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Mieter*innen diverser Liegenschaften der WPS, Mitglieder der Nachbarschaftsinitiative NBO und Unterstuetzer machen auf dem Vorplatz des Oeder Wegs auf die Umwandlung von Immobilien aufmerksam.
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Mieter*innen diverser Liegenschaften der WPS, Mitglieder der Nachbarschaftsinitiative NBO und Unterstuetzer machen auf dem Vorplatz des Oeder Wegs auf die Umwandlung von Immobilien aufmerksam.

Aktion

Frankfurter Mietertreffen auf der Straße

Eine Frankfurter Nachbarschaftsinitiative weist auf systematische Vertreibungen aus Wohnungen hin.

Schikanen und respektlose Drohungen gehören zur „Methode WPS“, sagt Barbara Kaiser. Die Mitbegründerin der Nachbarschaftsinitiative Nordend, Bornheim, Ostend (NBO) hat solche „Entmietungspraktiken“ selbst erlebt. Systematisch werden Mieter:innen vertrieben, um dann teurer zu vermieten oder zu verkaufen. Am Samstag lud die NBO zu einer „Mahnwache“ bei der Leimenrode 23 ein. Nachdem ein Jahr lang ein Gerüst um das Haus stand, das weder angekündigt noch durch Bautätigkeiten gerechtfertigt war, ist das Haus inzwischen leer.

Die „Westend Projekt- und Steuerungsmanagement GmbH“ (WPS) hatte das Haus im Mai 2019 gekauft, sofort wurden absurde Mieterhöhungen und Sanierungen angekündigt. Sich dagegen zu wehren, kostet Geld und Zeit. Ein Mieter, der die Leimenrode 23 erst kürzlich verlassen hat, erzählt, er sei anwaltlich gegen die Schreiben vorgegangen – sie waren nicht rechtskräftig. Die Lage für die ortsübliche Vergleichsmiete war zum Beispiel zu hoch eingestuft.

Dann sei ihm 28 Tage lang das warme Wasser abgestellt und mehrmals das Haustürschloss ausgebaut worden. Dagegen ging er mit einer einstweiligen Verfügung über die Staabstelle Mieterschutz vor. Aber die Fenster und Türen der leerstehenden Wohnungen blieben offen, sodass sich über das Gerüst leicht einbrechen ließ.

Einige Male sei er selbst über das Gerüst in seine Wohnung geklettert, nachdem er die Schlösser nicht mehr nutzen konnte. Dass er jetzt ausgezogen ist, lag genau an diesem Sicherheitsaspekt – er wäre allein im Haus gewesen. Mit der WPS habe er sich auf eine „Umzugsentschädigung“ geeinigt. Er rät allen Betroffenen: „Nur massiver juristischer Druck“ könne helfen – und die Vernetzung mit anderen, auch um die Situation überhaupt emotional auszuhalten.

Dass die „Methode WPS“ Erfolg hat, liege nämlich an den Einschüchterungen, die den Mieter:innen den Alltag rauben, so Kaiser. Eigentlich bräuchte es viel bessere Prüfungen vonseiten des Bauamtes und des Amtes für Straßenbau und Erschließung. Auch Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD) sagt, das Baugesetz müsse sich endlich ändern, um solche „Horrorgeschichten“ zu verhindern.

Über die NBO haben sich verschiedene Mietparteien eingerüsteter WPS-Häuser aus der Bornheimer Landstraße, der Hansaallee, der Spohrstraße und der Eschersheimer Landstraße inzwischen solidarisiert, um ihre Situation publik zu machen. Und „dafür zu kämpfen, in unseren Wohnungen bleiben zu können“, so eine 60-jährige Mieterin, die seit 33 Jahren in der Bornheimer Landstraße lebt.

Die Situation betrifft auch andere Stadtteile. WPS-Geschäftsführerin Annie Loosen leite verschiedene GmbHs, erklären Lena und Simon Wendland aus dem Dornbusch. Anfang 2020 habe „Loosen Berlin Capital Invest GmbH“ das Haus, in dem die beiden wohnen, übernommen. Und direkt mit den üblichen absurden Modernisierungen und fälschlichen Mieterhöhungen gedroht. Der Arztpraxis, die seit 30 Jahren im Gebäude sitze, sei gekündigt worden.

Seit August stehe ein Gerüst vor dem Haus – ohne, dass etwas passiere. Auch sie gehen juristisch gegen die Pläne vor. Die Schreiben enthielten so viele Fehler und Verwechslungen, dass es ihnen manchmal wie „ein absurdes Theaterstück aus leeren Worten“ vorkomme.

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