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Kultur

Frankfurter Kunst an Parkhaus in Toronto

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Künstler Justus Becker präsentiert in der Partnerstadt ein 26 Meter hohes Graffito. Es zeit die Skylines beider Städte.

Markus Frank fehlt. Eigentlich sollte der Wirtschafts- und Sicherheitsdezernent am Sonntag in Toronto sein und sich zur Mittagszeit ansehen, wie der Frankfurter Künstler Justus Becker in der kanadischen Millionen-Metropole sein Graffito präsentiert. Aber daraus wurde nichts. Wegen der Proteste gegen die Internationale Automobil-Ausstellung hatte der CDU-Politiker erklärt, er sei in Frankfurt unabkömmlich.

Und so kommt es auch nicht zum „Friedensgipfel auf dem CN-Tower“. Frankfurter Politiker hatten in den vergangenen Tagen gewitzelt, Frank und Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wollten sich auf dem 550 Meter hohen Fernsehturm treffen, um sich über ihre höchst unterschiedlichen Positionen zur Autoindustrie auszutauschen. So ein Termin war natürlich nicht geplant, aber lustig ist die Vorstellung allemal.

So trifft sich die Delegation an diesem kühlen und verregneten Sonntag ohne den Wirtschaftsdezernenten an einem Parkhaus in der Charles Street und feiert Justus Becker. Der Künstler ist in der Szene unter dem Namen Cor bekannt. Unter anderem hat er das Bild des ertrunkenen Flüchtlingsjungen Alan Kurdi am Osthafen entworfen. In der Charles Street hat er die 26 Meter hohe, einst betongraue Fassade des Parkhauses in sechstägiger Arbeit mit einem Gesicht verziert. Es steht für die Freundschaft zwischen Toronto und Frankfurt. In Brillengläsern sind die Skylines der beiden Städte zu sehen. Darunter findet sich ein überdimensionaler Fingerabdruck – für Becker „ein Symbol, dass jeder einen Eindruck in der Gesellschaft hinterlässt und diese gestaltet“.

Dass die Freundschaft zwischen Toronto und Frankfurt im Stadtbild jetzt sichtbar ist, ist Michael Thompson wichtig. Der stellvertretende Bürgermeister der größten Stadt in Kanada lobt Frankfurt als Stadt, „die wir lieben“. Es sei wichtig, die Partnerschaft zu erneuern, so der Politiker.

Die zuletzt etwas eingeschlafene Freundschaft sollte auf alle Fälle wiederbelebt sagen, sagt auch Peter Feldmann. Denn Frankfurt und Toronto könnten viel voneinander profitieren. In beiden Städten sei die Vielfalt wichtig. 51 Prozent der Menschen in Toronto seien nicht in Kanada geboren worden, sagt Thompson, der selbst aus Jamaika stammt. Darauf kontert Feldmann mit dem Anteil der Frankfurter mit Migrationshintergrund: 52 Prozent.

Beckers Werk bildet den Auftakt zu einem Kulturaustausch zwischen den beiden Städten. Demnächst sollen Künstler aus Toronto nach Frankfurt kommen. Am Ende des Programms steht die Buchmesse 2020, bei der Kanada das Gastland ist.

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