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Frankfurter Schülerinnen und Schüler planen Menschenkette inSachsenhausen

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Stadtweit engagieren sich junge Menschen für die Ukraine. „Haben Angst wie alle anderen auch“

Sie sammeln Sach- und Geldspenden. Sie sprechen im Unterricht über Frieden und Krieg. Sie organisieren Menschenketten durch den Stadtteil: Frankfurts Schulen solidarisieren sich mit der Ukraine. „Uns Schülerinnen und Schüler beschäftigt die Situation in der Ukraine sehr“, sagt Stadtschülersprecher Hannes Kaulfersch. Gerade in den sozialen Medien sähen die Jugendlichen viele Gewaltszenen aus dem Kriegsgebiet. „Wir haben genauso Angst wie alle anderen auch und wissen nicht, was noch passiert“, sagt Kaulfersch. Deshalb engagierten sich die Schüler:innen und sammelten Spenden, auch an Kaulferschs Schule, dem Wöhler-Gymnasium. „Meine Generation ist immer gut informiert über das Weltgeschehen“, sagt Kaulfersch. „Wir wollen etwas ändern.“

An der Carl-Schurz-Schule und der integrierten Gesamtschule (IGS) Süd in Sachsenhausen haben Schüler:innen und Lehrer:innen für den heutigen Freitag ab 11.45 Uhr eine Menschenkette organisiert, die sich rund um die beiden Schulgebäude bilden wird. Mit gut 1500 Menschen wird gerechnet. Zudem werden sich die Kinder und Jugendlichen in der Schulstunde zuvor mit dem Thema beschäftigen und Plakate erstellen. Außerdem werden Geldspenden gesammelt. „Wir wollen ein Zeichen der Solidarität und Hilfsbereitschaft setzen“, sagt Christof Gans, der Leiter der Carl-Schurz-Schule. Initiiert wurde das Ganze von den Schüler:innen selbst. Sie wollten nicht untätig sein. „Es ist wichtig, dass sie eine Möglichkeit haben, sich aktiv mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzen“, sagt Gans. Immerhin gebe es an der Schule sowohl Kinder aus ukrainischen Familien mit Freunden und Verwandten im Kriegsgebiet als auch Kinder mit russischen Wurzeln. „Wir dürfen sie nicht stigmatisieren“, sagt Gans. Das sei eine große Herausforderung für die Lehrer:innen.

Das sieht Dieter Clemens, der Leiter der Leibnizschule, ähnlich. Auch das Gymnasium in Höchst besuchen sowohl ukrainische als auch russische Schüler:innen. „Die Kollegen haben sich viele Gedanken darüber gemacht, wie sie damit umgehen“, sagt Clemens. „Deshalb haben wir beschlossen, dass wir bewusst keine Vorwürfe gegen Putin äußern.“ Bei der Auseinandersetzung mit dem Thema solle es eher darum gehen, dass man einen Konflikt nicht mit Gewalt, sondern mit Dialog löst.

Für die nächste Woche hat die Leibnizschule eine Aktionswoche zum Ukraine-Krieg geplant. In allen Jahrgangsstufen soll das Thema behandelt und aufgearbeitet werden. „Das ist wichtig“, sagt Clemens. „Die Schüler haben derzeit viele Ängste. Sie sind fassungslos, dass es einen Krieg ganz in unsere Nähe gibt.“ Deshalb sollen ihre Gedanken, Wünsche und Sorgen, die in der Projektwoche zutage treten, an Stellwänden im Foyer der Schule plakatiert werden. Spenden werden in Kooperation mit dem ebenfalls in Höchst ansässigen Friedrich-Dessauer-Gymnasium gesammelt.

Auch im Gymnasium Nord in Westhausen wird die Krise im Unterricht behandelt – in den Jahrgangsstufen fünf und sechs in Religion oder Ethik, ab der siebten Klasse in Politikwissenschaften. Zudem liegt ein Buch aus, in dem die Schüler:innen ihre Gedanken und Gefühle niederschreiben können. „Viele Kinder sind emotional von der Situation betroffen“, sagt Schulleiter Michael Haas. Deshalb seien auch Sorgen-Pausen und Sorgen-Sprechstunden eingerichtet worden. „Da können sich die Schüler in einem geschützten Rahmen an unser Beratungsteam wenden, wenn sie einfach mal reden wollen.“

Alix Puhl, Elternbeirätin der Carl-Schurz-Schule, begrüßt all diese Aktionen. „Die Kinder müssen das Gefühl haben, etwas tun zu können“, sagt sie. „Allerdings dürfen das keine Eintagsfliegen sein.“ Ihrer Ansicht nach müsse man schon jetzt über Partnerschulen in der Ukraine nachdenken. „Wenn es dort irgendwann wieder einen Alltag gibt, brauchen die Schüler auch weiterhin unsere Unterstützung.“

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