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Der Maler Max Weinberg im Jahr 2008 in seinem Atelier. Er ist jetzt im Alter von 90 Jahren gestorben.

Nachruf

Der Frankfurter Maler Max Weinberg ist tot

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Der Maler und Grafiker Max Weinberg ist im Alter von 90 Jahren in Frankfurt gestorben. In der Oberfinanzdirektion ist eine Ausstellung mit seinen Werken zu sehen. Sie wird anlässlich seines Todes verlängert.

Der Maler und Grafiker Max Weinberg ist tot. Wie das Kunstministerium in Wiesbaden am Donnerstag berichtete, starb der deutsch-israelische Künstler am Vortag in Frankfurt im Alter von 90 Jahren.

„Max Weinberg war trotz der Gräuel, die ihm während des Nationalsozialismus widerfuhren, auf einzigartige Weise mit Deutschland und der Stadt Frankfurt verbunden. Menschen wie er sind das kreative und intellektuelle Fundament, aus dem sich die Toleranz und Offenheit dieser Stadt speisen“, würdigten Oberbürgermeister Peter Feldmann und Kulturdezernentin Ina Hartwig den Maler in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Weinberg, 1928 in Kassel geboren, lebte seit 1959 in Frankfurt. Er wurde mit teils großformatigen grell-bunten Bildern bekannt, die an Graffiti erinnerten. Er liebte abstrakte Gestalten mit vielen Augen, Beinen und Brüsten. In seinem Atelier empfing Weinberg viele Schulklassen und ausländische Reisegruppen, vor allem auch aus Israel.

Schießbefehl verweigert

Weinberg war 1935 während der NS-Herrschaft mit seinen jüdischen Eltern nach Palästina geflohen. Als 13-Jähriger verkaufte er dort schon Bilder auf der Straße. 1948 wurde er in Israel zum Militär eingezogen. Während dieser Zeit widersetzte er sich dem Befehl, einen  palästinensischen Bauern zu erschießen. Wegen dieser Befehlsverweigerung wurde er nach Arrest und Hungerstreik 1950 unehrenhaft aus der Armee entlassen. Weinberg studierte 1954 an der staatlichen Akademie für Kultur und Künste in Tel Aviv, bevor er nach Deutschland zurückkehrte.

„Max Weinberg war ein Mensch, dessen Empathie und Mitmenschlichkeit ihn immer wieder dazu veranlasst haben, unbequeme Pfade zu beschreiten. Er ist sich, und seinen Idealen immer treu geblieben. Vor dieser resoluten Geisteshaltung habe ich allergrößten Respekt“, sagte Kulturdezernentin Hartwig.

Hessens Kunstminister Boris Rhein würdigte Weinberg als jemanden, der anderen mit seinen Bildern neue Welten erschlossen habe. „Seine Werke waren so außergewöhnlich wie seine Persönlichkeit“, erklärte der aus Frankfurt kommende CDU-Politiker.

Noch am Vormittag des Mittwoch, 18. April, hatte OB Peter Feldmann Max Weinbergs aktuelle Ausstellung „Monumente und Meilensteine eines Künstlerlebens“ in der Oberfinanzdirektion Frankfurt besichtigt und den Künstler anschließend im Krankenhaus besucht. Die Ausstellung Weinbergs wird nun nach Angaben der Stadt Frankfurt bis Donnerstag, 26. April, verlängert.

Weinberg arbeitete mehrere Jahrzehnte in einem städtisch geförderten Atelier in der Ostparkstraße. Hier konnte ihn jeder besuchen.  Anlässlich seines 80. Geburtstags richtete die Stadt für ihn eine große Ausstellung in der AusstellungsHalle 1A mit begleitendem Katalog aus. Es folgten viele große Ausstellungen in der Rhein-Main-Region. (mit dpa)

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