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Frankfurter Schule kämpft um ihren Leiter

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Von: Sandra Busch

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Mathias Koepsell fing in schwierigen Zeiten am Adorno-Gymnasium an.
Mathias Koepsell fing in schwierigen Zeiten am Adorno-Gymnasium an. © christoph boeckheler*

Mathias Koepsell vom Adorno-Gymnasium soll in Ruhestand gehen. Das will die Schulgemeinde nicht akzeptieren-

Die Empörung in der Schulgemeinde ist groß. Mathias Koepsell, der Leiter des Adorno-Gymnasiums, muss zum 31. Januar in den Ruhestand gehen. Seinen Antrag auf Verlängerung der Dienstzeit hat das hessische Kultusministerium abgelehnt. „Die Eltern sind enorm aufgebracht“, sagt Stefanie Horn, die Vorsitzende des Schulelternbeirats. „Ihn in dieser Situation abzuziehen, ist unverständlich.“

In einem offenen Brief an Kultusminister Alexander Lorz (CDU) legt der Schulelternbeirat seinen Unmut über die Entscheidung dar. Besonders grotesk erscheine die Entscheidung im Hinblick auf „Lehrkräftemangel, nicht besetzte Schulleiterstellen, Überlastung und Ausfälle aufgrund der Corona-Pandemie“. Immer wieder werde davon berichtet, dass Lehrer:innen aus dem Ruhestand geholt würden, damit die Unterrichtsversorgung gewährleistet werden könne. Es habe vom Ministerium auch keinerlei Rückfragen an die Schulgemeinde gegeben. „Hieraus lässt sich erkennen, dass mittlerweile in der Bildungsverwaltung eine enorme Gleichgültigkeit gegenüber pädagogischen Besonderheiten und Anliegen eingekehrt ist.“

Schwieriger Beginn

Das Adorno-Gymnasium wurde 2015 gegründet – und der Beginn war schwierig. Erst war die Schule für Nied geplant, wurde in Höchst eröffnet, zog schließlich ins Westend. Hatte das Gymnasium im ersten Jahr nur drei Anmeldungen und flossen bei der Einschulung Tränen bei den Zugewiesenen, so mussten im vergangenen Jahr erstmals Schulplätze bei der Zweitwahl verlost werden. „Der Anfang war sehr mühevoll“, sagt Koepsell.

Und deswegen hätte er gerne diesen allerersten Jahrgang in zwei Jahren mit dem Abitur verabschiedet. „Das wäre mir ein persönliches Bedürfnis gewesen“, sagt Koepsell. Aber vor allem sei es ihm darum gegangen, dass „es einfach passt“ zwischen ihm und der Schule. Zwei Jahre werde die Zahl der Schüler:innen am Adorno-Gymnasium noch wachsen; ein Prozess, in dem Kopsells Erfahrung genutzt werden sollte, schreibt der Elternbeirat.

Die Entscheidung kam nun für alle überraschend. Doch das Kultusministerium teilte vergangene Woche mit, dass kein dienstliches Interesse an einer Verlängerung festgestellt werden könne, sondern gut ausgebildeten Nachwuchslehrkräften eine Einstiegsmöglichkeit und Bewährungschance geboten werden solle.

Koepsell ärgert sich vor allem darüber, dass die Behörde sich die Situation an der Schule nicht angeschaut hat. „Da schlägt einem die Ignoranz ins Gesicht“, sagt er. Das sei einer Behörde, die sich für Bildung engagiere, nicht würdig. „Aber ich sehe mich als Landesbediensteten.“ Er habe seinen Dienst angeboten, und das Angebot sei nicht angenommen worden. „Ich gehe ohne Groll, und es bricht an der Schule auch keine Katastrophe aus.“

Doch die Schulgemeinde will um ihren Leiter kämpfen. Im Brief an Lorz fordert sie den Minister auf, den Antrag neu zu prüfen.

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