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Lili Maras in ihren Räumen in der Schweizer Straße.

FR-Modeserie

Mit Maßband und viel Zeit

  • Judith Köneke
    vonJudith Köneke
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In ihrem Atelier in Sachsenhausen fertigt Designerin Lili Maras für ihre Kundinnen passgenaue Unikate. Ihr Konzept geht auf, die Frauen schätzen das traditionelle Handwerk und die Beratung.

Draußen rauscht der Verkehr der Schweizer Straße. Doch im Salon von Lili Maras bekommt man davon nicht viel mit. In den hohen Altbauräumen mit dunklem Parkett empfängt sie ihre Kundinnen. Zwischen schweren Vorhängen, einem riesigen Spiegel und Kronleuchter fühlt man sich ein Jahrhundert zurückversetzt, in dem Maßschneiderei noch normal war. Auf Puppen und Kleiderstangen sind einige Entwürfe zu sehen. Die gezeigten aktuellen Kollektionsteile sind vielfältig: Kleider, Blusen, Röcke und Mäntel in gedeckten Farben.

Eine Treppe führt nach oben in die Werkstatt, die nächste in die Wohnung der Designerin. „Die Idee ist, an die Couturehäuser in Paris in den 1920er Jahren zu erinnern, in der alles unter einem Dach war.“ Ein Glücksgriff, das Haus in Sachsenhausen und sehr praktisch, sagt sie.„Denn so sind die Wege sehr kurz“.

Seit 2007 bietet die 47-Jährige hier ihre Dienste an. Die wenigsten kommen spontan vorbei. Es gibt ja auch kein Schaufenster. Fast alle ihrer Kundinnen vereinbaren einen Termin. Und es läuft. Die Frauen schätzten das Konzept des traditionellen Handwerks und die Beratung. „Manche Frauen sagen mir, hier fänden sie eine Oase der Ruhe“, sagt Maras. Das sei etwas ganz anderes als der alltägliche Einkauf in Warenhäusern oder Online-Shopping.

Lili Maras ist wichtig, dass die Kundinnen sich geborgen fühlen und nimmt sich viel Zeit. Da die meisten Geschäftsfrauen sind, gehören auch Termine abends und am Wochenende dazu. Ihre Kreationen sind elegant und feminin, aber alltagstauglich. „Viele hatten es satt, nur im schwarzen Kostüm zur Arbeit zu gehen oder Präsentationen zu geben.“ Warum also nicht in Farbe arbeiten und auch Kleider in die Businessgarderobe integrieren, dachte sie sich.

Aber die Designerin entwirft auch Kleider für Feste, Events und Hochzeiten. Zweimal im Jahr fertigt sie zudem eine eigene Kollektion von bis zu 40 Teilen an. Dieses Jahr ist das Thema eine Afrika-Reise, eben weil die meisten nicht wegfahren. Die Stücke sind in Erdtönen gehalten, einige mit typischen Wax-Prints des Kontinents.

Modeserie

Vom 6. bis 8. Juli 2021 s oll die erste Frankfurt Fashion Week stattfinden. Ab 2022 ist geplant, sie sogar zweimal im Jahr auszurichten. Auch die Berlin Fashion Week wird weiterhin saisonal organisiert. Aber kann Frankfurt überhaupt Mode? In unserer neuen Serie stellen wir wöchentlich lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor. Sportmarken-Gründer über Handtaschen-Designerinnen bis zum Schuhmacher sind ebenso dabei wie auch Fashion-Influencerinnen.

Wenn sich die Kundinnen von ihren Entwürfen inspirieren lassen, ändert sie meist nicht mehr viel an Schnitt und Form. Sie schneidert aber auch nach genauen Vorstellungen der Frauen. Jedes Stück wird so zum Unikat. Viele der Stammkundinnen kennt sie schon lange, weiß, was ihnen steht, gefällt und zu ihrer Garderobe passt

Neben dem Maßband, sind Geodreieck und Lineal das Hauptwerkzeug der Frankfurterin. Die braucht sie zum Abmessen und zur Schnitterstellung. Ihr Team hilft beim Nähen. Obwohl Maras Modedesign studierte, fing sie nicht sofort an zu arbeiten, sondern absolvierte auf Wunsch ihrer Eltern noch ein Jurastudium mit Abschluss des ersten Staatsexamens. Doch es zog sie zurück zur Mode. Nach einer Ausbildung zur Schnittdirectrice wagte sie vor mehr als dreizehn Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. „Es hat von Anfang an geklappt“. Schnell hatte sich das besondere Konzept herumgesprochen.

Eine der Kreationen der Designerin. dieter roosen

Die ersten Kundinnen waren keine Frankfurterinnen. Auch heute noch kommen sie aus ganz Deutschland und Europa. Viele Frauen in Führungspositionen, besonders in der Altersgruppe 40 bis 55. Denn sie müssen gewillt sein, ein wenig mehr Geld auszugeben. Die Preise für Kleider beginnen bei 800 Euro, Röcke und Hosen sind etwas günstiger, aufwendige Kleider liegen deutlich darüber. Es stecke ja auch viel Arbeit dahinter. Für ein Kleid brauchen Maras und ihr Team mindestens 15 Stunden, an Braut- und Abendkleider sitzen sie schon mal 200 Stunden. Die Beratung, Anproben und die Anfertigung des Nesselmodells berechne sie nicht extra, das gehöre zum Service, sagt die Maßschneiderin.

Die Ideen für ihre Kollektionen kommen Lili Maras ganz zufällig. Einmal lag sie etwa im Bett und sah die Wände ihres altrosa Zimmers, strahlend blauen Himmel und die grünen Fensterläden des Stadthauses und dachte sich, „die Farbzusammensetzung ist Wahnsinn“. Ein anderes Mal ließ sie sich von ihrem Frankreichurlaub inspirieren. Dann überlegt sie, welche Schnitte passen und macht sich auf die Suche nach hochwertigen Stoffen.

Ihr Handwerk, sagt sie, sei zwar schon älter. Aber der Gedanke doch zeitgemäß – und nachhaltig. Schließlich schneidere sie nur das, was auch gebraucht wird. Das Gegenteil von Fast Fashion.

Lili Maras , Couturehaus, Schweizer Straße, Telefon 60628989, www.lilimaras.de, geöffnet Do und Fr 11 bis 19 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr zum Stöbern und Anprobieren, private Termine jederzeit nach Vereinbarung.

Ein Teil der Kollektion. Foto: Nina Siber

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