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Die Messe Frankfurt hat im vergangenen Jahr ein gutes Ergebnis erwirtschaftet. Doch die Pandemie trifft das Unternehmen hart.

Haushalt

Stadtkonzern mit riesigem Gewinn

  • Christoph Manus
    vonChristoph Manus
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Der Frankfurter Stadtkonzern hat 2019 noch 235 Millionen Euro Überschuss erzielt. Doch für das laufende Jahr droht ein hohes Defizit. Die Corona-Krise trifft Frankfurt massiv.

Trotz der schon im vergangenen Jahr schwächelnden Konjunktur hat der Frankfurter Stadtkonzern 2019 einen Überschuss von gut 235 Millionen Euro erzielt. Das konsolidierte Jahresergebnis lag damit fast 47 Millionen Euro über dem bereits sehr guten Vorjahreswert.

Das Ergebnis leiste gerade vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie einen wichtigen Beitrag zur Eigenkapitalstärkung und zur finanziellen Sicherheit Frankfurts, sagte Bürgermeister Uwe Becker (CDU) bei der Vorstellung des Gesamtabschlusses für die Stadt und ihre Gesellschaften. Es zeige, dass die „Großfamilie Frankfurt“ auf einem starken wirtschaftlichen Fundament stehe. Frankfurt sei weiterhin eine sehr vermögende Stadt. Der hohe Jahresüberschuss gehe aber hauptsächlich auf das erfolgreiche Wirken der Beteiligungen zurück, betonte der Kämmerer vor Journalisten.

Die Stadtwerke – zu der der Energieversorger Mainova und die Verkehrsgesellschaft VGF gehören –, der städtische Immobilienkonzern ABG, die zu 60 Prozent der Stadt gehörende Messe Frankfurt und das halbstädtische Entsorgungsunternehmen FES haben jeweils Überschüsse zum Ergebnis beigetragen. Auch das gute Ergebnis von Fraport floss über die Stadtwerke, die die städtischen Anteile am Flughafenbetreiber hält, ein. Die städtische Kernverwaltung hat dagegen bereits im vergangenen Jahr ein Defizit von etwa 100 Millionen Euro erwirtschaftet.

Corona kostet viel Geld

Für das von der Corona-Krise geprägte laufende Jahr rechnet Becker für den Stadtkonzern mit einem viel schlechteren Ergebnis als 2019, ja mit „deutlich roten Zahlen“. Die Pandemie trifft die Frankfurter Wirtschaft massiv und beschert der Stadt stark sinkende Einnahmen. So sind, wie Becker berichtete, bisher etwa 425 Millionen Euro weniger an Gewerbesteuer in die Kasse geflossen wie vor einem Jahr. Bei der Einkommensteuer rechnet er mit einem Rückgang von 50 Millionen. Hinzu kommt, dass Fraport und Messe in diesem Jahr keine Dividende zahlen und die städtischen Einrichtungen in der Krise geringere Einnahmen verbuchen.

Obwohl Bund und Land der Stadt mit 440 Millionen Euro dabei helfen, den Gewerbesteuerrückgang zu kompensieren, rechnet Becker daher mit einem Jahresdefizit von etwa 300 Millionen Euro. Die städtischen Gesellschaften und Beteiligungen werden diesen Fehlbetrag diesmal nicht ausgleichen können. Die Krise trifft insbesondere die Messe Frankfurt und die VGF gewaltig, dürfte aber auch so gut wie alle anderen städtischen Unternehmen viel Geld kosten.

Vor diesem Hintergrund warb der Kämmerer am Mittwoch erneut dafür, nicht nur an laufenden Ausgaben im Haushalt zu sparen, sondern auch Investitionen zu verschieben. Dringend notwendig sei es, weiterhin in Bildung und den öffentlichen Personennahverkehr zu investieren, betonte der Kämmerer. Für andere Projekte werde die Luft aber dünner.

Dabei machte Becker wieder einmal klar, dass er die Schaffung eines Kinder- und Jugendtheaters in dieser Situation für verzichtbar hält. Es sei besser, zunächst denen zu helfen, die jetzt schon Kinder- und Jugendtheater in Frankfurt anböten, sagte er. Der Neubau der städtischen Bühnen, aber auch die Sanierung und Erneuerung des Zoos hätten für ihn eine höhere Priorität als das Kinder- und Jugendtheater, sagte Becker.

Einmal mehr verteidigte der Kämmerer zudem die geplante Klage der Stadt gegen die „Heimatumlage“ des Landes, die Frankfurt pro Jahr Einnahmen von etwa 100 Millionen Euro im Jahr kostet.

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