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Die Teile der ersten, ganz in Weiß gehaltenen Kollektion sind schlicht und vielseitig einsetzbar.
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Die Teile der ersten, ganz in Weiß gehaltenen Kollektion sind schlicht und vielseitig einsetzbar.

Modeserie

Frankfurter Modemacherin: „Ich hole meine belarussische Heimat nach Frankfurt“

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Katja Rzheutskaya hat sich mit ihrer Marke Linamour einen Traum erfüllt Sie entwirft nachhaltige Kleidung aus Leinen.

Auf die Frage, wie sie dazu gekommen sei, ihr eigenes Modelabel zu gründen, antwortet Katja Rzheutskaya: „Ich habe angefangen, ehrlich zu mir selbst zu sein. Ich hatte nicht den Job, der mich erfüllt.“ Die heute 38-Jährige arbeitete bis vor wenigen Jahren als Beraterin für einen großen Konzern in Frankfurt. Als sie zur Managerin befördert werden sollte, lehnte sie ab und nahm zunächst ein Sabbatical, eine einjährige Auszeit. „Ich habe mir eine Nähmaschine gekauft und endlich das gemacht, was man Traum war, für das ich vorher aber keine Zeit hatte.“ Während des Sabbaticals entwarf Rzheutskaya ihre erste eigene Kollektion – alleine. „Das hat super viel Spaß gemacht, war aber auch super viel Arbeit“, erzählt sie rückblickend. Ein Jahr später, im Sommer 2019, veröffentlicht sie ihre Marke Linamour.

Von Anfang an stand für die gebürtige Belarussin fest, dass ihre Kleidung aus Leinen bestehen soll – ein Stoff, der in ihrer Heimat angebaut wird, mit dem Rzheutskaya aufgewachsen ist. Bei Besuchen bei ihrer Oma auf dem Dorf habe sie die Felder betrachtet. „Das Wachstum, die Farben, der Geruch und der gesamte Lebenszyklus der Leinenpflanze gehört zu meinen frühesten Kindheitserinnerungen und bis heute zu meiner Identität“, sagt sie. Schon als Kind habe sie Designerin werden wollen, mit 14 oder 15 Jahren habe sie ihr erstes Kleid genäht – aus Leinen.

„Leinen ist ein Wunderstoff. Man merkt nicht, dass man schwitzt, er trocknet sehr schnell. Wenn es heiß ist, hält Leinen dich kühl, wenn es kühler wird, hält es dich warm“, schwärmt Rzheutskaya. „Außerdem ist es ein super nachhaltiger Stoff, die Felder brauchen keine künstliche Bewässerung, es werden keine Pestizide eingesetzt und die gesamte Pflanze wird verwertet.“ Ihre Heimat Belarus ist eine Hochburg für Leinenanbau und exportiert den Stoff beispielsweise nach Indien oder Japan. „Bei Linamour verbinde ich alles, was ich mag. Damit hole ich meine belarussische Heimat nach Frankfurt.“

Modeserie

Im Juli 2021 fand die erste Frankfurt Fashion Week statt – pandemiebedingt allerdings als rein digitale Veranstaltung.

Im Januar 2022 sollen dann erstmals die Messen Premium, Seek, Neonyt und The Ground sowie die Laufstegpräsentationen in der Mainmetropole ausgerichtet werden. Aber kann Frankfurt Mode?

In unserer Serie stellen wir regelmäßig lokale Designerinnen, Modemacher und Ladenbesitzerinnen vor. Sportmarkengründer, Handtaschendesignerinnen und Schuhmacher sind ebenso dabei wie Fashion-Influencer-innen. jkö/rose/hsr

Das erste Kleidungsstück für ihre Marke waren Shorts zum Tennisspielen, mit großen Taschen zum Aufbewahren der Bälle. „Aber man kann sie für alle möglichen Sportarten tragen, sie sind vielseitig einsetzbar“, sagt Rzheutskaya. Die erste Kollektion umfasst fünf Teile; neben den Shorts, die 79 Euro kosten, gibt es ein Kleid für 119 Euro und drei Oberteile, die bei 60 Euro beginnen. Inspiriert sind sie von Origami-Falttechniken. Alle Teile fallen lässig und sollen trotzdem weiblich sein. Die erste Kollektion ist komplett in Weiß gehalten, auch aus Nachhaltigkeitsgründen, weil sie keine chemischen Farben habe nutzen wollen, sagt Rzheutskaya. Mit jedem verkauften Kleidungsstück wird ein Baum gepflanzt, versendet wird klimaneutral und Stoffreste werden nach Möglichkeit wiederverwertet.

Die größte Herausforderung sei es gewesen, mit der Idee öffentlich zu werden, berichtet Rzheutskaya. „Ich bin ja keine Designerin. Da kommen mir schon Gedanken, was könnten die anderen über mich denken, ich habe ja diesen Titel nicht. Aber daran wächst man und mittlerweile bin ich stolz auf mich.“ Geholfen habe ihr der Austausch mit anderen Selbstständigen, zum Beispiel bei Netzwerken wie Jumpp Frauenbetriebe, Femsrock und im Social Impact Lab Frankfurt. „Auch wenn ich viele Fehler gemacht habe, habe ich es nie bereut. Nichts kann uns mehr herausfordern als Selbstständigkeit.“

Die erste Kollektion sei gut angekommen, momentan gebe es nur noch einige Einzelstücke. Die zweite Kollektion aber habe sich verzögert, erst durch Corona, dann durch die Sanktionen gegen Belarus, wo Rzheutskaya ihre Ware produzieren ließ. Momentan ist sie auf der Suche nach neuen Produktionsstätten in Europa, 2022 soll die zweite Kollektion kommen. In der Zwischenzeit hat sie sich wieder eine Festanstellung gesucht. „Aber ich bin guter Dinge“, sagt Rzheutskaya. „Für mich ist Frankfurt wie ein kleines New York – hier werden Träume wahr.“

Die Kleidung von Linamour, was auf Französisch so viel heißt wie „Liebe zu Leinen“, kann man online unter www.linamour.com kaufen. „Aber ich liebe den direkten Kontakt zu meinen Kundinnen. Ein eigener Shop wäre toll, aber das muss natürlich auch wirtschaftlich sein.“

Katja Rzheutskaya hat sich mit Linamour einen Traum erfüllt.

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