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Statt nach Namibia oder an andere Orte dieser Welt geht es für Nina Sedano jetzt oft in den Holzhausenpark.
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Statt nach Namibia oder an andere Orte dieser Welt geht es für Nina Sedano jetzt oft in den Holzhausenpark.

Frankfurt

Frankfurter Reiseprofi vermisst die große, weite Welt

  • Fabian Böker
    VonFabian Böker
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Nina Sedano hat alle 193 Staaten dieser Erde besucht. Sie lebt für und von Reisen. Doch aktuell verbringt sie ihre Zeit mit Tischtennis und digitalen Flohmärkten.

Es ist nicht ganz falsch, Reisen als Beruf von Nina Sedano zu bezeichnen. Die 55-Jährige hat ihren Lohnjob schon vor Jahren gekündigt, reist nicht erst seitdem durch die Welt und schreibt darüber Bücher. Wegen Corona könnte man nun also sagen, dass Sedano arbeitslos ist. Doch sie geht erstaunlich gelassen damit um.

Das Jahr 2020 wird wohl für viele Menschen ein Jahr sein, das in Erinnerung bleibt; Die Auswirkungen von Corona waren überall zu spüren. Auch Nina Sedano wird das abgelaufene Jahr ewig im Gedächtnis sein. Denn sie war – nachdem sie im Dezember 2019 noch in Thailand war und den Jahreswechsel im Flugzeug verbracht hat – nur zwei der 52 Wochen im Ausland, und zwar in Dänemark im September. Das mag für viele Menschen gar nicht so dramatisch klingen. Für eine Frau aber, die bereits seit dem 30. September 2011, als sie eine Reise nach Turkmenistan beendet hat, sagen kann, alle 193 UN-Länder dieser Welt bereist zu haben, ist dieser Wert ein grauenvoller.

Denn bis Corona kam, führte Sedano ein aus Reisesicht gesehen extremes Leben, das sich gut in Zahlen und Altersspannen fassen lässt: Mit vier Jahren war sie zum ersten Mal im Ausland, mit ihrer Mutter zum Skifahren in Österreich. Die erste Reise alleine ging mit 13 Jahren nach England, zu einem Sprachkurs. Das wiederholte sie zwei Mal, besuchte andere Teilnehmerinnen in Frankreich und Italien. Mit 22 Jahren flog sie zum ersten Mal aus Europa raus, in die USA. Ein Jahr später lernte sie ihren Mann kennen, der die Leidenschaft für Reisen teilte. Mit 30 Jahren hatte sie 40 Länder besucht, mit 36 Jahren 91, dann kündigte sie ihren Job als Abteilungsleiterin im Beschwerdemanagement bei einem Kreditkartenunternehmen in Frankfurt. Drei Jahre später stand ihre persönliche Liste bei 136 besuchten Ländern.

Und dann nahm langsam – von anderen darauf angesprochen – das Ziel Fahrt auf, wirklich einmal alle von der UN anerkannten Länder dieser Welt gesehen zu haben. Den Südsudan zum Beispiel besuchte sie noch vor seiner offiziellen Unabhängigkeit, die letzten drei Länder auf der Liste waren dann der Irak, Somalia und eben Turkmenistan. Ein Land, das sie selbst zu den Top fünf der merkwürdigsten Länder auf dieser Erde zählen würde.

Auf Top fünf legt sie sich auch fest, wenn sie nach ihren Lieblingsländern gefragt wird: je fünf pro Kontinent, wobei es ihr davon drei besonders angetan haben. In Europa entscheidet sie sich für England, Irland, Italien, Spanien und Frankreich, in Asien für Nepal, Myanmar, Bangladesch, Laos und Thailand, in Afrika für Südafrika, Kenia, Algerien, Sudan und Namibia.

Dort, in Namibia, hätte sie nun auch dieses Jahr weite Teile des Januars und Februars verbracht, hätte den Norden des Landes („den Süden kenne ich schon“) erkundet, auf einer Farm gearbeitet. Alles gecancelt, wegen Corona. Genau wie eine Reise im vergangenen Sommer, die sie von Ibiza aus mit der Fähre nach Spanien und dann über Marseille nach Hause geführt hätte. Nach Hause, das ist ihre Zwei-Zimmer-Wohnung im Frankfurter Nordend, die sie sich als 22-Jährige gekauft hat.

Was für Ziele hat ein Mensch noch, der 193 Länder bereits besucht hat? Nina Sedano bleibt eine Freundin der Listen: „Ich arbeite nach und nach die Unesco-Weltkulturerbe-Stätten ab.“ 1121 gibt es davon aktuell, mehr als 550 hat sie bereits besucht.

Aber auch dieses Vorhaben muss derzeit pausieren. Nina Sedano wirkt dennoch entspannt. „Ich habe mir angewöhnt, Dinge anzunehmen, die ich nicht ändern kann“, sagt sie. Reisen wären ja sogar möglich, es gibt keine Reiseverbote. „Aber ich will auf meinen Reisen andere Menschen kennenlernen. Das geht nicht mit all den Einschränkungen.“

Also hat sich die Weltenbummlerin, die noch immer von Erspartem, den Einnahmen aus den Verkäufen ihrer mittlerweile drei Bücher und – coronabedingt natürlich aktuell nicht – Auftritten zu den Büchern lebt, andere Beschäftigungen gesucht. Sie spielt Tischtennis, hat die Kleinanzeigen von E-Bay als Ersatz für Flohmärkte für sich entdeckt, sie liest mehr als sonst, betreibt Foodsharing, geht viel spazieren und hat die Wände ihre Wohnung etwas umdekoriert. „Ich denke, ich habe das Beste aus der Situation gemacht“, scheint sie mit sich im Reinen zu sein.

Nun freut sie sich auf den Mai. Dann erscheint ihr Buch „Die Ländersammlerin“ als Hörbuch. Die Idee dazu hatte sie schon vor einiger Zeit, fand aber zunächst keinen Verlag. Nun hofft sie, „dass die Leute sich das Buch anhören und sich in die Ferne träumen“. Viel mehr bleibt aktuell auch nicht übrig.

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