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Bariton Holender und Sopranistin Gonzalez müssen trotz Corona keinen Abstand halten.

Mozart

Wahre Liebe auf der Bühne

  • Andreas Hartmann
    vonAndreas Hartmann
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Liviu Holender und Adriana Gonzalez sind nicht nur in der „Hochzeit des Figaro“ ein Paar, sondern auch privat - und dürfen an der Frankfurter Oper eine Nähe zeigen, die sonst strikt untersagt ist.

Mozart kann glücklich machen: Was so banal klingt, dürften Liviu Holender und Adriana Gonzalez allerdings bestätigen, nicht nur als professionelle Sänger. Denn der Komponist hat den beiden wirklich Glück gebracht, auch wenn es erst einmal gar nicht danach aussah.

Vor drei Jahren waren Holender und Gonzalez engagiert für eine Freiluftinszenierung der „Zauberflöte“, sie als Pamina, er als Papageno. Es wäre der erste gemeinsame Auftritt gewesen. Doch dann stürzte Holender bei den Proben auf der Bühne eine Treppe hinunter und brach sich das Bein. Die Premiere fand ohne ihn statt - aber aus den beiden wurde, anders als in der „Zauberflöte“, ein Paar im richtigen Leben.

Auch für die Oper Frankfurt sind der Bariton und die Sopranistin ein ganz besonderer Glücksfall. Intendant Bernd Loebe hat da bei seiner Personalwahl wieder ein gewohnt gutes Händchen bewiesen, auch, weil das Paar in diesen coronadominierten Zeiten einen Vorzug mitbringt, der das Herz jedes Regisseurs höher schlagen lässt.

Obwohl die „Hochzeit des Figaro“ eigentlich die Wiederaufnahme einer Inszenierung von Guillaume Bernardi aus dem Jahr 2006 ist, machen die augenblicklichen Einschränkungen sich auch hier bemerkbar: Chorszenen wurden aus Sicherheitsgründen gestrichen, die meisten Sänger halten auf der Bühne großen Abstand und singen in eigenen kleinen Räumchen - bis auf das echte Paar Gonzalez/Holender.

le nozze di figaro

Wolfgang Amadeus Mozarts Oper „Le Nozze di Figaro“ (Die Hochzeit des Figaro) gilt als eines der großen Meisterwerke der Musikgeschichte. Die abgründige Komödie beruht auf einem Theaterstück von Beaumarchais. Für die Sopranistin Adriana Gonzalez , die die Gräfin Almaviva singt, ist es ihr Deutschlanddebüt. „Die Oper hat ein Happy End, aber mit Haken“, sagt sie. „Vieles wird nicht erklärt, vielleicht ist es sogar eher ein offenes Ende.“ Auch ihr Lebens- und Bühnenpartner Liviu Holender, der den Grafen singt, schwärmt von dem Stück. „Es ist ein geniales Werk mit feinsten Facetten, vollkommen geschrieben. Grade die Beziehung von Graf und Gräfin ist fantastisch getroffen, das ist unglaublich sensibel getroffen.“ In Frankfurt ist die Inszenierung von Guillaume Bernardi höchst erfolgreich, die inzwischen siebte Wiederaufnahme beginnt am Freitag, 18. September, um 19 Uhr im Opernhaus am Willy-Brandt-Platz. Es dirigiert Rory Macdonald. Weitere Vorstellungen sind am 24. und 26. September sowie am 2. und 9. Oktober, Beginn jeweils um 19 Uhr. Karten kosten zwischen 15 und 116 Euro, es gibt sie im Vorverkauf bei den Städtischen Bühnen am Willy-Brandt-Platz, unter Tel. 069 /212 494 94 oder www.oper-frankfurt.de. aph

Die Guatemaltekin und der Österreicher verkörpern in der aktuellen Wiederaufnahme der „Hochzeit“ - ja, wieder Mozart! - auf der Bühne ein Ehepaar, den Grafen und die Gräfin. Das bedeutet, sie dürfen all das machen, was den Kollegen grade strengstens untersagt ist: ganz nah beieinander stehen, Händchen halten und sich sogar küssen. „Das ist jetzt eine Seltenheit, weil es in der Opernliteratur gar nicht viele Sopran-Bariton-Paare gibt“, betont Holender. „Wir singen tatsächlich in Frankfurt das erste Mal zusammen auf der Bühne.“

Beide haben ihre Rollen schon in anderen Opernhäusern verkörpert, sie in Nancy, er in Riga, aber gemeinsam sei das doch etwas ganz anderes, sagt Gonzalez. „Wir können als Paar viel besser auf den Subtext reagieren, wirklich als Partner sprechen. Es ist wunderbar“, meint sie.

Dass das internationale Paar sich in dieser Figaro-Inszenierung getroffen hat - und das in Zeiten der Pandemie - ist auch ein großer Zufall. Besprochen wurde das Engagement schon im vergangenen Jahr, als an so etwas wie eine globale Pandemie noch nicht zu denken war. Gonzalez, die bis vor kurzem an der Pariser Oper sang, und Holender, der zum Ensemble in Frankfurt gehört, führten notgedrungen eine Fernbeziehung zwischen vielen Auftritten in ganz Europa.

„Da muss man schon sehr diszipliniert sein und sich auch noch in den Zug setzen, wenn man sehr kaputt ist“, sagt die Sängerin. „Wegen der Reisebeschränkungen durften wir uns von März bis Mai gar nicht mehr sehen, weil wir nicht verheiratet sind und in verschiedenen Ländern lebten. Das war schwer. Dafür sehen wir uns jetzt jeden Tag und wohnen zusammen.“

Echte Paare auf der Bühne: Das ist zwar selten, aber in Frankfurt gerade mehrfach zu erleben. Auch für zwei weitere Inszenierungen der nächsten Wochen ist der Oper dieser Coup gelungen.

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