1. Startseite
  2. Frankfurt

Frankfurter Landgericht verhandelt Fall um Ex-Soldat

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stefan Behr

Kommentare

Mann aus Glashütten wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz angeklagt. Ähnlichkeiten zum Fall des Offenbachers Franco A.

Der 22 Jahre alte Ex-Soldat der Bundeswehr, der sich seit Freitag vor dem Landgericht verantworten muss, hatte sich ganz schön was vorgenommen, laut Anklage nämlich nichts weniger als die Weltherrschaft. Das Streben nach Weltherrschaft ist per se aber nicht strafbar. Angeklagt ist der ehemalige Hauptgefreite wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat. Mitangeklagt wegen Beihilfe zu dieser sind sein 64 Jahre alter Vater und sein 21 Jahre alter Bruder. Die komplette Mischpoke, die ihren Aufenthalt mittlerweile von ihrem Haus in Glashütten in das Frankfurter Untersuchungsgefängnis verlegt hat, ist zudem wegen Verstößen gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz angeklagt.

Der Fall weist einige Gemeinsamkeiten zu dem des Bundeswehroffiziers Franco A. auf, gegen den am Freitag wegen derselben Delikte im Nachbarsaal hätte verhandelt werden sollen, was aber wegen eines Corona-Falls ausfällt. Wie A. hatte auch der Hauptgefreite sein Credo in einem schriftlichen Manifest niedergelegt, das sich mit dem „Vernichtungskrieg der Juden gegen Deutschland“ beschäftigt. Der war auch Thema von A.s Magisterarbeit, wenn auch in etwas gestelzteren Worten.

Beide verfolgten wohl auch ähnliche Pläne. Der des 22-Jährigen war laut Anklage der, „erst Deutschland, dann die ganze Welt zu erobern“, was in dieser Reihenfolge ja auch ganz vernünftig klingt, und nach erfolgreichem Sturm auf den Reichstag dann in den „befreiten Gebieten“ sofort sämtliche „Flüchtlinge eliminieren“, wobei „keine Gefangenen gemacht“ werden sollen.

Aber beim Thema Waffen bunkern ist der Offizier A. verglichen mit dem angeklagten Hauptgefreiten geradezu ein Pazifist. Eine geschlagene Dreiviertelstunde braucht die Staatsanwaltschaft, um sämtliche Waffen aufzuzählen, die im Haus der Familie, ihren zwei Gärten und ihren drei Garagen gelagert waren. Kurz- und Langwaffen, Granaten, Munition, Sprengstoff: alles ebenso im Portfolio wie die bei Theorieverschwörern beliebte Machete (auch Franco A. schwört auf Macheten), der obligatorische „Dolch mit Hakenkreuz“ und, recht originell, „eine Dose Tic-Tac mit mehreren Gramm TNT“.

Die explosive Lutschdragée-Box ist dabei ein schönes Bild für den ganzen Fall. Denn trotz des beeindruckenden Arsenals: Die Waffen hätten höchstens dafür gelangt, Glashütten zu erobern, aber kaum, es auch zu halten. Zudem herrschte für einen erfolgreichen globalen Umsturz auch ein erschreckender Fachkräftemangel: Außer der Familie selbst war wohl niemand so recht involviert. Bereits bei der Erhebung der Anklage im März dieses Jahres witterte die Staatsanwaltschaft zwar „den Aufbau einer Kampforganisation nach nationalsozialistischem Vorbild“, musste aber eingestehen, dass es bislang „keine Hinweise auf Verbindungen zu einem größeren Netzwerk“ gebe.

Klar ist allerdings eines: Abermals wurde die Welt von Männern in ihrem Wahn bedroht, wieder mal bedurfte es einer Frau, sie zu retten. Denn es war die ehemalige Freundin des Hauptangeklagten, die die Familie verpfiffen hatte, nachdem der Hauptgefreite ihr mit der flachen Hand ins Gesicht geschlagen und sie eine „Nutte“ geheißen hatte. Kurz darauf folgte die Haus-, Garagen- und Gartendurchsuchung.

Am ersten Verhandlungstag wurde lediglich die Anklage verlesen. Die Staatsschutzkammer des Landgerichts hat sich auf eine langwierige Beweisaufnahme eingestellt, bislang sind ein Dutzend Verhandlungstage bis Mitte Oktober terminiert. Völlig unklar ist, mit welchem Strafmaß die beiden jungen Angeklagten zu rechnen hätten. Sie waren zumindest während eines gewissen Zeitraums der Anklage – das Judenhassmanifest etwa wurde 2016 verfasst – Jugendliche beziehungsweise Heranwachsende, bei denen das Jugendstrafrecht greifen könnte.

Auch interessant

Kommentare