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Frankfurter Palmengarten: Frühlingsblumenschau im Februar

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Von: Kathrin Rosendorff

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Nicht nur die Pressefotografin macht Fotos von dem bunten Blumentraum. Auch treue Fans halten die Frühlingsblumenschau gerne im Bild fest. Foto: Renate Hoyer
Nicht nur die Pressefotografin macht Fotos von dem bunten Blumentraum. Auch treue Fans halten die Frühlingsblumenschau gerne im Bild fest. © Renate Hoyer

In der Galerie des Frankfurter Palmengartens ist die neue Blumenschau zu sehen. Tausende Narzissen, Tulpen, Krokusse helfen gegen den Winterblues.

Eine junge Mutter lächelt unter ihrer FFP2-Maske, als sie mit ihrem Baby im Kinderwagen am so frühlingshaften wie bunten Blütentraum vorbeiläuft: Narzissen, Tulpen, Hyazinthen, Schneeglöckchen und Windröschen sind darunter. Die Frankfurterin sagt: „Einfach mal wieder was Buntes im grauen Winter sehen tut der Seele gut.“ Hat sie eine Lieblingsblume? „Meine Lieblingsblume ist bunt“, betont sie. Unweit von ihr fotografiert ein weiblicher Blumenfan die bunte Fülle zwischen Bögen und Pavillons.

Denn seit diesem Donnerstag ist jetzt - Anfang Februar - bereits Frühlingsanfang im Palmengarten, genauer gesagt in der Galerie am Palmenhaus. Bis 20. Februar läuft die diesjährige Frühlingsblumenschau. „Frühlingserwachen im Palmengarten“ hat sich diesmal an historischen Vorbildern orientiert. „So könnte ein frühlingshafter Garten zu Zeiten des Gartengründers Heinrich Siesmayer ausgesehen haben“, sagt Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne), die hier mit hellblauem Kurzmantel und pinker Hose farblich sehr gut reinpasst.

Mehr als 50 000 Blumenzwiebeln steckten in der Ausstellung, erzählt Palmengarten-Direktorin Katja Heubach. Es gäbe eine treue Fangemeinde, die immer käme, um Narzissen & Co. schon vor dem Frühlingsbeginn draußen erleben zu können. Ihre Lieblingsblume ist die Traubenhyazinthe in ihrer lila Wildform. „Sie ist filigran und einfach schön“, sagt Heubach.

Auch Menschen, die gerade mal Tulpe von Rose unterscheiden können, sind hier gut aufgehoben. Denn auf großen Schildern gibt es viel Wissenswertes zu den Frühblühern zu lesen. So steht dort unter anderem, dass die Schachbrettblume in größeren Beständen noch im Sinntal im Spessart vorkommt oder die Kaiserkrone mit ihren leuchtend orangeroten Blüten die bekannteste Zierpflanze aus dieser Gattung ist. Die Kaiserkrone wird in ihrer natürlichen Heimat (Türkei bis Vorderasien) übrigens von Vögeln bestäubt.

Öffnungszeiten

Die Frühlingsblumenschau im Frankfurter Palmengarten, Siesmayerstraße 63, läuft bis Sonntag, 20. Februar. Der Garten öffnet im Februar täglich von 9 bis 16 Uhr, ab März verlängern sich die Öffnungszeiten bis 19 Uhr.

Am 3. März öffnet das Blüten- und Schmetterlingshaus wieder für Besucher:innen. Ebenfalls Anfang März soll die Neugestaltung des Goethegartens als weiteres Modul des Palmengarten-Leitthemas „Blüten- und Bestäuberökologie“ abgeschlossen sein.

Derzeit gilt im gesamten Palmengarten die 2G-plus-Regel. Aktuelle Informationen gibt es auf: www.palmengarten.de

Am ersten Tag der Blumenschau ist auch Dominik Heukemes, Gärtner und Leiter der Galerie, gekommen. „Die Planung für die Ausstellung dauert rund ein Jahr“, erzählt er. Die Bestellungen der Blumenzwiebeln müssten früh raus, Ende September kämen sie an, dann topfen sie die Gärtner:innen ein und bringen sie ins Kühlhaus. „Damit sie denken, es sei Winter, wird also ein künstlicher Winter erzeugt.“ Anschließend kommen sie in den künstlichen Frühling: Wärme und Licht im Gewächshaus. „Wir haben 40 Kubikmeter Erde in die Galerie reingetragen, drei Wochen dauert der Aufbau.“ Die Namen der Frühlingsblumen stehen auf den Sortenstechern in der Erde. „100 Tulpenarten kann ich nicht im Kopf haben“, so Heukemes.

Zwischendrin müssten er und sein Team auch ein paar Blumen austauschen. „Wir haben noch einen Satz oben stehen, wenn Blumen verblühen.“ Die allerwenigsten landeten auf dem Komposthaufen, sondern auf einer der vielen Blumenwiesen draußen. Die Gärtnerei achte darauf, Sorten großzuziehen, die nach dem Ende der Ausstellung ins Freiland gepflanzt werden können. „Auch das ist ein Beitrag von Nachhaltigkeit“, sagt Heilig. Und sie betont: „Manch ein Gast wundert sich dann vielleicht über eine schlapp im Beet liegende Narzisse. Doch die Pflanzen aus der Blumenschau dürfen im Freiland in Ruhe abwelken. Sie ziehen sich zurück in ihre Speicherorgane, um im kommenden Frühjahr wieder aus dem Erdreich zu sprießen.“ Draußen in den Gärten und Wiesen des Palmengartens sieht es jetzt natürlich noch nicht so bunt und frühlingshaft aus. „Doch auch hier blüht unseren Besucherinnen und Besuchern Anfang Februar etwas“, sagt Heubach. Darunter ist die Zaubernuss, deren Blüten auch die ersten Insekten auf der Suche nach Futter glücklich machen. Aber auch Bodnant-Schneeball, Mahonie, Winter-Jasmin, verschiedene Sorten Schneeglöckchen und Winterlinge gibt es schon.

Jonas Glaser, Gärtnermeister, ist zuständig für den Stauden- und Rosengarten. Er sagt: „Es ist sehr wichtig, dass die Besucher die Wiesen nicht betreten, denn es braucht viele Jahre, bis beispielsweise die Schneeglöckchen und Winterlinge in so einem Bestand gewachsen sind. Wir wollen, dass die Blumenzwiebeln sich selbst vermehren und wir nicht eingreifen müssen.“

Er betont auch, dass die Blumen nicht automatisch wachsen, nur weil man sie pflanzt. Sondern dass sie an Stellen wachsen, wo sie sich wohlfühlen. Umso wichtiger sei es, dass Besucher:innen – auch nicht für Instagram-Fotos mit den Blumen – auf die Wiese rennen.

Merkt man den Klimawandel eigentlich auch schon im Palmengarten, also dass Blumen wesentlich früher blühen? Das sei noch nicht signifikant spürbar, so Heubach. Aber dass der Frühling immer zeitiger eintritt, merke man bei der Apfelblüte in Deutschland. „Der Palmengarten und der Botanische Garten widmen sich seit einiger Zeit dem Beobachten phänologischer Ereignisse“, sagt Heubach. Phänologie bei Pflanzen bedeute Blattentfaltung, Blüte, Fruchtbildung und das Altern. Beide Gärten sind Teil des 2017 an der Uni Jena gegründeten globalen Netzwerks PhenObs, in dem sich Wissenschaftler:innen, Studierende und Bürgerwissenschaftler:innen mit der Frage auseinandersetzen, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Phänologie von krautigen Pflanzenarten hat. Belastbare Daten benötigen aber Jahre, so Heubach.

Unweit von ihr sitzt eine Rentnerin auf einer Bank der Galerie. Der Besuch im Palmengarten sei für sie Erholung. Sie komme jede Woche. Und hat sie eine Lieblingsblume hier? „Meine Lieblingsblume sind alle Blumen.“

Gärtner Dominik Heukemes mit Pflanzen in hängenden Flaschen und Weckgläsern. Foto: Renate Hoyer
Gärtner Dominik Heukemes mit Pflanzen in hängenden Flaschen und Weckgläsern. © Renate Hoyer

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