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Yoshi ist Kult. Egal, in welcher Farbe, und egal, bei welchem Studio man arbeitet.
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Yoshi ist Kult. Auch beim neuen Videospiel-Studio Gunzilla in Frankfurt.

Games-Branche

Frankfurt: Spieleentwickler Gunzilla plant Großes

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Das Studio Gunzilla entwickelt Videospiele in Frankfurt. Für das erste Projekt des Teams ist etwas einzigartiges geplant.

Frankfurt – Noch sehen die meisten Wände der Büroräume in der ersten Etage des Westend-Carrees farblos aus. Eigentlich ungewöhnlich für die Studios von Videospielentwicklern, die meist ihre Kreativität und Extrovertiertheit auch in ihren Räumlichkeiten zum Ausdruck bringen. In den Büros direkt gegenüber der malaysischen Botschaft sitzt seit gut einem Jahr das Entwicklerstudio Gunzilla Games. Und durch den Einzug mitten in der Corona-Pandemie war wenig Zeit für eine wohlüberlegte Innenraumgestaltung. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Wir wollen gern Artworks unseres Spiels an den Wänden haben, damit die Leute hier vor Ort sehen, was sie geschaffen haben“, sagt Luke Davis, Executive Producer bei Gunzilla.

Ansonsten finden sich in den Räumen aber doch zahlreiche Dinge, die man schon eher in einem Entwicklerstudio vermutet. Am Eingang begrüßt einen ein Nicolas-Cage-Pappaufsteller, auf den Tischen finden sich Ritterhelm, ein rosa Yoshi und verdammt viele Nerf Guns. „Die Obsession mit den Nerf Guns haben alle Gamestudios gemeinsam“, verrät Davis. Sein Team habe extra gefragt, ob man nicht welche anschaffen könne. „Zur Arbeit kommen soll Spaß machen“, sagt der leitende Produzent.

Generell sei es Gunzilla sehr wichtig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufrieden sind. Es wurden extra Zufriedenheitsumfragen vorgenommen, um alle Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. „Geld spielt keine Rolle“, sagt da schon mal Davis im Gespräch mit der FR. Denn das Frankfurter Studio, Hauptsitz von Gunzilla, stehe immer auch ein bisschen in Konkurrenz mit dem Studio in Kiew (Ukraine). Dort sitzen die Mitarbeitenden in einer ehemaligen Weinfabrik und müssen sich dank Flipperautomat nicht vor dem Vergleich mit Frankfurt fürchten.

Games made in Frankfurt: Hessen ist als Standort für Entwickler unbeliebt

Aber warum gründet man überhaupt ein neues Studio in Frankfurt? Gilt doch Hessen laut Umfrage unter den Mitgliedern des Verbands der deutschen Games-Branche als einer der unbeliebtesten Standorte im Vergleich mit den anderen Bundesländern (Platz 11 bis 13). Selbst Deutschland genießt nicht den besten Ruf in Entwicklerstudiokreisen. Für Alexander Zoll, Strategieleiter (CSO) und Mitgründer von Gunzilla, stand ein Studio in Deutschland dennoch von Anfang an fest.

Vielleicht auch, weil der ehemalige Geschäftsführer der ukrainischen Dependance von Crytek sich bestens mit den Gegebenheiten in Hessen auskennt – Crytek verlegte seinen Hauptsitz von Coburg nach Frankfurt. „Anders als München oder Hamburg hat Frankfurt ein gutes Wohnumfeld und viele Annehmlichkeiten“, sagt Zoll. Einem internationalen Team, so wie Gunzilla es mit Mitarbeiter:innen aus 22 Nationen hat, werde es einfach gemacht, sich in der Stadt heimisch zu fühlen.

Auch die Ansiedlung des Studios im Westend, also in der Nähe des Zentrums, sei ein logischer Schritt gewesen. „Andere Studios liegen oft abseits und sind damit günstigere Optionen“, führt Luke Davis aus. Aber sie sind, salopp gesprochen, weit ab vom Schuss. Gunzilla aber habe für sein Team eine gute Anbindung und Ausgehmöglichkeiten gewollt. Die Räume samt Balkon zum Hinterhof sollen die Wohlfühlatmosphäre abrunden. Nicht nur einmal nimmt Luke Davis das Wort Familie in den Mund, wenn es um den Zusammenhalt der Belegschaft geht.

Brand Managerin des Videospielentwicklers Gunzilla Arianne Garin mit ihrem Kaktus in Frankfurt.

Videospiele: Studio aus Frankfurt plant „Evolution des Multiplayershooters“

Trotz der Entscheidung für Frankfurt verhehlen die Führungskräfte nicht den Nachholbedarf der Bundesrepublik in Sachen Videospielen. „Deutschland investiert zu wenig in Start-ups und IT“, sagt Zoll. Andere Länder seien weiter fortgeschritten. Besonders das Vereinigte Königreich sei ein großer Player. In Deutschland gebe es Berührungsängste vor der Branche; einen deutschen Investor zu finden, sei so gut wie unmöglich.

Das zeigten auch die meist kleinen Studios großer Spieleentwickler in Deutschland. Zoll beklagt die fehlende Wertschätzung für die Branche durch die Politik. Dabei schaffe man Arbeitsplätze, mindestens 40 aktuell, und weitere sollen dazukommen. Zolls Angebot an die Ampelkoalition in Berlin: „Wir können uns gerne treffen, dann können wir Tipps geben und sagen, was es bräuchte.“ Trotz allem, sagt Davis, seien diese Probleme kein Grund, nicht hier zu sein. „Deutschland kommt da noch hin. Besonders stolz ist der Executive Producer darauf, dass alle Kolleginnen und Kollegen das Spiel spielen, welches das Studio gerade entwickelt. „Auch die Finanzabteilung spielt es und gibt uns dann Feedback.“

So erkennt das Team, was Spieler:innen wichtig ist, die sonst vielleicht gar nicht oder eher andere Spiele zocken. Viel verrät das Entwicklerstudio noch nicht über das Projekt, an dem es arbeitet. Ein Shooter soll es werden, aber kein klassischer und kein konventioneller. Gunzilla spricht von der „Evolution des Multiplayershooters“. Da Filmregisseur Neill Blomkamp (District 9) und „Altered Carbon“-Autor Richard K. Morgan mit an Bord sind, dürfte ein Großteil des Fokus auf dem narrativen Teil des Spiels liegen. Das bestätigen auch die Entwickler, die sagen, dass das Storytelling und die Geschichte ein wichtiger Teil des Spielerlebnisses sein soll.

Frankfurt: Ungewöhnliches Videospiel in Entwicklung

Das Studio hat sich also vorgenommen, das Genre zu erweitern und zielt auch auf Nutzerinnen und Nutzer, die sonst nichts mit Shooter-Spielen anfangen können. Alexander Zoll stellt in Aussicht, dass man sogar Fortschritt ohne Schießen erzielen kann. Bis erste konkrete Infos kommen, kann es aber noch dauern. Gerade befinde man sich in der Phase der Vorproduktion. Das Spiel solle erst erscheinen, wenn es zu 100 Prozent fertig sei. Lieber lasse man sich etwas mehr Zeit, als seine Reputation zu gefährden.

Entwickelt wird das Spiel mit Hilfe der Unreal-5-Engine und soll für PC und die Next-Gen-Konsolen (Playstation 5 und Xbox Series X/S) erscheinen. Luke Davis stellt Cross Playing in Aussicht, allerdings sehr wahrscheinlich nicht zum Launch des Titels. (Steven Micksch)

Auch auf andere Weise spielt die Bankenmetropole eine Rolle in der Gaming-Branche: Ein neues Videospiel schickt die Spieler ins Bahnhofsviertel Frankfurt.

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