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„Working on Kaiserstraße Frankfurt“ Mit seinem Album möchte er auf Transsexuelle weltweit aufmerksam machen.

Rap

Frankfurter Rapper: „Ich fühle mich oft nicht so frei“

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
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Patrick Ananta Sutardjo hat klassische Musik studiert, bezeichnet sich selbst als transsexuell und will jetzt in der Rapwelt durchstarten.

Dieses Jahr hat Patrick Ananta Sutardjo beschlossen, es sei die Zeit, ernsthaft Rapper zu werden. So drückt er es selbst aus. Das ist nicht nur deshalb so besonders, weil der 42-jährige Frankfurter einen eher untypischen Lebenslauf für Rapper hat: Denn Sutardjo kommt nicht aus den Straßen von Offenbach wie Haftbefehl, sondern aus der Klassikwelt. Außerdem bezeichnet er sich selbst als transsexuell. Aber nein, er wolle keine Frau sein und sei auch nicht homosexuell.

„Ich sehe mich eher als drittes Geschlecht. Ich identifiziere mich nicht mit dem typischen Männerbild. Ich will auch frei sein in meiner Kleiderwahl. Ich trage auch gerne mal Frauenkleider. Momentan ziehe ich mich aber eher männlich an, weil ich oft anecke.“ Denn das Leben sei auch in Frankfurt eben nicht so frei, wie er es sich wünschte.

Am 14. August erscheint sein HipHop-Album „Working on Kaiserstraße Frankfurt“. Als Interview-Ort hat er passend dazu das Eiscafé Cornetto in der Kaiserstraße ausgesucht. „Hier sitze ich öfter und schreibe an meinen Raps. Nebenan kaufe ich beim asiatischen Supermarkt Sachen zum Kochen und Räucherstäbchen ein.“ Der Sohn einer Deutschland-Russin und eines Indonesiers ist in Aachen geboren, ein Jahr später zieht die Familie erst nach Bonames, dann nach Nieder-Erlenbach. Als Grundschüler wünscht und bekommt er schon Klavierunterricht, macht später sein Abitur an der Anna-Schmidt-Schule. Sutardjo ist Absolvent der University of London am Goldsmiths College (Bachelor of Music), war Schüler des gefeierten Komponisten Wolfgang Rihm an der Musikhochschule Karlsruhe und erreicht bei ihm bei der Klavierprüfung 25 von 25 Punkten. Hier macht er sein Diplom in KA (Künstlerische Ausbildung) und Komposition. Alle seine Abschlüsse hat er mit Auszeichnung bestanden. „Klar, ich bin jetzt nicht auf der Linie von Haftbefehl. Das ist schon irgendwie anders. Aber aufgewachsen bin ich nicht nur mit Mozart, sondern der US-amerikanische Rap war immer in meinem Leben – von Public Enemy bis Eminem.“ Aber warum will der freiberufliche Komponist, der auch an drei Musikschulen Instrumentalunterricht von Klavier über Saxophon bis Ukulele gibt, jetzt selbst Rapper werden? „Ich möchte mich für soziale Gerechtigkeit und gegen Diskriminierung einsetzen. Der Rap ist der richtige Style dafür. Er ermöglicht mir mit dem Fokus auf Sprache eben eine Ausdrucksform, die man in der klassischen Musik nicht so prägnant darstellen kann.“ Sutardjo sagt, er habe schon oft Diskriminierung erlebt. „Als ich in der Stadt mit meiner blauen, boblangen Perücke und femininer Kleidung herumlief, haben mich öfter Jugendliche fertiggemacht und gerufen: ‚Du bist doch ein Mann.‘“

Beim Online-Musikdienst Soundcloud habe er 90 000 Hörer, viele davon aus London. „Working on Kaiserstraße Frankfurt“ ist eines von mehreren HipHop-Alben, die er dieses Jahr dort veröffentlicht hat. Auch ein Jazzalbum hat er herausgebracht.

Er mache erwachsenen Rap. „Ich will aber nicht die Hochkultur beim Rap verkörpern. Ich will authentisch sein. Dazu gehört auch, dass man kein Blatt vor den Mund nimmt. Das muss nicht immer politisch korrekt sein.“

Das Vorurteilsfreie sei ihm wichtig. Das wolle er auch mit seinem Rap ausdrücken. „Ich fühle mich oft nicht so frei in der Gesellschaft. Und ich glaube, auch andere Menschen wünschen sich freier leben zu können.“ Dank der Grundgesetze sei man in Deutschland zwar frei. „Aber in vielen Köpfen ist fest verankert, wie man zu sein hat. Ich wünsche mir, dass Menschen weniger eingeordnet werden. Und dass wir unseren Wert nicht von den Kriterien von anderen abhängig machen, sondern lernen, uns selbst als wertvoll zu empfinden.“

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