Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Eineinhalb Jahre hat die Restaurierung von „Rote Ohren fetzen durch Asche“ gedauert.
+
Eineinhalb Jahre hat die Restaurierung von „Rote Ohren fetzen durch Asche“ gedauert.

Filmfestival

Frankfurter „Remake“-Festival: „Die Filmgeschichte hat den Anteil von Frauen unterschlagen“

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
    schließen

Die Kinothek Asta Nielsen präsentiert am 26. Oktober die Restaurierung des queeren Kultfilms „Rote Ohren fetzen durch Asche“ im Cinéma. Im November folgt das Frauenfilmfestival.

Karola Gramann denkt noch lange nicht an den Ruhestand. Die 73-Jährige hat zwar die Leitung der Kinothek Asta Nielsen abgegeben. Ihre Nachfolge hat Gaby Babic, ehemalige Direktorin des Filmfestivals GoEast, übernommen. Aber das heißt nicht, dass Gramann nicht weiterhin mit Herzblut bei der Sache wäre. „Jetzt habe ich endlich Zeit, unser Archiv von Grund auf zu bearbeiten, dazu hatten wir nie genug Kapazität“, sagt die Filmexpertin. Sie sitzt in ihrem Büro in der Kinothek Asta Nielsen, die sie 1999 mit einigen Gleichgesinnten gegründet hat und zeigt auf die Regale an der Wand: „Wir haben hier digital feministische und queere Filme ab den 70er-Jahren und auch viele analoge Amateurfilme.“

Die Kinothek ist eine Gründung von Filmliebhaberinnen, von Filmkuratorinnen, Filmhistorikerinnen und -theoretikerinnen, Kritikerinnen und Filmstudierenden. Ihr Ziel: Das, was durch die Raster des Kinos fällt, zu bewahren – und vor allem sichtbar zu machen. „Die Filmgeschichte hat den Anteil von Frauen in einem großen Maß unterschlagen“, sagt Gramann. Um die Arbeit der Kinothek einem breiten Publikum zugänglich zu machen, veranstaltet Asta Nielsen in diesem Jahr zum dritten Mal das Filmfestival „Remake. Frankfurter Frauen Film Tage“.

Remake hat sich der Wiederentdeckung und Neuaufführung von Filmen aus der Geschichte im Kontext aktueller Filme verschrieben – mit dem Fokus auf Frauen, Geschlechterverhältnissen, Emanzipation und Aspekten des „queer cinema“ ebenso wie auf Migration, Kolonialismus und Rassismus. An fünf Tagen, von 23. bis 28. November, werden in diesem Jahr Filme unter dem Schwerpunktthema „, …weil nur zählt, was Geld einbringt‘ – Frauen, Arbeit und Film“ gezeigt. Veranstaltungsort ist die Pupille – eines der wenigen Kinos, die noch analoge Formate zeigen können, wie Gramann erklärt. Dabei gibt es fast immer auch Gelegenheit für Gespräche und Interaktion; oft sind die Filmemacherinnen bei der Aufführung vor Ort.

„Wir widmen uns der Arbeit von Frauen aus verschiedenen Blickwinkeln“, sagt Leiterin Gaby Babic. Denn obwohl Arbeitsumgebungen und -situationen zum „Standardrepertoire“ von Filmen gehörten, bliebe Arbeit selbst meist eigentümlich unsichtbar, insbesondere die von Frauen geleistete Arbeit. „Auch jetzt, während Corona, wurde das wieder sichtbar, wie viele Arbeiten nicht angemessen anerkannt und entlohnt werden.“ Jeder Festivaltag widmet sich einem anderen Schwerpunkt, mittags werden Dokumentarfilme gezeigt, abends Spielfilme.

„Remake On Location“ erweitert das Festival um Vorführungen vor und nach den Festivaltagen an verschiedenen Orten. So wird im Vorfeld des Festivals auch ein besonderes Projektergebnis der vorangegangenen Festivalausgabe präsentiert: die Kinopremiere des aufwendig restaurierten und digitalisierten queeren Kultfilms „Rote Ohren fetzen durch Asche“ (Regie: Ursula Pürrer, Dietmar Schipek, Ashley Hans Scheirl, Österreich 1991).

„Beim Remake Festival 2019 haben wir den Film in einer verschlissenen 16mm-Kopie gezeigt, die nicht mehr State of the art war“, sagt Gramann. „Trotzdem war er ein wahnsinniger Erfolg, ein Knüller. Er kam gerade beim jungen Publikum sehr gut an.“ Daraufhin hat sie sich auf die Suche nach dem Ausgangsmaterial des Films begeben, der auf Super 8 gedreht wurde „aber das ist verschollen“. Anhand des 16mm-Negativmaterials tasteten Expertinnen und Experten Bild für Bild ab, für den Ton wurden Toningenieure beauftragt. „Die Herausforderung ist: Die Anmutung des Tons aus der Zeit darf nicht verloren gehen, muss aber mit den heutigen Kinoanlagen passen“, erklärt Gramann.

Insgesamt dauerte die Restaurierung mit Unterbrechungen fast eineinhalb Jahre. Dass der Film nun in einem Frankfurter Arthouse-Kino Premiere feiert, freut Gramann. Am 26. Oktober um 20.45 Uhr wird „Rote Ohren fetzen durch Asche“ im Cinéma, in Anwesenheit von Ursula Pürrer und Ashley Hans Scheirl, gezeigt. Gramann wird die Arbeit an der Restaurierung und Digitalisierung vorstellen.

Das Programm des Remake Festivals und weitere Informationen sind in Kürze unter www.remake-festival.de zu finden. Der Vorverkauf soll Anfang November starten.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare