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Stephanie Wüst (FDP) ist seit gut einem Monat Wirtschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt.
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Stephanie Wüst (FDP) ist seit gut einem Monat Wirtschaftsdezernentin der Stadt Frankfurt. Sie hält es für vertretbar, neue Gewerbeflächen auf Äckern und Wiesen zu schaffen.

FR-Interview

Frankfurter Stadträtin: „Wir brauchen dringend neue Gewerbegebiete“

  • Christoph Manus
    VonChristoph Manus
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Die neue Frankfurter Wirtschaftsdezernentin Stephanie Wüst über die Bebauung von Äckern, den Bedarf an Bürotürmen in Zeiten von Homeoffice und die Situation auf der Zeil

Stephanie Wüst ist seit einem Monat Dezernentin für Wirtschaft, Recht und Reformen bei der Stadt Frankfurt. Ihr Büro im Römer teilt die 32 Jahre alte FDP-Politikerin zumindest vormittags mit Alaya, einer zehn Monate alten Siberian-Husky-Hündin.

Frau Wüst, was haben Sie in Ihren ersten Wochen als Wirtschaftsdezernentin bereits anpacken können?

Wir haben uns gemeinsam mit Kreativen Standorte für das House of Creativity and Innovation angeschaut, das wir gerne in Frankfurt schaffen wollen. Die Kreativwirtschaft in der Stadt etwa mit einem solchen Zentrum zu stärken, ist mir sehr wichtig. Zur Belebung der Innenstadt haben wir – ebenfalls gemeinsam mit der Kreativbranche – ein Projekt gegen Leerstand auf den Weg gebracht.

Was wollen Sie noch prioritär angehen?

Wir arbeiten an Möglichkeiten, um den Finanzplatz Frankfurt zu stärken. Dazu bemühen wir uns um die Ansiedlung des International Sustainability Standards Board (ISSB), eines Gremiums, das weltweite Standards für Nachhaltigkeit im Finanzbereich setzen soll. Das Modell des nachhaltigen Gewerbegebiets Fechenheim/Seckbach würde ich gerne ausweiten auf andere Gewerbegebiete. Dazu werden wir ein weiteres Standortmanagement einrichten.

Sie übernehmen das Dezernat in einer Zeit, die noch sehr von der Pandemie geprägt ist. Wie steht die Frankfurter Wirtschaft nach mehr als 1,5 Jahren Corona da?

Wir profitieren davon, dass wir einen sehr breiten Branchenmix haben. Einige Bereiche in Frankfurt hat die Pandemie aber sehr hart getroffen, etwa den Luftverkehr, die Messe und den Tourismus. Wir haben beispielsweise in der Hotellerie immer noch eine Auslastung von nur knapp 40 Prozent. Auf der Zeil ist auch jetzt noch ein Drittel weniger Passanten unterwegs als vor der Krise, was auch mit der sehr hohen Anzahl von Menschen zu tun hat, die noch im Homeoffice sind. Auch wenn die Zahlen wieder nach oben gehen, diese Branchen erholen sich nur langsam.

Was kann die Stadt noch tun, um etwa Gastronomie und Einzelhandel zu unterstützen?

Wir können zu einer stärkeren Belebung der Innenstadt und der Einkaufsstraßen in den Stadtteilen beitragen. Die Stadt kann beispielsweise durch Wochenendaktionen das „Erlebnis“ Innenstadt unterstützen und vermitteln, dass man in Frankfurt gut und sicher einkaufen kann. Mittelfristig setzen wir etwa auf die Neugestaltung der Hauptwache hin zu mehr Aufenthaltsqualität und auf mehr Kultur- und Freizeitangebote.

Seit dem ersten Lockdown arbeiten sehr viele Menschen im Homeoffice. Was heißt das für die Zukunft des Bankenviertels, was für den Bedarf an neuen Bürotürmen?

Ich halte den Trend zum Homeoffice nicht für eine Gefahr für das Bankenviertel. Natürlich gibt es Unternehmen, die jetzt Büroflächen reduzieren. Aber ich weiß auch von Firmen, die größere Räume suchen. Unternehmen arbeiten an flexiblen Modellen, bei denen Homeoffice natürlich eine Rolle spielt. Eine Abkehr vom Büro sehe ich aber nicht. Um kreative Ideen entwickeln zu können, braucht man das persönliche Miteinander. Das werden Video-Konferenzen nicht ersetzen.

Zur Person

Stephanie Wüst ist seit 8. September hauptamtliche Stadträtin in Frankfurt und als solche Dezernentin für Wirtschaft, Recht und Reformen.

Die 32-Jährige, die in Frankfurt aufwuchs, arbeitete zuletzt bei der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände als Referentin für Verkehrs- und Logistikpolitik. Davor war die FDP-Politikerin für den Wirtschaftsrat der CDU tätig gewesen. An der Goethe-Universität hat Wüst 2010 ein Studium der Soziologie und Politikwissenschaft begonnen, das sie noch abschließen will.

Politisch hat sich Wüst zunächst bei den Jungen Liberalen engagiert, deren Kreisvorsitzende sie 2015 bis 2017 war. Als Stadtverordnete war sie von 2016 an wirtschafts- und frauenpolitische Sprecherin der FDP im Römer. cm

In Frankfurt stehen mehr als 900 000 Quadratmeter Bürofläche leer. Braucht man trotzdem noch neue Bürotürme?

Die Nachfrage von Unternehmen, die sich in Frankfurt ansiedeln wollen oder hier expandieren wollen, wird nicht einbrechen. Auch Start-ups brauchen Platz. Es wäre ein Riesenfehler, jetzt mögliche neue Hochhausprojekte auszubremsen oder gar zu verhindern.

Reichen die Industrie- und Gewerbegebiete in Frankfurt aus?

Nein. Uns fehlen um die 70 Hektar, um der Nachfrage entsprechen zu können. Dabei geht es nicht nur um Neuansiedlungen. Wenn es zu wenig Flächen gibt, wird es auch schwerer, Unternehmen, die wachsen wollen, in Frankfurt zu halten. Wir brauchen dringend neue Gewerbegebiete.

Sollte die Stadt also etwa das Gewerbegebiet bei Ikea in Nieder-Eschbach entwickeln?

Noch laufen Prüfungen. Alleine vom Standort her würde ich aber sagen: Ja, definitiv.

Die Koalition hat sich vorgenommen, Stadtplanung vom Grün her zu denken. Ist es da vertretbar, Gewerbegebiete auf Äckern und Wiesen zu bauen?

Ja, das ist vertretbar. Wenn ich mir anschaue, wie gering die Biodiversität auf vielen Flächen ist, steckt in einer Entwicklung durchaus Potenzial. Es ist möglich, die Flächen so zu beplanen, dass ein Teil des Gebiets platzsparend bebaut, ein anderer Teil aber ökologisch aufgewertet wird.

Der Industriepark Griesheim steht so gut wie leer. Sehen Sie noch die Chance, dass sich dort neue Chemieunternehmen ansiedeln? Oder sollte man das Areal anders nutzen?

Es ist unser erklärtes Ziel, dass dort weiterhin produzierendes Gewerbe angesiedelt werden kann. Der Betrieb eines Chemieparks, wie er dort bis 2019 stattgefunden hat, ist nicht mehr möglich. Der neue Betreiber Beos entwickelt dort ein Konzept. Das Areal ist hervorragend angebunden und könnte für viele andere Branchen interessant sein.

Interview: Christoph Manus

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