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Frankfurter Original gestorben: Fährmann erreicht andere Seite für immer

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Von: Michael Forst

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Den Verkehr auf dem Main in Frankfurt immer fest im Blick: So erinnern sich viele an Fährmann Rudi Kollath. 24 Jahre stand er am Steuerrad der Walter Kolb und ihrer Vorgängerin.
Den Verkehr auf dem Main in Frankfurt immer fest im Blick: So erinnern sich viele an Fährmann Rudi Kollath. 24 Jahre stand er am Steuerrad der Walter Kolb und ihrer Vorgängerin. © Maik Reuß

Über 20 Jähre lenkte Rudolf Kollath die Mainfähre in Frankfurt. Mit 73 Jahren stirbt das Original.

Frankfurt – 24 Jahre lang lenkte er das Steuer der Mainfähre, brachte unzählige Menschen von Höchst nach Schwanheim, von "hibbe" nach "dribbe" und zurück - nun ist Rudolf Kollath zu seiner letzten Überfahrt angetreten. Er starb mit 73 Jahren in seinem kleinen Häuschen im Vogelsberg, wo er seinen Lebensabend verbrachte.

Die Nachricht von Kollaths Tod verbreitete sein Nachfolger Sven Junghans gestern auf seiner Facebookseite. Und die zahlreichen Kommentaren zeigen, wie vielen Menschen im Frankfurter Westen Kollath in guter Erinnerung geblieben ist. Manche bedanken sich für die "schönen Fahrten in 24 Jahren", andere nehmen wehmütig Abschied vom "Fährmann mit den Hunde-Crackern".

Frankfurt: Trauer um Fährmann „mit Leib und Seele“

Das sei typisch gewesen für den aufmerksamen Umgang Rudi Kollaths mit seinen Passagieren, erzählt Sven Junghans, der heutige Fährmann der "Walter Kolb". "Der Rudi war eben ein Fährmann mit Leib und Seele", beschreibt er seinen Vorgänger, mit dem er noch drei Jahre gemeinsam die Fähre geführt hatte - von 2012 bis zum 1. Juli 2015. Dem Tag, als Kollath zum letzten Mal von Bord ging. Damals begleitete viel Politik-Prominenz seine letzte Fahrt auf dem Main.

Eine Geste der Wertschätzung, die Kollath zwar gefiel. Doch viel Chi-Chi und großes Tamtam waren seine Sache nicht. Ruhe, Besonnenheit, aber auch Aufmerksamkeit für seine Gäste waren die Qualitäten, die ihn auszeichneten. "Das ist typisch für uns", sagt Sven Junghans. "Die Binnenschiffahrt ist ein stolzer Beruf".

Frankfurter Fährmann gestorben: Besonderes, persönliches Verhältnis mit Passagieren

Und das Verhältnis zwischen dem Fährmann und seinen Passagieren sei immer ein ganz besonderes, persönliches - "nicht so anonym wie die Fahrt mit einem Busfahrer". Rudolf Kollath liebte seinen Beruf, steuerte schon das namenslose Vorgängerschiff der "Walter Kolb", eine Gierseil-Autofähre. Mit der transportierte er beispielsweise tagtäglich auch Rotfabriker, die mit ihren Autos übersetzten, um zum Arbeitsplatz bei der Hoechst AG zu gelangen. Für den Main war er eigentlich überqualifiziert - hatte er doch eine waschechte Matrosenausbildung auf hoher See hinter sich.

Aber auch auf dem Main lernte er, sich in unruhigem Fahrwasser zu behaupten und den Strömungen der Zeit zu widersetzen, wenn es sein musste. Und es musste sein: Denn nur ein Jahr, nachdem Kollath die Fähre übernommen hatte, wollte die Stadt die Jahrhunderte alte Fährtradition beenden. Denn die Leunabrücke nur 460 Meter weiter war in Betrieb genommen, und man sah keine Notwendigkeit mehr für eine Fährverbindung.

Frankfurter Fährman bleibt seinen Passagieren im Gedächtnis verhaftet

Doch die Höchster lassen sich so etwas nicht so einfach gefallen. Sie sammelten Unterschriften für den Erhalt dieses Wahrzeichens, das zur Höchster Mainansicht gehört wie Schlossturm, Justinuskirche und Bolongaropalast. Die Stadt gab nach, und in dieser Zeitung wurde damals nach einem Namen für die neue Fähre gesucht, die in nur acht Wochen beim Bootsbau Speck am Schwanheimer Ufer gebaut wurde. Die Mehrheit war für "Walter Kolb", denn der frühere Frankfurter Oberbürgermeister hatte schließlich im Bolongaropalast gewohnt und täglich auf die Fähre geblickt.

Kollath vergaß das nie, blieb eine Leben lang dankbar für den Einsatz seiner Mitstreiter.

Er wiederum, der auch mit der "Walter Kolb" bisweilen ums Überleben kämpfen musste, blieb seinen zahllosen Passagieren im Gedächtnis verhaftet. Manche wurden zu Freunden, wie der Frankfurt-Künstler Gerd Kehrer, der Käpt'n Kollath im Gedicht "Riverboat" ein Denkmal setzte: "Walter Kolb die letzte Fähre im / Stadtgebiet bunt und klein / fast ein Spielzeug steuert Käpt'n Rudi Kollath / Nahezu täglich über den Main." (mfo)

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