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Hilde Petersen-Weiders Vater hatte den Tabakladen in ihrem Geburtsjahr 1932 in der Innenstadt eröffnet.

Umzug

Frankfurter Kult-Tabakladen „Pfeifen-Weider Feuerzeugzentrale“ nach 55 Jahren umgezogen

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55 Jahre war Hilde Petersen-Weider mit ihrem Kult-Tabakladen in der Münchener Straße. Dann musste sie raus. Jetzt verkauft sie Zigarren, Pfeifen und ganz viele Zigaretten in einem Sonnenstudio in der Elbestraße.

„Wo ist denn jetzt der neue Tabakladen von der Hilde. Ich sehe die Hausnummer 28 nirgends.“ Der Herr in der Elbestraße scheint verzweifelt, aber dann entdeckt er das Schild aus dem alten Laden, auf dem „Pfeifen-Weider Feuerzeugzentrale“ steht. Und zwar im Schaufenster des Sonnenstudios namens „First Sun“.

Läuft man an der Handy-Verkaufstheke und an den Türen zu den Sonnenbänken vorbei, sitzt die 87-jährige Hilde Petersen-Weider ganz hinten im Laden. Vor und hinter ihr viele Zigarettenschachteln, schicke Pfeifen und Feuerzeuge. Eben packt sie ein altes Werbeposter mit dem „Marlboro-Mann“ aus. „Vieles ist aber noch in Kisten“, sagt sie. 

Anfang der Woche ist sie erst hier eingezogen. Nach 55 Jahren musste sie mit viel Herzschmerz aus ihrem Tabakladen in der Münchener Straße ausziehen. Schon 2017 war ihr der Mietvertrag gekündigt worden. „Wir hatten noch eine zweijährige Verlängerung. Lange wussten wir gar nicht, ob es überhaupt weitergeht, denn die meisten Mieten im Bahnhofsviertel waren viel zu teuer“, erzählt Hilde Petersen-Weiders Enkelsohn Jörg-Björn Petersen. „Erst im November haben wir das Angebot bekommen, unseren Tabakladen im Sonnenstudio weiterzuführen.“

Enkel und Oma arbeiten im Laden zusammen

Der 23-Jährige arbeitet mit seiner Großmutter zusammen im Laden. „Ich kam hier immer schon als kleiner Junge nach dem Kindergarten zum Spielen her“, erzählt er. Wie die Oma. Denn bereits 1932, in ihrem Geburtsjahr eröffnete Petersen-Weiders Vater Friedrich den Tabakladen in der Innenstadt im früheren Wollgraben. Nach dem Zweiten Weltkrieg zogen sie erst an die Hauptwache, dann in die Münchener Straße 81.

„Damals hatten wir eine Holztheke extra für unseren Laden anfertigen lassen, aber sie fachgerecht ausbauen zu lassen und sie mitzunehmen, wäre zu teuer geworden“, so Hilde Petersen-Weider. Lange Jahre hat sie viel geraucht. „Ich muss ja wissen, von was ich rede, wenn ich die Kunden berate“, sagt sie und lächelt. 

Jetzt rauche sie nur noch, wenn es eine neue Sorte auszuprobieren gibt. Noch ist das Sortiment nicht vollständig, denn mit allem konnten sie nicht umziehen. Aber bald haben sie 120 Zigarettenmarken, 45 Zigarrensorten und 500 Pfeifen sowie hochwertige „Zippo“-Feuerzeuge im Sortiment. „Wir haben auch Ascher, Tischfeuerzeuge oder Zigarettendosen der Marke Erhard im Verkauf. Diese werden seit Jahren gar nicht mehr produziert“, sagt Hilde Petersen-Weider. 

Stammkunden aus Japan

Sogar aus Japan hätten sie Stammkunden, die nach Frankfurt reisten, um solche besonderen Stücke bei ihr zu kaufen. Ihre Tochter macht die Büroarbeit, ihr Lebensgefährte seit 45 Jahren Rolf Düring und Jörg-Björns „Oppa“ repariert für Kunden zudem kaputte Feuerzeuge sowie Pfeifen. Ans Aufhören hat die fitte 87-Jährige nie gedacht, sagt sie. „Der Laden ist das Lebenswerk meiner Oma“, sagt der Enkel. Auch er wollte nie etwas anderes machen.

Pfeifen-Weider, Elbestraße 28, Montag bis Samstag 10 bis 19 Uhr

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