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Parkoursportler Marc Busch trainiert an der Hauptwache in Frankfurt.

Parkour in Frankfurt

Den nächsten Sprung vor Augen: Der Frankfurter Marc Busch verdient sein Geld mit Parkour

Marc Busch ist seit sieben Jahren hauptberuflich Parkoursportler.

Hauptwache: Aus einer Box erklingen Hip-Hop Sounds, während drei Parkoursportler über die Treppen und Geländer am Aufgang der U- und S-Bahn-Station springen.

Einer der drei ist Marc Busch. Er balanciert über Geländer, hüpft über Hindernisse und rollt über Mauern. Immer wieder bleiben Passanten stehen und sehen interessiert zu. Jemand ruft: „Oh, Bravo!“. Dabei wärmt sich Marc gerade noch auf.

Marc Busch ist seit sieben Jahren hauptberuflich Parkoursportler. „Parkour bedeutet Spielen mit Hindernissen. Tun, worauf man Lust hat“, erklärt er einer Frau und ihren Kindern, die interessiert zugesehen haben. „Am Anfang sind es nur Sprünge von Bordstein zu Bordstein, aber irgendwann bewegt man sich wie ein Ninja. Ich kann’s ja mal zeigen“, sagt er.

Mit diesen Worten nimmt er Anlauf, stößt sich mit den Händen an einem Geländer ab, zieht die Füße nach, landet durch den Schwung auf einer dünnen Stange zwei Meter dahinter. Dann balanciert er die Landung aus.

Marc Busch schätzt, dass es mittlerweile 1000 Parkoursportler in Frankfurt und Umgebung gebe. Die Community wachse stetig und sei schon einer der größten in Deutschland.

Dass seine Bewegungen so routiniert aussehen, ist natürlich viel Übung. Vor elf Jahren habe er die ersten Parkourvideos im Internet gesehen. Dann sei er raus gegangen und „habe Parkour gemacht, wieder und wieder“.

Marc Busch gibt Kurse an Schulen und in Vereinen

Inzwischen ist er so gut, dass er davon leben kann. Er gibt wöchentliche Kurse an Schulen und in Vereinen und tritt bei Shows und Messen auf. Manchmal arbeitet er als Stuntdouble und Werbemodel. Mit seinen 1,66 Meter, braunen Locken und braunen Augen werde er aber eher selten als Model gebucht, sagt er und lacht. Mittlerweile bereitet sich der 26-Jährige auf den nächsten, großen Sprung an der Hauptwache vor. Von einer kleinen Mauer neben einer Treppe aus will er mit Anlauf auf ein vier Meter entferntes Geländer springen. Dahinter fällt die Wand 3,50 Meter tief ab, in Richtung des Eingangs, der in die B-Ebene führt.

Marc Busch prüft das Geländer, wackelt daran, stellt sich darauf, balanciert. Dann überlegt er, wie er anlaufen wird. Er geht zur Absprungstelle, probt die Bewegungen. Schließlich springt er, versuchsweise, um die Entfernung einzuschätzen, und landet vor dem Geländer. Nun ist er vorbereitet. Auch darauf, dass etwas schief geht. Falls er zu viel Schwung bekommt, wolle er das Geländer fassen und auf einer Kante dahinter landen, damit er nicht in die Tiefe stürzt. Auch diese Bewegung hat er ausprobiert. „Körperlich ist alles geregelt. Es ist nur noch der Kopf“, sagt er. Die Konzentration sei beim Parkour genauso wichtig wie die körperlichen Fähigkeiten.

Verletzungen hatte Marc selten. Pausiert habe er nie länger als drei Wochen. Falls er sich doch einmal verletzt, frage er sich als Erstes: „Warum ist das grade passiert?“

„Der häufigste Grund ist, dass man nicht konzentriert war.“ Das passiere meistens bei kleineren Sprüngen, die man unterschätze. „Wenn man sich zu hundert Prozent konzentriert, dann passiert auch nichts“, ist sich Marc Busch gewiss. Für den Sprung an der Hauptwache muss er sich nun voll konzentrieren. Er probt den Anlauf, 15 Mal hintereinander, geht die Bewegung durch, stellt sich auf die Absprungposition.

Dann grinst er und schüttelt den Kopf. „Den Sprung mache ich beim nächsten Mal“, sagt er.

Autor: Max Seidel

Die Serie

Max Seidel besucht das Fortbildungsprogramm Buch- und Medienpraxis an der Goethe-Universität. Die Frankfurter Rundschau kooperiert mit dem Fortbildungsprogramm und stellt in einer Serie ausgewählte Texte der Studierenden vor. 

Am Donnerstag, 25. April 2019, lädt die Buch- und Medienpraxis zu einem Info-Abend über Berufsorientierung nach dem Hochschulabschluss ein: Campus Westend, Casino, Raum 1.801, um 19 Uhr. (fle)

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