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Frankfurt: Stadtverordnete vertagen Ächtung des N-Wortes

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Von: Georg Leppert

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Über die Mohrenapotheke wurde schon mehrfach diskutiert.
Über die Mohrenapotheke wurde schon mehrfach diskutiert. © Renate Hoyer

Die Römer-Koalition will ihren Antrag erweitern. Bei Teilen der Opposition sorgt die Entscheidung für Empörung.

Frankfurt - Die Stadtverordneten haben am Donnerstag (27.01.2022) keine Entscheidung über den Antrag zur Ächtung rassistischer Begriffe getroffen. Die Koalition und weitere Fraktionen stimmten für Zurückstellung der Vorlage. Bei Ökolinx-ELF, der Fraktion „Die Fraktion“ und den Linken sorgte diese Entscheidung für Empörung.

Der Antrag sieht vor, dass die Stadt Frankfurt das sogenannte N- und das M-Wort ächtet. Die Abkürzungen stehen für zwei rassistische Begriffe. Dabei handele sich um einen symbolischen Akt, sagte Nico Wehnemann, Vorsitzender der „Fraktion“. Aber diese Symbolik sei eben nötig. An die Koalition gerichtet, sagte er: „Haben Sie auch nur eine Sekunde daran gedacht, wie Ihre Zurückstellung bei Menschen ankommt, die mit dem N-Wort beschimpft werden?“

Frankfurt: Keine Entscheidung über den Antrag zur Ächtung rassistischer Begriffe

Mit Stimmen von Ökolinx und Linken setzte die „Fraktion“ eine namentliche Abstimmung über die Zurückstellung des Antrags durch. Ein höchst ungewöhnlicher Vorgang, der vor allem darauf abzielte, die Grünen bloß zu stellen. Denn der Antrag kommt ursprünglich von ihnen. Die Stadtverordnete Mirrianne Mahn, die sich für die Sitzung am Donnerstag krank gemeldet hatte, hatte ihn gestellt. In der Koalitionsrunde scheiterte er aber am Widerstand der FDP.

Damit wäre er eigentlich in der Versenkung verschwunden. Er landete aber bei der „Fraktion“, die ihn wortgleich stellte. Wie die „Fraktion“ an die Vorlage gekommen war, steht nicht fest: „Ich habe sie auf dem Flur des Römers gefunden“, spottete Wehnemann.

Die Koalition äußerte sich erst spät in der Debatte. „Geht es hier um die Sache? Ist das dann das richtige Vorgehen? Oder geht es darum, uns vorzuführen?“, fragte Grünen-Fraktionschef Dimitrios Bakakis. Die Koalition werde dadurch nicht gespalten. Es werde nicht gelingen, einen Keil ins Viererbündnis zu treiben.

Die Koalition erarbeite gerade einen eigenen Antrag. Dabei gehe es darum, die ursprüngliche Vorlage um „weitere wichtige Punkte im Koalitionsvertrag einzuarbeiten“, sagte die Kreisvorsitzende der Grünen, Julia Frank, auf FR-Anfrage.

Frankfurt: Jutta Ditfurth spricht über N-Wort und M-Wort

Jutta Ditfurth ging in ihrer Rede auf die Verwendung von N- und M-Wort in der Geschichte ein. Es sei dabei stets darum gegangen, Menschen zu diskriminieren. Sie erinnerte an Antragstellerin Mahn, die in einem Frankfurter Krankenhaus Rassismus erfahren habe, wie sie in einem Instagram-Video berichtet hatte. „Das Allermindeste, was wir tun können, ist, das N- und das M-Wort zu ächten.“ Eine Rüge kassierte Ditfurth, weil sie die AfD als „Nazis“ bezeichnete.

Michael Müller (Linke) verwies darauf, dass M- und N-Wort in Köln und Kassel von der Stadtregierung geächtet würden. (Georg Leppert)

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