So kennen wir ihn: Peter Postleb auf Streife im Jahr 2013.
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So kennen wir ihn: Peter Postleb auf Streife im Jahr 2013.

Müllvermeidung

Der Frankfurter Sheriff kehrt zurück

  • Thomas Stillbauer
    vonThomas Stillbauer
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Mit Peter Postleb, einst berühmtester Müllsünderjäger der Republik, will der OB die Stadt wieder sauberer kriegen. Seine Ernennung überraschte alle.

Die Tauben sollen zusammengezuckt sein, als sie davon hörten. Im Bahnhofsviertel stehen die Dealer stramm. Und den ganzen Tag hat noch niemand in Frankfurt eine Zigarettenkippe auf den Boden fallen gelassen. Die Nachricht verbreitet sich wie das Aroma hinter der Biomüllabfuhr an einem heißen Sommertag: Der Sheriff ist wieder in der Stadt.

Vor sieben Jahren schied Peter Postleb aus Altersgründen aus dem Dienst – jetzt ist der frühere Leiter der Stabsstelle Sauberes Frankfurt wieder da. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) hat den inzwischen 71-Jährigen gerufen, um ein Problem zu bekämpfen, das die Boulevardpresse den „Corona-Müll“ getauft hat. Peter Postleb, damals für seine unorthodoxen Maßnahmen bundesweit bekannt, soll aufräumen.

Bei seiner überraschenden Vorstellung am Mittwoch – niemand hatte etwas geahnt – sprach er von Sofortmaßnahmen. Dazu sollen etwa „ordnungsrechtliche Aktionstage“ mit der Stadtpolizei bei der „Feierabendszene“ zählen. Zudem sollten temporär an den großen Plätzen und am Mainufer ausreichend Abfallbehälter aufgestellt werden, kündigte Postleb an. Und: „Wir werden außerdem mit etlichen kleineren Maßnahmen direkt beginnen.“

Da geht es etwa um beklebte und beschmierte Türen am Eisernen Steg oder um Baumscheiben an der Hauptwache, aus denen Unkraut wächst. „Paar Blümchen rein, das ist ja kein Hexenwerk.“ Oder eine Stelle am Hauptbahnhof, an der die Folgen eines Autounfalls seit langer Zeit nicht beseitigt seien. „Das sieht aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

„Feierabendszene“ im Blick

Auch in den Stadtteilen will Postleb tätig werden und auf Anregungen der Ortsbeiräte reagieren. Insgesamt sucht er aber den Blick aufs Ganze: „Ich will es mir unbefangen wie ein Bürger ansehen, das ist der erste Schritt.“ Zu den früheren Maßnahmen des damaligen Stabsstellenchefs gehörte etwa ein Modellversuch, der 2006 weit über die Stadtgrenzen hinaus Furore machte. Postleb entsandte Mülldetektive ins Stadtgebiet, um illegale Abfallablagerungen aufzuspüren. Nach acht Monaten war der Versuch beendet. „Ich bin nicht zufrieden“, sagte der oberste Müllwächter seinerzeit. Die abschreckende Wirkung sei ausgeblieben, die Methoden der Detektive hätten sich schnell herumgesprochen. Als sie in Heddernheim aus dem Hinterhalt einen Müllsünder ertappten und nach Hause verfolgten, winkte die alarmierte Polizei ab: zu viel Aufwand, wegen illegalen Sperrmülls ein ganzes Wohnhaus zu durchsuchen.

Postleb jagte Stadttauben mit Bussarden. Das musste er aufgeben, als einer der Greifvögel einen kleinen Hund angriff.

In den Jahren nach seiner Pensionierung blieb er den Sauberkeitsverhältnissen in der Stadt stets ein treuer Beobachter. 2017 forderte er im FR-Interview Härte gegen Müllsünder: „Die Leute müssen spüren, dass sie sich so nicht aufführen können. Das lernen sie nur über Bußgelder. Aber die Politik setzt lieber auf Kampagnen, in denen die Leute um Mithilfe gebeten werden. Das ist der falsche Weg. Da waren wir mit der Stabsstelle Sauberes Frankfurt schon weiter.“

Mit der Stabsstelle seiner Prägung wohlgemerkt. „Die Stelle war direkt bei der Oberbürgermeisterin angesiedelt. Damit konnte ich ganz anderen Druck erzeugen.“ Die Entwicklung zeige, sagte Postleb seinerzeit, „dass das Thema Müll bei Oberbürgermeister Peter Feldmann und Umweltdezernentin Rosemarie Heilig einfach keine Priorität hat“. Und er fuhr fort: „Die Anzeigen, die die Stadtpolizei gegen Müllsünder in einem Jahr schreibt, die habe ich früher an einem Tag geschafft.“

Postleb schwebt eine Sondersatzung vor

Das kam nicht gut an. Die Stadt soll gar Schritte gegen Postleb erwogen haben. Er antwortete: „Ich bin kein Besserwisser. Die Stabsstelle war meine Herzensangelegenheit. Ich kenne mich mit dem Thema weiterhin gut aus, und deshalb erlaube ich mir auch, Kritik zu äußern. Dass ich deswegen gerade beim Ordnungsamt nicht beliebt bin, weiß ich.“

Fürs Bahnhofsviertel mit seiner Drogenszene schwebte Postleb eine Sondersatzung vor: Dann könne die Polizei schon tätig werden, wenn eine größere Gruppe nur verdächtig auf dem Bürgersteig herumstehe. Mit seinen Thesen gefiel er dem FDP-Haudegen Volker Stein, der Postleb im OB-Wahlkampf als Mann für die Ordnung zurückholen wollte. Stein wurde dann nicht Oberbürgermeister, sondern Feldmann. Der holte Postleb jetzt zurück.

Auf Twitter ärgert sich der Saubermann schon mal über „Genderwahn“ oder konstatiert, die neuen Müllbehälter in Grün seien fürs Ambiente des Opernplatzes „wie ’ne Faust aufs Auge“.

Claudia Gabriel, seit 2014 Leiterin der Stabsstelle Sauberes Frankfurt und Nachfolgerin Postlebs, erinnert daran, dass Post an den Vorgänger hinausgegangen sei, als seine Twittertiraden sich häuften: Er möge sich doch einfach an die Stabsstelle wenden und dort Bescheid geben, wenn etwas im Argen liege. „Aber wir haben in sechs Jahren keine einzige Meldung bekommen“, sagt sie.

Postleb sagt, er wünsche sich eine gute Zusammenarbeit mit der Stabsstelle: „Es ist ja eine Gemeinschaftsaufgabe.“ Sein Ansatz sei jedoch: „Ein bisschen beherzter auftreten“ gegen die Müllsünder: „Wer nicht hören will, muss fühlen.“ Und seine Kritik per Twitter sei ja gut gemeint gewesen: „Kritik ist was Positives. Die muss man aushalten können.“

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