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Hoffentlich wird sie groß und alt: Joachim Hüllen (r.) und sein Enkel Henri pflanzen eine Winterlinde.

Stadtwald

Frankfurter pflanzen fünftausend neue Bäume

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Starke Bürgerbeteiligung bei der Aktion „Rettet den Stadtwald“ des Grünflächenamts.

Rund 500 Frankfurter Bürgerinnen und Bürger haben am Sonntag im Carl-von-Weinberg-Park in Niederrad etwa 5000 junge Bäume gepflanzt. Die Mitmachaktion, zu der das städtische Grünflächenamt unter dem Motto „Rettet den Stadtwald“ aufgerufen hatte, soll eine Fläche am nördlichen Rand des Stadtteils wieder aufforsten, auf der während des Hitzesommers 2018 viele Buchen vertrocknet und eingegangen waren. Es wurden vor allem Baumarten verpflanzt, die besser mit Trockenheit zurechtkommen, darunter Trauben- und Flaumeichen, Winterlinden, Esskastanien, Vogelkirschen und Elsbeeren.

„Ich bin wirklich überwältigt“, sagte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die an der Aktion teilnahm. „Wir sind schier überrannt worden mit Anmeldungen.“ Schon seit Monaten habe es sehr viele Anfragen von Bürgerinnen und Bürgern gegeben, die wegen der Auswirkungen der globalen Erwärmung beunruhigt seien und konkret etwas tun wollten, sagte Heilig. „Die Frankfurterinnen und Frankfurter lieben ihren Stadtwald.“ Die Pflanzaktion kanalisiere das ehrenamtliche Engagement und führe zudem dazu, dass die Bürger sich über ihre vielen Fragen zum Klimawandel austauschen könnten.

Ob die Aktion von Erfolg gekrönt sein werde, müsse man abwarten, räumte Heilig ein. „Ob die Bäume hier wirklich anwachsen werden, wissen wir nicht“, sagte die Dezernentin. „Die nächsten Jahre müssten dafür relativ feucht sein.“ Sie hoffe, „dass wir nie wieder so einen trockenen Sommer haben werden wie 2018“. Generell müsse Frankfurt seine Bemühungen zum Klimaschutz massiv verstärken. Es brauche etwa eine Verkehrswende, mehr Grün in der Stadt, weniger versiegelte Flächen und einen besseren Umgang mit Brauchwasser.

Das gerade vom Magistrat beschlossene Maßnahmenpaket sei ein erster Schritt. „Der Klimawandel ist nur zu stoppen, wenn die Kommunen ihre Aufgabe wahrnehmen und massiv CO2 einsparen“, sagte Heilig.

Die Pflanzaktion begann um 10 Uhr am Morgen und dauerte bis in den Nachmittag. Die rund 500 Freiwilligen, die sich zuvor angemeldet und zumeist eigene Spaten mitgebracht hatten, wurden in Gruppen eingeteilt und zogen jeweils zu einem Abschnitt des Gebiets, um die Setzlinge einzupflanzen. Angeleitet wurden sie dabei von Mitarbeitern des Grünflächenamts.

Auf dem Spielplatz im Carl-von-Weinberg-Park war für die Helferinnen und Helfer ein Buffet mit Getränken, Brezeln, Kuchen und Suppe aufgebaut. Finanziert wird die Aktion durch Spenden. Bei der Stadt waren insgesamt rund 26 000 Euro eingegangen.

Peter Rodenfels, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtforst im Frankfurter Grünflächenamt, zeigte sich erfreut über das gestiegene Interesse am Zustand des Stadtwalds. Das Engagement müsse aber in sinnvolle Bahnen gelenkt werden. Zuletzt habe es etwa Anfragen gegeben, ob man auf eigene Faust Bäume pflanzen könne. „Wir können hier keine Guerillapflanzungen machen“, so Rodenfels.

Die 5000 eingesetzten Bäume, die alle zuvor in Baumschulen gewachsen seien, würden zur „Starthilfe“ mit „Be-Grow“ behandelt, einem von selbst zerfallenden Gel, das Wasser speichere und die Wurzeln länger feucht halte, sagte Rodenfels. So wolle man die Chance erhöhen, dass die Bäume wirklich anwüchsen. „Wenn wieder so ein Jahr kommt wie 2018, wird das aber nichts.“ Generell beobachte er ein größeres Interesse am Wald, an Informationen und auch Führungen mit Fachleuten. „In der Vergangenheit war der Wald nur Kulisse zum Spazierengehen.“ Jetzt plane die Stadt bereits die nächste Pflanzaktion für 2020.

Bettina Beichert, die mit Freunden als Helferin zu der Aktion gekommen war, sagte, es sei ihr wichtig, „dass man was tut und nicht nur drüber redet“. „Außerdem erdet es dich, wenn du mit der Erde arbeitest.“ Ihre Begleiterin Frauke Nicolaus sagte, sie sei extrem beunruhigt wegen des Klimawandels. Besondere Sorge mache sie sich wegen ihrer Nichten und Neffen. „Wir können nicht ohne die Natur leben, das muss man verstehen“, sagte Nicolaus.

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