. Pilzseuchen wie das Diplodia-Triebsterben (Kiefern) und die Rußrindenkrankheit (Ahorne) kosteten unzählige Bäume. 

Bäume im Frankfurter Stadtwald drohen umzukippen

Insgesamt mussten rund 25.000 Festmeter Schadholz im Wald gefällt werden, wie es im Bericht heißt: „Das entspricht etwa der Fläche von 172 Fußballfeldern und damit der zehnfachen Menge des sonst Üblichen.“ Weitere 25 000 Festmeter stünden abgestorben im Wald. Der reguläre Holzeinschlag für den Verkauf ist eingestellt; auch wirtschaftlich ist der Schaden groß. Gefährlich ist die Lage zudem: Verzehnfacht habe sich die Zahl der „verkehrsgefährdenden Hölzer“, sprich: Bäume, die umzukippen drohen.

Der Teufelskreis: Die Klimakrise macht Bäume krank – und ohne Bäume beschleunigt sich die Klimakrise. Selbst in Fachkreisen herrsche eine gewisse Ratlosigkeit, stellte Heilig fest. Die studierte Biologin sieht die beste Hilfe für den Wald in einer möglichst naturnahen Bewirtschaftung: „Strukturreiche Mischwälder, in denen auch Totholz stehen oder liegen bleibt, sind anpassungsfähiger gegenüber Umweltveränderungen und regenerieren sich besser als Monokulturen.“ 

Frankfurter Waldkongress am 25. November

Überstürzter Aktionismus sei der falsche Weg. Ziel müsse die Forschung nach nachhaltigen Waldbaumethoden sein. Vor allem gilt es, Baumarten zu finden, die dem sich verändernden Klima gewachsen sind. Der Frankfurter Waldkongress am 25. November soll ein Schritt dorthin sein.

Der Waldzustandsbericht 2019 online 

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