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Susanna Kock leitet seit 2018 die Liebfrauenschule.
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Susanna Kock leitet seit 2018 die Liebfrauenschule.

Porträt der Woche

Frankfurter Schulleiterin: Mit Mut durch die Pandemie

Susanna Kock leitet die Liebfrauenschule in Frankfurt und bereitet sich auf ungewisse Wochen vor.

Susanna Kock will wieder Musik hören, so wie früher. Mit „früher“ meint sie natürlich vor Corona, als es noch regelmäßig Veranstaltungen gab, als Musikprojekte noch zur Tagesordnung an der Schule gehörten. Das vermisst sie mit am meisten, denn Musik bringe die Kinder zusammen. Wegen der anhaltenden Corona-Situation werden solche Veranstaltungen jedoch weiterhin auf sich warten lassen und auch sonst stehen ungewisse Wochen bevor. Trotz der schwierigen Lage, sagt die Grundschulleiterin, habe sie bis heute nie den Mut verloren.

Eigentlich ist Susanna Kock gelernte Fotografin, doch irgendwann kam in ihr der Wunsch auf, etwas „Sinnvolles“ zu machen. So sei sie bei dem Beruf der Lehrerin gelandet. Ihre ersten Erfahrungen sammelte sie als Referendarin an der Schule, an der sie seit 2018 Rektorin ist: der Liebfrauenschule. Diese sei etwas Besonderes, findet die heute 54-Jährige, denn es handele sich dabei um eine musikalische Grundschule: „Das ist ein verbindendes Element von Eltern, Kindern und Schulkräften.“

Und noch etwas sei besonders, neben dem bilingualen Angebot: „Wir befinden uns immer in der Weiterentwicklung“, sagt Kock und wirft anschließend den Begriff „lernende Schule“ in den Raum. Damit sei gemeint, dass sich die Schule aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen stelle und somit nicht nur die Schüler:innen lernten, sondern auch die Schule selbst. Dafür arbeiten beispielsweise die Lehrkräfte mit Förderschullehrkräften, Sozialarbeiter:innen und der Jugendhilfe in Teams zusammen, um „mit verschiedenen Blicken auf die Schule und ihre Schüler“ zu schauen. Die regelmäßigen Besprechungen sollen dafür sorgen, dass niemand den Anschluss verliert.

Das sei es auch, was sie als Schulleiterin antreibe: „Den Kindern an der Schule gemeinsam mit Lehrkräften Chancen zu ermöglichen und ihnen Unterstützung anzubieten.“ Zudem schätzt Kock ihre gestalterischen Möglichkeiten sehr: „Ich finde, ich habe einen sehr kreativen Beruf - wobei seit Corona die administrativen Aufgaben um das Dreifache gewachsen sind.“ Denn obwohl Kock beispielsweise die regelmäßigen Corona-Tests an Schulen wichtig findet, sei der zeitliche administrative Aufwand insgesamt sehr hoch. Deswegen plädiert sie für das Einführen von Verwaltungsfachkräften, denn so könnte sie sich wieder mehr auf die Weiterentwicklung und Ausgestaltung der Schule konzentrieren. Das sei momentan nur unter „großen Bemühungen“ möglich.

Die andauernde Corona-Pandemie bezeichnet Kock dabei immer wieder als „eine schwere Zeit“, es fehle viel Freudvolles, vor allem in Bezug auf musikalische Projekte an der Schule: „Wenn wir hier Konzerte hatten, das war so ein tolles Gefühl von Zusammenhalt, da ging jedem das Herz auf. Denn dieses Gefühl, das ist etwas, das die Schüler mitnehmen – das ist vielleicht sogar prägender, als dass sie in der Grundschule das Einmaleins gelernt haben.“ Vor Corona beteiligten sich die Schüler:innen jedes Jahr an diversen Konzerten und Aufführungen, jetzt komme das Musikalische deutlich zu kurz. Vor Weihnachten organisierte die Schule deshalb einen Flashmob im Pausenhof, bei dem alle Schüler:innen mit Masken und auf Abstand teilnehmen durften. Da sei das vermisste Gefühl wieder aufgekommen: „Wir gehören zusammen!“

Mittlerweile hätten sich die Kinder weitestgehend an die Maskenpflicht gewöhnt, aber Kock hat trotzdem den Eindruck, dass „das was mit den Kindern macht“. Die Mimik und Gestik anderer nicht zu sehen, mache den Umgang der Kinder miteinander manchmal etwas ruppiger als gewohnt. Die Maskenpflicht wird jedoch in der nächsten Zeit erhalten bleiben, gerade in Hinblick auf die steigenden Fälle mit der Virusvariante Omikron auch in Deutschland. Bisher sei kein solcher Fall an der Schule bekannt. Ab Schulbeginn würden die Kinder wieder getestet, dann müsse man schauen, was einen erwarte. Alle Lehrkräfte seien geimpft und unterstützten sich bestmöglich gegenseitig, betont Kock: „Das hilft sehr.“

Seit den Herbstferien hatte es fast wöchentlich ein bis zwei positiv getestete Kinder an der Schule gegeben, doch bisher musste noch keine ganze Klasse in den Distanzunterricht geschickt werden. Kock hält das für wichtig, denn „der Distanzunterricht im letzten Jahr war die bisher schwierigste und belastendste Situation für uns und ist definitiv keine Lösung für eine Grundschule. Die trotzdem stattfindende Notbetreuung führt diesen meiner Meinung nach ad absurdum.“ Deswegen sei ihr für das kommende Schuljahr wichtig, den Unterricht vor Ort weiterzuführen und die Normalität soweit wie möglich aufrechtzuerhalten, erst recht keine Panik zu verbreiten. Problematisch würde es nur dann werden, wenn sich vermehrt Lehrkräfte oder auch Schüler:innen infizieren sollten. Was dann passiert, ist derzeit noch unklar: „Möglich ist alles, aber das können wir jetzt noch nicht sagen.“

Auf das kommende Jahr blickt Kock dennoch positiver als auf das Vergangene, das sie als „sehr, sehr anstrengend“ bezeichnet. Kock und ihre Stellvertreterin waren dauerhaft in der Schule. Wegen etlicher kurzfristiger Beschlüsse mussten sie viele Wochenenden durcharbeiten, konnten nur wenig Zeit mit der Familie verbringen. „Man fühlt sich einfach verantwortlich, dass alles läuft.“

Zudem sei die Kommunikation mit den zuständigen Behörden nicht gut gelaufen: „Letztendlich hatten wir den Eindruck, wir waren ziemlich auf uns alleine gestellt.“ Kock wünscht sich deshalb eine klare Linie von der Politik „und es muss gesehen werden, was die Schulen leisten“. Ihre Sichtweise auf den Beruf Lehrer:in hat sich trotzdem nicht verändert, denn „es macht sehr viel Freude und es ist weiterhin ein wertvoller Beruf, wir tun viel für die Gesellschaft“.

So hat Susanna Kock auch in der Zukunft viel vor mit der Liebfrauenschule und „daran hat sich auch durch Corona nichts geändert“. Für die Kinder wünscht sie sich vor allem, dass diese die Schule wieder so erleben dürfen, wie sie vor Corona war. Außerdem sollen sie keine Angst vor der Zukunft haben. „Ich selbst habe nie den Mut verloren“, betont die Schulleiterin. Während der schwierigen Zeit hätten sie viele E-Mails von Eltern erreicht, die sich bedankt hätten: „Das beglückt einen sehr und trägt einen auch durch viele Monate der Anstrengung.“ (Kim Brückmann)

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