Der Unternehmer Alexander Falk (M) hat im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinen Verteidigern Björn Gercke und Kerstin Stirner seinen Platz zur Urteilsverkündung eingenommen.
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Der Unternehmer Alexander Falk (M) hat im Gerichtssaal des Landgerichts neben seinen Verteidigern Björn Gercke und Kerstin Stirner seinen Platz zur Urteilsverkündung eingenommen.

Frankfurter Landgericht

Viereinhalb Jahre für Alexander Falk

  • Stefan Behr
    vonStefan Behr
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Das Landgericht sieht den Auftrag für einen Schuss auf den Frankfurter Anwalt als bewiesen an. Der Haftbefehl wird aufgehoben.

Das Landgericht hat den Hamburger Unternehmer Alexander Falk wegen Anstiftung zur gefährlichen Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Zugleich wurde der Haftbefehl gegen Falk, der seit 22 Monaten in U-Haft sitzt, aufgehoben – so dass der 50-Jährige als vorerst freier Mann in die Revision gehen kann.

Die Große Kammer unter dem Vorsitz von Jörn Immerschmitt ist der festen Überzeugung, dass Falk 2010 den Schuss ins Bein eines Frankfurter Anwalts, der dem Stadtplanerben in einem Zivilprozess juristisch und finanziell hart zugesetzt hatte, in Auftrag gegeben hat. Und zwar bei seinen Geschäftsfreunden, den Gebrüdern B., zwei waschechten Hamburger Schwerverbrechern, die Falk im Gefängnis kennengelernt hatte, wo er eine Haftstrafe wegen versuchten Betrugs und Bilanzfälschung absaß.

Falk hatte bis zuletzt geleugnet, den Schuss auf den Anwalt in Auftrag gegeben zu haben. Auch wenn das Gericht keinen absolut sicheren Beweis für seine Schuld hatte, so führten dennoch eine Vielzahl von Indizien zu der „sicheren Überzeugung“, dass Falk der Auftraggeber sei, so Immerschmitt.

Das ist zum einen die Tonbandaufnahme, die die B.-Brüder nach dem Attentat in einem Istanbuler Restaurant aufgenommen hatten, um Falk später damit zu erpressen. Auf der ist zu hören, wie einer der Brüder dem Hamburger erklärt, wie bei ihnen so das Geschäft laufe: „Sascha, jeder kann jemandem ins Bein schießen. Die Schwierigkeit ist, dass man sich nicht erwischen lässt. Deshalb hat es etwas länger gedauert. Dafür war es auch perfekt.“ Und da ist die SMS, die einer der Brüder fünf Tage vor dem Schuss an Falk geschickt hatte und in dem er verspricht, dass man dafür sorgen werde, dass „die Oma ihren verdienten Kuraufenthalt bekommen“ werde. Das sei eine Verschlüsselung des Sachverhalts gewesen, ist sich die Kammer sicher, zumal zu diesem Zeitpunkt sowohl Großmutter B. als auch Oma Falk schon lange das Zeitliche gesegnet hatten. Allerdings war die SMS auch ein Entlastungsindiz, das gegen den ursprünglich zur Debatte stehenden Auftragsmord sprach – war dort doch von „Kur“ und nicht von „Friedhof“ die Rede.

Verteidigung die Leviten gelesen

Zu Beginn der Urteilsbegründung las Immerschmitt Falks Verteidigung die Leviten, die den ganzen Prozess über ein Verhalten an den Tag gelegt hatte, das außerhalb eines Gerichtssaals als „Einladung zur Kneipenrauferei“ verstanden werden könne. Dass dieses Verhalten „von Überheblichkeit getragen“ gewesen sei, ist noch sehr milde ausgedrückt. Die bewundernswerte Selbstgefälligkeit von Falks Verteidiger Björn Gercke dürfte durch diese Worte keinen Schaden genommen haben – er kann sie kaum gehört haben, da er während der Urteilsbegründung angeregt mit seinem Mandanten plauderte.

Falk hat während des Prozesses versucht, sich als Charmebolzen, fairer Sportsmann und lässiger Jeans-Unternehmer zu inszenieren. Aber auch da sprechen die Indizien gegen ihn. In E-Mails bezeichnet er missliebige Staatsanwälte, Richter und Anwälte gerne mal als „Ratten“ oder „Bazillen“. Im Gespräch mit den B.s trauert er den guten alten Zeiten nach, in denen Gentlemen wie er ihre Gegner im Duell entsorgen konnten. Zu Beginn der Verhandlung verspotteten er und seine Verteidiger den angeschossen Anwalt als „Stabsunteroffizier“, dem das „Flair international erfolgreicher Wirtschaftsanwälte“ und damit die Satisfaktionsfähigkeit gefehlt habe und mit dem ein echter Patrizier sich nicht die Finger beschmutze.

Ein Zeuge hatte den Anwalt anders beschrieben. Dieser betreibe die „Columbo-Masche“, er genieße es geradezu, „von anderen erst unterschätzt zu werden – und dann seine Gegner eiskalt auf die Matte zu legen“. Das hört sich an wie das komplette Gegenteil der Falk-Masche.

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