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Gilbert (li.) & George zu Besuch in ihrer eigenen Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn.
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Gilbert (li.) & George zu Besuch in ihrer eigenen Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn.

Kunst in Frankfurt

Frankfurter Schirn: Gilbert & George zu Besuch

  • Kathrin Rosendorff
    VonKathrin Rosendorff
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Das britische Kunstduo Gilbert & George schaut bei seiner eigenen Schirn-Ausstellung in Frankfurt vorbei. Und erzählt, warum Madonna bei einem Dinner mit ihnen wütend wurde.

George hat sich zum perfekt sitzenden dunkelgrünen Tweedanzug frische Blümchen angesteckt. „Die habe ich gegenüber der Schirn gepflückt“, sagt er am Mittwoch und lacht. Neben ihm, inmitten ihrer knallbunten Ausstellung in Frankfurt, steht Gilbert. Er trägt den gleichen Anzug in blau. Die britischen Kultkünstler gibt es seit 1967 nur als Einheit „Gilbert & George“ – und ohne Nachnamen.

Die Schirn feiert die beiden schon seit Monaten mit der Ausstellung „Gilbert & George. The Great Exhibition“. Aber wegen der Pandemie konnten George (Jahrgang 1942) und Gilbert (Jahrgang 1943) erst jetzt persönlich anreisen. Sie sind nicht nur gekommen, um Fragen der Journalist:innen zu beantworten, sondern auch um Fans am Nachmittag ihre Poster zu signieren.

Die beiden lernten sich einst in der Londoner St. Martin’s School of Art kennen, verliebten sich, und arbeiten seitdem zusammen. Weltweit werden sie für ihre Kunst, die anders als ihre Anzüge eben knallbunt und laut ist, gefeiert. Sie selbst sehen sich als lebende Skulptur.

Die Ausstellung

Die Schirn Kunsthalle am Römerberg widmet dem britischen Kunstduo Gilbert & George eine umfangreiche Retrospektive mit Werken von 1972 bis 2019. Die Ausstellung wurde jetzt bis zum 5. September verlängert.

Seit mehr als fünf Jahrzehnten leben und arbeiten Gilbert & George im Londoner Stadtviertel Spitalfields. Ihre Wohnung und das Atelier in der
Fournier Street sind seit dem Einzug 1968 das Zentrum ihrer Kunst.

Weitere Informationen und Online-tickets: www.schirn.de/tickets rose

1969 präsentierten sie sich denn auch als „Singing Sculpture“: Mit silbern angemalten Gesichtern standen sie auf einem Tisch und sangen das Lied „Underneath the Arches“ von 1932. Acht Stunden lang. Es ging um das Thema Obdachlosigkeit. 1991 gab es ein Revival. Wird es noch eins geben? Nein, dazu seien sie zu alt. „We are old cunts“, sagt Gilbert, „wir sind alte Muschis“. Dann stimmen beide spontan das Lied an. Und nein, sie nähmen kein Kokain, versichert Gilbert, der in den Tälern der Dolomiten in Südtirol aufwuchs.

In ihren Werken geht es um Sexualität, Ausscheidungen, Kritik an Homophobie und Religion. So sieht man immer wieder Penisse, Polöcher und Fäkalien und das Wort „Fuck“ in mehrfacher Ausführung. Sie wollten nie Kunst machen, die nur ein elitärer Kreis versteht. „Unsere Kunst dreht sich um das echte Leben“, betont George. Deswegen würden sie auch auf der Straße erkannt. Sie leben und arbeiten in East London.

Sie erzählen, wie sie neulich den Bus nahmen, als sie essen gehen wollten. „Wir waren schon auf dem Treppenabsatz des Restaurants, als wir Schritte hinter uns hörten, der Busfahrer hinter uns stand und sagte: ‚Ich liebe eure Kunst.‘ Er hatte den Bus abgeschlossen mit den Fahrgästen drin, um uns das zu sagen“, erzählt George und lacht. Und hängt die Geschichte des aus dem Ohr blutenden Drogenabhängigen an, der auf sie zukam und rief: „Am liebsten mag ich eure Shit-Pictures!“ Erst hätten sie gelacht, später seien sie so bewegt gewesen, dass sie weinten.

Sie erzählen, wie Popdiva Madonna sie vor Jahren unbedingt treffen wollte. Die beiden schlugen ein Restaurant vor. Madonnas Bodyguards hatten das Personal instruiert, sie wolle auf keinen Fall angesprochen werden. „Und dann kam eine Frau auf unseren Tisch zu. Madonna und ihre Bodyguards waren schon total angespannt. Aber die Frau bat uns um ein Autogramm. Madonna war wütend“, sagt George.

Auf die Frage einer Journalistin, ob sie einander nicht satt hätten, da sie immer zusammen seien, antwortet George: „Das ist eine typisch heterosexuelle Frage.“ Und nein, tun sie nicht. Und dann werden sie von Besucher:innen erkannt. Eine 42-jährige Deutsche, die in London lebt, bittet um ein gemeinsames Foto. „Ich liebe ihre Kunst seit ich Kind bin. In London habe ich sie nie getroffen. Und jetzt treffe ich sie in Frankfurt. Wahnsinn.“ Gilbert habe ihr und ihrer Tochter gleich ein Kompliment gemacht. „Er sagte, dass unsere Kleider schöner seien als ihre Kunst.“

Besucherinnen waren sprachlos, als sie die Künstler in echt sahen.

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