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Frankfurter Polizisten fliegen Hilfsgüter

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Von: Timur Tinç

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100 Kilogramm Hilfsgüter in der „Beechcraft Bonanza B36TC“, die von Mainz-Finthen nach Polen geflogen ist.
100 Kilogramm Hilfsgüter in der „Beechcraft Bonanza B36TC“, die von Mainz-Finthen nach Polen geflogen ist. © Privat

Polizist Christian hat dringend benötigte Erste-Hilfe-Materialien und Leichensäcke nach Polen geflogen. Die Privatinitiativen sehen eine nachlassende Spendenbereitschaft nach sechs Wochen des russischen Angriffskriegs.

Es ist die beklemmendste Spende, die Christian seit Ausbruch des russischen Angriffskriegs in der Ukraine bekommen hat. Hundert Leichensäcke von einer Firma aus Ulm. „Es sind Dinge, die man ungern transportiert, aber sie sind leider notwendig“, sagt der 39-Jährige. Christian ist Polizeioberkommissar in Frankfurt und engagiert sich mit zwei Kollegen in der Deutschen Sektion der International Police Association (IPA). Schon drei Mal ist er mit seinen Kollegen an die ukrainisch-polnische Grenzen gefahren, um Hilfsgüter mit dem Lastwagen oder Reisebus hinzubringen und auf dem Rückweg Geflüchtete mitzunehmen.

Am Mittwoch hat er sich wieder auf den Weg gemacht, diesmal mit dem Flugzeug, einer Beechcraft Bonanza B36TC. Zusammen mit Piloten der „Ukrainian Air Rescue“, eines Projekts der Europäischen Donau-Akademie, haben sie 100 Kilogramm taktisches Erste-Hilfe-Equipment, OP-Material, Medikamente und die Leichensäcke von Mainz-Finthen in die polnische Stadt Rzeszow geflogen. Darunter etwa Chest Seal, ein Spezialverband für offene Wunden im Brustkorb, oder Combat Gauze, eine Kompresse, die in Wunden gelegt wird, um Blutungen schnell zu stoppen. Gut ein Drittel des Materials im Wert von 12 000 Euro kam von der IPA. In Rzeszow wurde die Spende vom ukrainischen Blau-Gelben-Kreuz abgeholt. Noch am gleichen Abend flogen die Helfer zurück. „Unter uns befanden sich etliche Fahrzeuge des polnischen Militärs. Besonders bedrohlich wirkten die vielen Abschussrampen für Raketen“, sagt Christian.

Motivation ist groß

Hilfen und Spenden

Die IPA (International Police Association) Deutschland benutzt Geld aus ihrem Sozialfonds, um Menschen in der Ukraine zu helfen. Sie darf allerdings keine Spendenbescheinigungen ausstellen und die Zuwendungen dürfen nicht zweckgebunden sein.
IPA Sozialfonds
IBAN: DE12 3607 0024 0555 5594 00

Die Ukraine Air Rescue ist ein Projekt unter Europäische Donau-Akademie gemeinnützige GmbH und fliegt Hilfsgüter an die Nachbarländer der Ukraine, um sie von dort ins Land zu bringen. Infos zur Unterstützung auf: www.ukraine-air-rescue.de

Die Initiative Frankfurt for Ukraine sammelt am Danziger Platz 12 täglich zwischen 16 und 18 Uhr Spenden, um sie in die Ukraine zu bringen. Informationen was benötigt wird, findet sich auf facebook.com/frankfurtforukraine

Die Goethe-Uni hat einen Goethe-Ukraine-Fonds ins Leben gerufen, um junge Menschen mit einem Perspektiv-Studium zu unterstützen. Ab einem Betrag von 300 Euro gibt es eine Spendenquittung. www. uni-frankfurt.de
Goethe-Universität Frankfurt
IBAN: DE95 5005 0000 0001 0064 10
Verwendungszweck: Goethe-Ukraine-Fonds 3000140009

Eine private Frankfurter Initiative sammelt Lebensmittelspenden, um sie an Geflüchtete in Hotels zu bringen, die dort keine Verpflegung haben. Sie sind im Oeder Weg 79 mittwochs (17 bis 20 Uhr) und samstags (15 bis 19 Uhr). Unterstützung gibt es vom Förderverein Roundtable, der unter folgendem Konto Spenden sammelt: Förderverein Round Table 90 Frankfurt e.V.,
IBAN: DE45 5125 0000 0014 0035 09

Die Caritas sammelt im Auftrag der Stadt Frankfurt Spenden für Menschen, die in Not- und Gemeinschaftsunterkünften untergebracht sind. Eine Spendenabgabe ist zu den Öffnungszeiten möglich: montags und dienstags von 8 bis 10 Uhr, donnerstags und freitags von 16 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 11 Uhr. Es sollen nur Sachen gebracht werden, die auf www.frankfurt-hilft.de veröffentlicht werden.

Die Stadt Frankfurt hat ein Spendenkonto für Geflüchtete in Frankfurt eingerichtet: Stadt Frankfurt – Kriegsgeflüchtete Ukraine
IBAN: DE77 5005 0201 0200 7705 19
Verwendungszweck: Ukraine. tim

Es könnte die vorerst letzte Hilfslieferung der IPA Deutschland sein, denn das Geld neigt sich dem Ende zu. „Die Spendenbereitschaft war anfangs absolut gigantisch“, sagt der 39-Jährige. Das Problem der IPA ist, dass sie keine Spendenbescheinigungen ausstellen kann und Überweisungen an den Sozialfonds der IPA nicht zweckgebunden sein dürfen. Christian hatte zwar Firmen und Institute gefunden, die ihn unterstützten wollten, es scheiterte aber am fehlenden Stück Papier für das Finanzamt. Trotzdem will er weitermachen. „Die Motivation ist nach wie vor da“, sagt er.

Bei seiner ersten Fahrt an die polnisch-ukrainische Grenze, zusammen mit zwei Kollegen, hatte er ein Budget von 15 000 Euro. Von dem Geld besorgte er Gaskocher und -kartuschen sowie Lebensmittel und rührte die Werbetrommel im Bekannten- und Freundeskreis. „In fünf Tagen hatte ich fast 3,5 Tonnen Hilfsgüter nur bei mir in der Wohnung stehen“, sagt der Oberkommissar.

Bei seinen Anfragen an Unternehmen wegen Spenden kam er in Kontakt mit einer Ukrainerin, die sich in der Initiative „Frankfurt for Ukraine“ engagiert. In der Initiative ist auch Jumas Medoff, Stadtverordneter und Vorsitzender der Kommunalen Ausländerinnen- und Ausländervertretung (KAV) aktiv. Die Initiative verfügt über ein Lager am Danziger Platz 12 und sammelt dort täglich zwischen 16 und 18 Uhr Spenden. „Es hat stark nachgelassen. Im Moment ist es meistens Geld oder Medizin“, sagt Medoff. Man habe mehrere Vereine an der Hand, die Spendenbelege für die Initiative ausstellten. Am Mittwoch wurde ein Lastwagen mit Hilfsgütern nach Mikolaew verschickt, direkt an die Front.

Bei ihren Fahrten mit dem Reisebus nach Polen hat die IPA auch Hilfsgüter von „Frankfurt for Ukraine“ transportiert, sagt Christian. Auf dem Rückweg konnten sie dank ihrer Kontakte zu den Behörden Geflüchtete mitnehmen. Beim ersten Mal waren es 44 Menschen, die sie nach Dresden brachten. Die Verpflegung unterwegs stellte die 1000-Euro-Spende eines Freundes von Christian sicher.

Es gab viele Momente, wo auch der Polizist und ehemalige Soldat schlucken musste. „Ein weinendes Kind, dass sich am Boden sitzend an die Mutter klammert oder ein Mann, der seine Frau aus dem Rollstuhl hebt und sie auf dem Rücken in den Bus trägt“, berichtet Christian. „Es ist zwar nicht unser Krieg. Es ist mir aber ein persönliches Anliegen, den Leuten aus dieser Scheiße rauszuhelfen.“

Polizist Christian (2. v. l.) mit Silke Hammer, Pressesprecherin der Ukrainian Air Rescue (UAR), und UAR-Mitgründern Kay Wolf und Travis Kelley.
Polizist Christian (2. v. l.) mit Silke Hammer, Pressesprecherin der Ukrainian Air Rescue (UAR), und UAR-Mitgründern Kay Wolf und Travis Kelley. © Privat

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