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Frankfurter Sparkasse: Vergleich beendet Streit über NS-Zeit

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Von: Thomas Stillbauer

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Forschende haben sich nach dem Konflikt über die Aufarbeitung der Rolle der Sparkasse in Frankfurt unter dem Hitler-Regime geeinigt. Eine Chronik soll erscheinen.

Frankfurt – In der Auseinandersetzung über eine Chronik zum 200-jährigen Bestehen der Frankfurter Sparkasse haben sich die Konfliktparteien auf einen Vergleich geeinigt. Der Historiker Ralf Roth, der mit einem Abschnitt der Festschrift über die Zeit des Nationalsozialismus beauftragt worden war, hatte Belege dafür gefunden, dass die Sparkasse in den Jahren der NS-Herrschaft systematisch das Geld jüdischer Kontoinhaberinnen und -inhaber beschlagnahmt hatte.

Vor allem kritisierte er, die Sparkasse von 1822 und die später mit ihr vereinigte Stadtsparkasse seien nicht angemessen mit ihrer Schuld umgegangen. Daraufhin hatte das von der Sparkasse beauftragte Institut für Bank- und Finanzgeschichte (IBF) die Zusammenarbeit mit Roth im März 2022 beendet. Der wissenschaftliche Beirat des IBF warf dem renommierten Forscher Roth fehlende Sachkenntnis vor.

Die dunklen Jahre der Frankfurter Sparkasse sollen aufgearbeitet werden.
Die dunklen Jahre der Frankfurter Sparkasse sollen aufgearbeitet werden. © Peter Jülich

NS-Vergangenheit der Frankfurter Sparkasse: Forschende einigen sich im Konflikt

In dem juristischen Vergleich sind Roth und IBF nun nach gemeinsamen Beratungen zu dem Schluss gekommen, „dass die Gründe für die Beendigung des Vertrages zur Erstellung von Kapiteln für die Festschrift der Frankfurter Sparkasse auf unvollständigen Informationen beruhten“. Beide Parteien seien übereingekommen, „die Angelegenheit umfassend und einvernehmlich beizulegen“, wie Roth der FR mitteilte. Das IBF bestätigte die Angaben auf Anfrage. Der Konflikt um das Manuskript Roths sei beigelegt.

Der Streit hatte im vergangenen Jahr für Aufsehen in der Stadt gesorgt. Unter anderen verlangten die Jüdische Gemeinde Frankfurt und der Antisemitismusbeauftragte des Landes Hessen, Uwe Becker (CDU), dass der Sachverhalt konsequent aufgearbeitet werde und sich die Sparkasse offen mit ihrer Vergangenheit auseinandersetze. Roth hatte dem IBF eine „Schmutzkampagne“ gegen seine Person vorgeworfen.

NS-Vergangenheit der Frankfurter Sparkasse: Chronik soll noch in diesem Jahr erscheinen

Der wissenschaftliche Beirat des IBF entschied später, den Abschnitt der Chronik über die NS-Zeit selbst zu verfassen. Im Mai 2022 gaben die Frankfurter Sparkasse und ihre Gründerin, die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt, schließlich bekannt: Das Fritz-Bauer-Institut werde die Geschichte beider Institute während des Nationalsozialismus in einem Forschungsprojekt aufarbeiten.

Die Hoffnung, noch im Jubiläumsjahr der Frankfurter Sparkasse von 1822 mit der Chronik fertig zu werden, erfüllte sich nicht. Eine IBF-Sprecherin teilte nun auf Anfrage mit, das Institut habe seinen Auftrag einer wissenschaftlich fundierten Überblicksdarstellung abgeschlossen. Das Manuskript befinde sich derzeit beim Verlag; voraussichtlicher Erscheinungstermin sei das dritte Quartal dieses Jahres.

Weiterhin gehe das IBF davon aus, dass diese Arbeit zur Geschichte der Frankfurter Sparkasse auch Impulse für die weitere Forschung nicht zuletzt zur NS-Finanzgeschichte geben werde. So sei nach der Veröffentlichung des Buchs etwa eine Veranstaltung zur Rolle der Banken in der NS-Zeit geplant. (Thomas Stillbauer)

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