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Wenn alles anders ist, dann hängen die Ostergrüße auch schon mal am Zaun, wie hier in Preungesheim.

Nordend

Frankfurter Pfarrer trifft seine Gemeinde zu Ostern auf der Gass

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In der Corona-Krise probieren Kirchengemeinden neue Formate aus. Ein Frankfurter Pfarrer sucht das Gespräch am Ostersonntag auf der Gass statt in der Kirche.

Thomas Diemer verlegt sein Homeoffice auf die Gass. Am Ostersonntag will der evangelische Pfarrer sich von 10 bis 11 Uhr vor die Wartburgkirche an der Hartmann-Ibach-Straße im Frankfurter Nordend setzen und Passanten einen Ostergruß zurufen. Wer möchte, kann sich auch ein Osterei mitnehmen oder eine Karte.

Er habe das schon lange mal vorgehabt, sagt Diemer. Vorigen Sommer reifte die Idee, als er öfter mal den Gemeinschaftsgarten hinter der Kirche wässerte. „Es haben sich ganz viele Gespräche ergeben, einfach weil ich da herumstand“, sagt er. Nicht nur mit Gemeindemitgliedern, mit Passanten, Kindern, türkischen Mitbürgern. „Mensch“, hat er sich gedacht, „irgendwann setzt du dich mal vor die Tür und schaust, was passiert.“

Jetzt scheint eine gute Zeit dafür zu sein. Diemer redet gerne mit den Menschen. „Kommunikation“ ist sein Lieblingswort. Dieser Tage spricht er viel am Telefon. „Ich bin selbst erstaunt, wie viele Kontakte sich ergeben.“

Doch Gottesdienste, selbst die kleinsten Andachten oder Versammlungen, sind untersagt. Aber „qualifiziertes, theologisches Geplauder“ auf dem Bordstein ist möglich. Angst, es könne sich womöglich eine Menschentraube bilden, hat Diemer nicht. „So attraktiv ist das auch nicht, wenn ich da sitze“, sagt er. „Der Sicherheitsabstand bleibt gewahrt.“

Auch die katholische St. Ignatiusgemeinde im Westend hat etwas für die Osterfeiertage geplant, das die Distanz wahrt. Die von Jesuiten geleitete Gemeinde stellt Anleitungen und Links ins Internet, damit Menschen in heimischer Quarantäne einen eigenen Gottesdienst feiern können. Hausgottesdienst nennt sich das.

Die Idee kam den Jesuiten am März-Wochenende als klar war, ab Montag würde es Kontaktverbote geben. Die Gemeindemitglieder waren verunsichert, wussten nicht, ob sie den letzten Kirchgang vor der Zwangspause noch wagen sollten. Die Jesuiten zögerten ebenfalls. Klar war: „Wir können den Gottesdienst nur absagen, wenn wir den Leuten etwas an die Hand geben, wie sie ihren Sonntag gestalten können“, sagt Pater Bernd Günther, Kirchenrektor von St. Ignatius.

Also arbeiteten die Pater eine Anleitung aus. St. Ignatius ist damit zum Internetpionier geworden. Die Hausgottesdienste sind der Renner. „Wir haben viele positive Rückmeldungen erhalten“, sagt Bernd Günther bescheiden. Nicht nur aus der Gemeinde. Aus der ganzen Republik trudeln Zuschriften ein. Andere Pfarreien fragen, ob sie die Anleitungen übernehmen dürfen. Die Bischofskonferenz hat sie auf ihre Facebookseite gestellt.

Günther sieht darin gar eine „Chance für die Kirche“. Die lebe nicht nur von den Gemeindezusammenkünften, sagt er. Christen könnten auch selbstständig einen Bezug zu Gott herstellen. „Selber beten macht fromm.“

Die Pater geben Hilfestellung. Der Gottesdienst soll eine Feier sein. Ein sinnliches Erlebnis. Die Menschen können dekorieren, sich Kerzen aufstellen, die Jesuiten geben Basteltipps für Familien. Die berichten, ihre Kinder könnten nicht 50 Minuten konzentriert bei einer Internet-Andacht vor dem Monitor sitzen. Beim Hausgottesdienst ist das anders. Da können alle mitmachen. Gemeinsam als Familie etwas auf die Beine stellen. Abwechselnd lesen. Zusammen singen.

„Die Menschen setzten sich neu damit auseinander, wie sie ihren Glauben leben wollen“, sagt Günther. Ein ganz neuer Zugang zu Kirche und Gott könne so entstehen.

Kirche zu Ostern

Anleitung zu Hausgottesdienstenfinden sich unter anderem bei St. Ignatius: www.ignatius.de.

Sankt Katharinenan der Hauptwache setzt auf Youtube. Organist Martin Lücker setzt seine Reihe „30 Minuten Orgelmusik“ im Netz fort, montags und donnerstags, 16.30 Uhr, Info unter: www.stk-musik.de.

An Karfreitag, 10. April, bietet Pfarrerin Gita Leber ab 18 Uhr eine musikalische Vesper an. Auch viele andere Gemeinden haben Video-Formate eingeführt.

Manche Kirchensind zum stillen Gebet weiter geöffnet, etwa die Alte Nikolaikirche auf dem Römerberg, auch beim großen Stadtgeläut am Karsamstag, 16.30 Uhr. Die Bethaniengemeinde am Frankfurter Berg bietet einen liturgischen Ostersonntagsspaziergang rund um die Bethanienkirche an, den die Besucher einzeln beschreiten.

Ein Mitglied des Posaunenchors„Luther-Brass“ bläst am Ostersonntag von 10.15 bis 10.30 Uhr Osterchoräle vom Balkon des Turms der Lutherkirche im Nordend, unten schimmert durchs Fenster das Flackern der Osterkerze.

HR4überträgt an Karfreitag einen Gottesdienst mit Pfarrerin Charlotte von Winterfeld aus der evangelischen Christuskirche in Nied. Am Ostermontag hält Pfarrerin Annegreth Schilling von der Hoffnungsgemeinde, Innenstadt, den HR4-Radio-Gottesdienst.

Infozu evangelischen Gemeinden unter: www.efo-magazin.de/magazin/
Katholiken schauen unter www.frankfurt.bistumlimburg.de.

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