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Rita Streb-Hesse.

Nachruf

Frankfurter SPD-Politikerin Rita Streb-Hesse stirbt mit 74 Jahren

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Die über Parteigrenzen hinweg beliebte SPD-Politikerin Rita Streb-Hesse kämpfte im Bundestag, im Landtag und im Stadtparlament für ein gutes Bildungsangebot.

Sie zählte über Jahrzehnte hinweg zu den bekanntesten und beliebtesten Persönlichkeiten der Frankfurter SPD. Doch auch außerhalb der Sozialdemokratie genoss Rita Streb-Hesse großes Ansehen. Die Lehrerin rieb sich auf für ihre Partei und für ein gutes Bildungsangebot in der Stadt. Jetzt ist „unsere Rita“, wie sie im Volksmund hieß, im Alter von nur 74 Jahren gestorben.

Sie kämpfte sich aus kleinen Verhältnissen nach oben, als Flüchtlingskind in einem Arbeiterhaushalt war sie 1945 in Witzenhausen geboren worden. Ausschlaggebend war, dass ihre Eltern ihr Abitur und Studium ermöglicht hatten – diesen Aufstieg durch Bildung vergaß Streb-Hesse nie. Sie blieb dennoch stets bescheiden und zurückhaltend.

Doch wenn es um ihre Ziele ging, konnte die Sozialdemokratin sehr kämpferisch auftreten. Nach dem Eintritt in die SPD 1966 diente sie ihrer Partei auf allen politischen Ebenen: von 1985 bis 1991 als Stadtverordnete, von 1991 bis 1998 saß sie in den Landtag, von 1998 bis 2005 arbeitete sie im Bundestag, um dann von 2000 bis 2016 in das Frankfurter Stadtparlament zurückzukehren.

In Landtag und Bundestag

In der Frankfurter SPD herrschten in den 1990er Jahren schwierige Verhältnisse. Die Parteiflügel bekämpften sich, es gab Intrigen und Widrigkeiten, vor denen der damalige sozialdemokratische Oberbürgermeister Volker Hauff 1991 die Flucht ergriffen hatte. Das von Streb-Hesse ersehnte Amt der Schuldezernentin in der ersten rot-grünen Koalition im Römer war 1989 an die Grüne Jutta Ebeling gegangen. In vielen Verhandlungsrunden versuchte Streb-Hesse, dieses schwierige Bündnis zu stabilisieren und ihm Dauer zu geben.

Aber schon 1995 zerbrach die rot-grüne Koalition endgültig – auch an der Unzuverlässigkeit der SPD. Genau an diesem Tiefpunkt übernahm Streb-Hesse den SPD-Unterbezirksvorsitz. Fünf Jahre lang dauerte ihr Kampf um die Stabilisierung der Partei, den sie letztendlich verlor.

Mit dem Landtag und dem Bundestag suchte und fand sie neue politische Betätigungsfelder. Im Bundestag wurde auch Verkehrspolitik ihr Thema, im Landtag unter anderem die Situation der Strafgefangenen. Doch die Bildungspolitik ließ sie nicht los, sie hielt stets Kontakt zur Basis und insbesondere zur Carlo-Mierendorff-Schule in Frankfurt, an der sie bis 1991 Konrektorin gewesen war.

Bildungsausschuss geführt

In ihrer zweiten Phase als Stadtverordnete führte Streb-Hesse den Bildungsausschuss im Römer und kehrte so zu ihren politischen Wurzeln zurück. Am Ende konnte sie zufrieden damit sein, wie das schulische Angebot in Frankfurt auch dank ihres Engagements in all den Jahren ausgebaut worden war: mit Kinderbetreuung, Ganztagsmodellen und integrativem Unterricht.

Für die ganz große politische Führungsposition fehlte ihr die nötige Abgebrühtheit, der absolute Wille zur Macht. Genau das machte sie für viele Menschen liebenswert.

Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) würdigte Streb-Hesse als Vorbild und Freundin, der sie sehr viel zu verdanken habe.

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