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Frankfurter Schirn: Gedrängel bei Chagall

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Von: Andreas Hartmann

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Die Chagall-Ausstellung in Frankfurt stößt auf enormes Publikumsinteresse, hier ein Bild vom 13. Januar. Foto: Michael Schick
Die Chagall-Ausstellung in Frankfurt stößt auf enormes Publikumsinteresse, hier ein Bild vom 13. Januar. Foto: Michael Schick © Michael Schick

Kunstgenuss wird schwierig: Trotz Zeitkarten für die Kunsthalle Schirn sind die Ausstellungsräume sehr voll

Die aktuelle Chagall-Ausstellung in der Frankfurter Kunsthalle Schirn, die erste große Schau ohne Corona-bedingte Einschränkungen, ist ein enormer Erfolg, vielleicht ein zu großer, wie Besucher Knut O. aus Hamburg findet. Denn der berühmte und auch sehr populäre Künstler zieht sehr, sehr viele Besucherinnen und Besucher an. Ihm sei, meint der Sicherheitsingenieur bei einer Privatbank, „beim Anblick der Massen fast schlecht geworden“, wie er es formuliert. „Wir haben die Ausstellung schneller verlassen als gedacht.“

Bereits Anfang Januar waren mehr als 100 000 Menschen in der Ausstellung „Chagall. Welt in Aufruhr“ gezählt worden, die seit dem 4. November in der renommierten Kunsthalle läuft. Zu sehen sind die Gemälde und Zeichnungen, Theaterkostüme und Aquarelle Chagalls aus den 1930er und 1940er Jahren noch bis zum 19. Februar. Man kann für die Schau ein Zeitticket vorab kaufen, muss es aber nicht - es wird jedoch sehr empfohlen.

Chagall-Fan O. hatte bereits einige Tage vor der Eröffnung online Zeitkarten für den 7. Januar um 10.30 Uhr gebucht und war schon am Vortag, der in Hessens Nachbarländern Bayern und Baden-Württemberg Feiertag war, eigens zu der Ausstellung nach Frankfurt.

„Wir wunderten uns, dass wir um 10.15 Uhr sofort eingelassen wurden“, berichtet er. „Als wir den zweiten Stock erreichten, wurden wir nicht von einer wunderbaren Ausstellung überrascht, sondern von einer völlig überfüllten und unkontrollierten Besuchermasse erschreckt.“ Weder habe man die Bilder in Ruhe betrachten noch die Ausstellungstexte lesen können.

Er sieht in dem „unkontrollierten Zugang, der die Besucher in Anzahl und Dauer nicht beschränkt, ein Sicherheitsrisiko“. Das sei insbesondere unter Berücksichtigung von Corona und möglichen Angriffen auf die ausgestellten Kunstwerke „nicht zu verantworten“. Die Organisation der Chagall-Schau sei „mit Mangelhaft noch sehr höflich umschrieben“, findet Knut O.

Nun hat man allerdings in der Schirn bereits seit vielen Jahren Erfahrungen mit ähnlichen Besuchermagneten. 2008 beispielsweise sahen fast 180 000 Kunstbegeisterte hier die große Impressionistinnen-Schau.

Man freue sich über das große Publikumsinteresse, sagt Schirn-Pressesprecherin Johanna Pulz. Sicherheit habe dabei aber stets oberste Priorität, betont sie. Das mehrstufige Konzept der Schirn entspreche den höchsten internationalen Vorgaben. Aus sicherheitsrelevanten Gründen könne auf die Details aber nicht detailliert eingegangen werden. „Unsere Klimaanlage sorgt für regelmäßigen Luftaustausch in der Ausstellung. Ebenso reguliert ein automatisches Zählsystem die Besucheranzahl.“

Mit Zeittickets reguliere die Kunsthalle die Besucherströme. Diese festgelegten Einlasszeiten dienten aber in erster Linie dazu, während der Wochenenden und Feiertagen, an denen die Nachfrage besonders hoch sei, lange Wartezeiten zu vermeiden. „Die Dauer des Besuchs selbst ist jedoch flexibel und kann sich dementsprechend kurz oder lang gestalten. Somit kann das Besucheraufkommen zu bestimmen Uhrzeiten steigen“, sagt Pulz.

Sonst müsste man die Besuchsdauer streng reglementieren, und das dürfte angesichts der breiten Begeisterung für Chagalls Kunst wohl auch viele Beschwerden provozieren.

Insbesondere nach den großen Herausforderungen der vergangenen Pandemiejahre erfülle ihn der enorme Zuspruch auf die große Chagall-Ausstellung mit großer Freude, sagt Schirn-Chef Sebastian Baden auf Anfrage.

Die Schirn habe aufgrund der großen Nachfrage eigens die Abendöffnungszeiten verlängert und ist ab sofort mittwochs bis samstags bis 22 Uhr geöffnet. Er empfehle einen Besuch an den weniger stark besuchten Wochentagen und in den Abendstunden, sagt Baden.

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