Reisen und Corona

Trotz großer Schwierigkeiten in der Corona-Krise: Frankfurter Reisebüro kämpft weiter

  • Oliver Teutsch
    vonOliver Teutsch
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Der Reisebüroinhaber Thomas Kolb ist skeptisch, wann Urlaubsreisen wieder möglich sein werden. Trotzdem gibt er sich noch nicht geschlagen.

  • Reisebüro in Frankfurt ist wegen der Coronakrise* seit zehn Wochen geschlossen
  • Das Reisebüro bietet Reisen zu exotischen Zielen an
  • Reisebüroinhaber Thomas Kolb gibt trotz großer Schwierigkeiten nicht auf 

Frankfurt - Wenn gar nichts mehr geht, will Thomas Kolb Politiker werden. Doch noch sieht der 52-Jährige seine Zukunft in der Reisebranche: „Ich gebe mich noch nicht geschlagen.“ Seit rund zehn Wochen ist Kolbs Reisebüro im Sandweg in Frankfurt aufgrund der Corona-Pandemie geschlossen. Wann er es wieder aufmachen wird, weiß er nicht. „Es kommt ja niemand.“ Viel Laufkundschaft hat er in seinem kleinen Laden ohnehin nicht, die meisten Interessenten stoßen auf den Anbieter exotischer Reiseziele im Internet.

In den vielen Stunden, die Kolb seit der Schließung im seinem Reisebüro im Sandweg in Frankfurt verbrachte, um Stornierungen oder Umbuchungen der Kunden wegen der Coronakrise zu bearbeiten, habe nie jemand versucht, in das Reisebüro zu kommen. Wenn doch jemand käme, hätte Kolb auch ein bisschen die Sorge, die Fragen der Kunden gar nicht beantworten zu können. „Die Leute möchten ja nicht nur wissen, ob das Hotel offen ist, sondern auch, ob sie in Bars oder an den Strand gehen können.“

Reisebüroveranstalter aus Frankfurt: Vorsicht bei Buchung von Reisen während Coronakrise

Bei Buchungen wäre Kolb jetzt auch ein bisschen vorsichtig. „Ich werde den Teufel tun, etwas zu verkaufen, was nicht sicher ist“, versichert er. Denn von Stornierungen hat er erst mal genug. Gerade kam die Nachricht rein, dass in den USA alle Kreuzfahrten bis Jahresende wegen der Coronakrise abgesagt seien. Nun muss er eine Karibikkreuzfahrt eines Kunden und alle drum herum gebuchten Aktivitäten in den USA stornieren. Die Dauer der Einreisebeschränkung in die USA ist nicht begrenzt

Geld bekommt er für seine Arbeit nicht, im Gegenteil, er muss Geld zurückzahlen, das er selbst gar nicht eingenommen, sondern nur an Fluggesellschaften weitergeleitet hat. „Die meisten Kunden haben zum Glück Verständnis, nur wenige wollen ihr Geld sofort zurück.“ Von den Airlines hingegen hat er noch keinen Pfennig gesehen. „Das ist beruflich der absolute Tiefpunkt“, sagt Kolb.

In die Reisebranche kam der gebürtige Schwabe „wie die Jungfrau zum Kind“. Das Studium verschlug den Aalener zunächst ins hessische Gießen. Mit Geschichte, Journalistik und Arabisch wollte er eigentlich zum Hörfunk, was zunächst auch gelang. Doch die ständig befristeten Jobs machten Kolb auf Dauer wenig Freude. Als er dann nach einem Engagement für Radio France seine Miete in Paris nicht mehr zahlen konnte, verschaffte ihm 1997 eine ehemalige Kommilitonin den Job bei einem Busreiseunternehmen in Gießen.

Frankfurt: Reisen ins Ausland wegen Coronakrise nicht mehr möglich

Fortan blieb Kolb in der Reisebranche. Der Job bei einem Flugtouristikunternehmen in Oberursel verschlug ihn dann 1998 ins Rhein-Main-Gebiet, schließlich heuerte er bei einem spanischen Reisekonzern in Bergen-Enkheim an. Seine Arbeitskolleginnen waren alle spanischsprachig. „Ich habe im Büro in Bergen-Enkheim Spanisch gelernt“, erinnert sich Kolb. Die Sprache spricht er heute fließend. Auf dem Schreibtisch seines Büros liegt die Zeitung „El País“.

Dann ereilte ihn die erste berufliche Krise. Als Spätfolge der Anschläge des 11. September 2001 ging sein Arbeitgeber 2003 pleite. Kolb entschloss sich, selbstständig zu werden. Da er 1997 einen längeren Sprachkurs in Damaskus gemacht hatte, um sein Arabisch aufzubessern, entschloss er sich, Reisen nach Syrien anzubieten. Das lief gut, Kolb fungierte teilweise auch selbst als Reiseleiter und konnte zwei Mitarbeiter beschäftigen.

Reisebüro in Frankfurt bot vor Corona Reisen in den Oman an

Dann kam der Krieg in Syrien, Kolbs zweite berufliche Krise. „Das war schwierig, aber wir haben es überlebt.“ Da Kolb auch schon durch den Oman gereist war, spezialisierte er sich fortan auf das Sultanat auf der Arabischen Halbinsel. Zudem kennt sich Kolb in Spanien sehr gut aus und spezialisierte sich vor allem auf die Kanaren. 

Befragt man Kolb nach Spanien, gerät er ins Schwärmen. Seine dortigen Lieblingsziele? „Madrid und … es ist überall irgendwie schön.“ Die Extremadura und natürlich Andalusien. „Da kommt Spanien und Arabien zusammen“, schwärmt Kolb. Auf den Kanaren hat es ihm vor allem Gran Canaria angetan. Er empfiehlt, die schöne Architektur der Inselhauptstadt Las Palmas zu entdecken. „Ich versuche immer, die Leute zu einem etwas anderen Urlaub zu animieren.“ Wie er auch schon immer etwas abseitige Reiseziele vermittelte.

Frankfurter Reisebüroinhaber: Corona-Pandemie ist dritte berufliche Krise 

„Ich versuche immer herauszukitzeln, was die Leute gerne machen, wir arbeiten hier sehr individuell.“ Im Moment kann er seine Begeisterung an niemanden weitergeben. Seine dritte berufliche Krise trifft ihn bislang am härtesten. Seinen noch verbliebenen freien Mitarbeiter hat er nach Hause schicken müssen, im Herbst wollte er eigentlich wieder einen Auszubildenden einstellen. „Aber ich weiß gar nicht, ob es was zu tun gibt und ich könnte es mir auch gar nicht leisten.“

Kolb, der bis zum Ausbruch der Pandemie nur 17 Tage arbeitslos in seinem Leben war, bezieht derzeit Hartz IV und muss sparen. Die Frankfurter Oper und das Städel bezeichnet der belesene Unternehmer normalerweiser als „mein zweites Wohnzimmer“. Jetzt verbringt er seine viel zu üppige freie Zeit mehr mit seinem vierjährigen Patensohn.

Von seiner Wohnung in Eschersheim aus erkundet er die ländlichen, nördlichen Stadtteile in Frankfurt und Bad Homburg. Und er engagiert sich für das Überleben seiner Branche, indem er die Demonstrationen in Frankfurt koordiniert. Über die Politiker ist er wütend. Er hat viele Abgeordnete im Bundestag und im Landtag angeschrieben, aber nur wenig Feedback bekommen. 

Reisen trotz Corona: Reisbüroinhaber aus Frankfurt ist skeptisch

Dabei sei es kurzsichtig, die vielen Kleinunternehmer in der Reisebranche nicht mehr als bisher zu unterstützen. „Viele sind in meinem Alter, was sollen wir denn machen, worauf soll ich denn umsatteln“, fragt der 52-Jährige, der befürchtet, dem Staat langfristig auf der Tasche zu liegen. Dann will er lieber selbst in die Politik gehen. Für welche Partei, will er nicht verraten, denn noch hofft Kolb, dass er auch seine dritte berufliche Krise in der Reisebranche übersteht.

Die Reisebürobranche leidet unter der Corona-Krise besonders. So langsam öffnen die Länder wieder ihre Grenzen*, doch noch ist nicht klar, was das für den Tourismus und das Reisen bedeutet. Viele Inhaber von Reisebüros wie Thomas Kolb sind nach wie vor skeptisch, wann Urlaubsreisen wieder möglich sein werden und halten ihre Reisebüros daher noch geschlossen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Monika Müller

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