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Derege Wevelsiep hat ein Stück Vertrauen in die Polizei zurück gewonnen.

Polizei

Zeit der Versöhnung

  • George Grodensky
    vonGeorge Grodensky
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Der Frankfurter Polizeipräsident Gerhard Bereswill nimmt sich zwei Stunden Zeit für den Deutsch-Äthiopier. Der lobt das Gespräch in den höchsten Tönen.

Derege Wevelsiep hat sein Vertrauen zurückgewonnen. Zumindest ein bisschen. „Über Nacht“ gehe das nicht, aber der erste Schritt ist getan. Zwei Stunden hat der Deutsch-Äthiopier mit dem Frankfurter Polizeipräsidenten Gerhard Bereswill verbracht. „Ein tolles Gespräch war das“, sagt Wevelsiep über das Treffen Mitte August.

Vorher war er der Polizei gegenüber eher skeptisch eingestellt gewesen. Zumindest seit dem Vorfall vor acht Jahren. Wevelsiep hatte sich in eine Fahrkartenkontrolle eingemischt und sogar selbst die Polizei dazugeholt. Doch die hatte ihn beleidigt und, wie er sagt, geschlagen.

Die Beleidigung hat ein Gerichtsverfahren bestätigt, den Vorwurf der Körperverletzung nicht. Wevelsiep hat keine Zeugen, seine Verletzungen habe er sich womöglich beim Einstieg ins Polizeiauto zugezogen, ohne Fremdeinwirkung, hieß es zur Begründung. Der Beamte musste 1400 Euro Geldstrafe bezahlen.

Nicht verallgemeinern

Immerhin: Wie nun der Hessische Rundfunk berichtet, habe sich der Polizeipräsident bei Wevelsiep entschuldigt. Der nennt es eher ein therapeutisches Gespräch, „das ist besser als 1000 Entschuldigungen“. Wevelsiep habe über seine Schmerzen gesprochen und darüber, „wie traurig ich war“.

Der Präsident und sein Sprecher hätten viel „Gefühl gezeigt“. Bereswill habe auch seine Eltern besucht, erzählt Wevelsiep. Das rechnet er ihm hoch an. Seine Eltern leben südlich von Tübingen in der Schwäbischen Alb. „Das sind drei Stunden Fahrt.“ Wegen der Corona-Pandemie können sie nicht reisen. „Sie sind in der Risikogruppe.“

Wevelsiep hat der Polizei verziehen. Vergessen könne er den Vorfall aber nicht so schnell. Dazu habe er bei seiner Verhaftung und später auch im Krankenhaus zu viele aggressive Beamte kennengelernt. „Die waren alle gleich, wie mit Copy-Paste“ dupliziert. Nun wandelt sich das Bild langsam. „Man kann ja nicht alle Polizisten in einen Topf werfen“, sagt Wevelsiep vorsichtig versöhnlich.

Die Gesinnung eines Menschen lasse sich beim Einstellungsgespräch nicht so schnell herausfinden. „Es gibt keinen Scanner dafür.“ Der wahre Charakter zeige sich erst nach und nach im Dienst. Aber er wisse nun auch, was für „tolle Menschen“ bei der Polizei arbeiten.

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