Feiern bis die Müllabfuhr kommt, und dann noch ein bisschen länger.
+
Feiern bis die Müllabfuhr kommt, und dann noch ein bisschen länger.

Straßenreinigung

Opernplatz in Frankfurt: Neue Strategie gegen Vermüllung durch Feiernde

  • Kathrin Rosendorff
    vonKathrin Rosendorff
    schließen

Seit Wochen ist der Müll nach den Partys am Opernplatz ein Aufreger. Die Straßenreinigung mischt sich nun schon während den Partys unter die Feiernden.

  • Seit Wochen nutzen junge Feiernde den Opernplatz in Frankfurt als Partylocation
  • Neben neuen Mülleimern soll die Frankfurter-Fußweg-Reinigung (FFR) jetzt schon während den Partys aufräumen
  • Auch eine Bürgerinitiative unterstützt die FFR beim Wegräumen von Müll am Opernplatz

Frankfurt - Die Betonpoller unweit der Alten Oper dienen als Abstelltisch für Bier- oder wahlweise Schnapsflaschen. Ein paar junge Männer haben kleine Lautsprecherboxen um den Hals hängen, die für die Partymusik sorgen. Eine Gruppe schiebt einen Einkaufswagen voll mit Eiswürfeln und Bierflaschen an. Vor allem junge Leute feiern hier. Sie haben den Frankfurter Opernplatz seit Wochen zur populären Partylocation an den Wochenenden umfunktioniert. Bis zu 3000 Menschen versammeln sich hier an warmen Sommertagen. An diesem kühlerem Freitag ist es laut Stadtpolizei hingegen fast schon ruhig mit geschätzten 800 Feiernden kurz vor Mitternacht.

Frankfurt Opernplatz: 60 neue Mülltonnen aufgestellt

„Wo soll man sonst hin? Die Clubs sind ja wegen Corona alle zu“, sagt ein 20-Jähriger. Er betont, dass er seine Flaschen immer mitnehme oder den Pfandflaschensammlern gebe. Im Hintergrund läuft Shaggys Song „It wasn’t me“ („Ich war es nicht“). Doch irgendwer muss den Müll, die vielen Scherben hinterlassen. Diese Partyreste sind in Frankfurt ein großes Aufregerthema. Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) sagt: „Das sieht am nächsten Morgen wie nach Silvester aus mit den vielen Glasscherben. Schrecklich.“

Damit dies nicht mehr so ist, hat die Stadt an diesem Tag 60 neue 120-Liter-Mülltonnen aufgestellt. Heilig und Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) sind in dieser Nacht vorbeigekommen, um sich vor Ort die Lage anzusehen. Und auch zu sehen, wie es für die Mitarbeiter der Frankfurter Fußweg-Reinigung (FFR) sein wird, wenn sie zum ersten Mal mitten im Partytrubel anfangen aufzuräumen.

Jede Freitag- und Samstagnacht soll der Opernplatz in Frankfurt gereinigt werden

FFR-Betriebsleiter Christian Dietrich sagt: „Das ist keine ungefährliche Aufgabe für unsere Mitarbeiter. Die Leute sind alkoholisiert. Sie können aggressiv reagieren. Aber bislang läuft es gut.“ Die Stadtpolizei ist auch zum Schutz der FFR-Mitarbeiter vor Ort. Eine Stadtpolizistin sagt: „Wir sind seit Wochen immer freitags und samstags hier, erteilen Bußgelder fürs Wildpinkeln (70 Euro) oder wenn die Leute Müll auf die Straße schmeißen (55 Euro). Heute unterstützen wir nun auch die FFR-Leute, damit sie ihre Arbeit ungestört machen können.“ Wie viele Bußgeldstrafen ausgesprochen worden seien, werde am Montag veröffentlicht, sagt Frank.

Heilig läuft in dem Moment einem der kleinen Müllwagen hinterher: „Da hat einer der Partyleute ‚Buh‘ gerufen. Unmöglich“, sagt Heilig. Ab jetzt soll die FFR jeden Freitag und Samstag hier in der Nacht aufräumen.

Aber nicht alle reagieren so negativ: „Dass die jetzt aufräumen, finde ich positiv. Auch dass es die neuen Mülleimer gibt, denn die bisherigen waren viel zu wenig und viel zu klein“, sagt Lisa (22), die in dem Moment leere „Waldmeisterlikör“-Flaschen in eine der neu aufgestellten Mülltonnen wirft. Da ist sie aber noch die Ausnahme. Die meisten Feiernden haben ihre leeren Flaschen um sich rum im Kreis aufgestellt. Die Mitarbeiter der FFR laufen Richtung Treppe der Alten Oper und fragen: „Kann ich die mitnehmen oder ist das eine Pfandflasche?“.

Opernplatz Frankfurt: „Meistens wird es richtig schlimm, nachdem die Lichter an der Alten Oper um Mitternacht ausgehen“

Ein Kölner Influencer namens Mazzuro98 ist extra zur Party, die schon über die Grenzen Frankfurts bekannt ist, angereist. Er beobachtet die Situation, wegen der Corona-Pandemie mit Abstand zu den anderen Gruppen. „Das ist doch respektlos von den Leuten, dass sie hier so viel Müll hinterlassen und andere das jetzt für sie wegräumen müssen“, sagt er. Nadine (28) sagt: „Wer Spaß hat, muss auch danach aufräumen.“ Kurz vor Mitternacht ist die Müllsituation noch nicht ausgeartet. Aber es ist noch nicht spät genug.

„Meistens wird es richtig schlimm, nachdem die Lichter an der Alten Oper um Mitternacht ausgehen“, erzählt Sabine Schramek. Sie kennt sich aus. Denn sie ist eine der Initiatorinnen des zehnköpfigen Putztrupps engagierter Bürger, die schon vor Wochen angefangen haben, hier mitten im Partytrubel bis halb vier in der Nacht aufzuräumen.

Unter ihnen ist auch der Zahnarzt Alfonso Padilla, der gebürtige Kubaner hat seine Praxis in der Goethestraße. Er will sich nicht nur aufregen, sondern auch direkt eingreifen. Er hält eine Rolle an Müllsäcken wie ein Baby im Arm. „Die verteilen wir an die Partyleute.“ Bis 1.30 Uhr will die FFR bleiben. Schramek sagt: ��Ich habe auch noch fünf Besen im Auto, falls noch später Bedarf ist.“ (Von Kathrin Rosendorff)

Die Party am Opernplatz in Frankfurt eskaliert in der Nacht auf Sonntag (19.07.2020). Insgesamt 39 Personen wurden festgenommen.

Kommentare