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Da wächst was vorm Senckenberg-Museum? Ja, und Julia Krohmer kennt sogar die Namen.
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Da wächst was vorm Senckenberg-Museum? Ja, und Julia Krohmer kennt sogar die Namen.

Stadtnatur

Frankfurter Krautschau zum Niederknien

  • Thomas Stillbauer
    VonThomas Stillbauer
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Die Pflanzenvielfalt in den Spalten und Ritzen der Stadt: An diesem Samstag sind alle aufgerufen, nach Grün im Asphaltdschungel zu suchen.

Niederliegendes Mastkraut! Stumpfblättriger Ampfer! Pardon, das soll keine Beschimpfung sein, im Gegenteil. Es handelt sich um tapfere Pflanzen, die sich in garstiger Umgebung behaupten: in Fugen, Spalten, Ritzen der Stadt. An diesem Samstag können alle selbst nach ihnen suchen: bei der großen „Krautschau“.

Eine Gruppe testet das am Donnerstagabend schon mal. Los geht’s vorm Senckenberg-Museum. Bitte? Der Platz ist gepflastert, verfugt, da wächst doch nichts. Doch, sagt Julia Krohmer, Botanikerin und Wissenschaftsvermittlerin bei Senckenberg: „Gräser, Flechten, Moose erarbeiten sich sogar da ihren Platz.“

Wer hinschaut, erkennt, dass es aus den steinernen Ritzen zart sprießt – es blüht rührenderweise sogar ganz winzig. Schnell hat die Expertin den Ackervogelknöterich erkannt, das Einjährige Rispengras, dort drüben Löwenzahn, Breitwegerich … Jawohl: alles auf dem völlig versteinert wirkenden Platz vorm Museum.

KRAUTSCHAU

An diesem Samstag ist „Krautschau“- Aktionstag: Überall gehen Menschen auf die Suche nach Wildpflanzen, die sich in den Nischen behaupten.

In Frankfurt ist ein zentraler Treffpunkt der Merianplatz um 14 Uhr. In Darmstadt: Botanischer Garten, 10 Uhr.

Die Aktion, koordiniert von Senckenberg und der Uni Freiburg, soll mehr Bewusstsein für die Präsenz von Wildpflanzen im urbanen Raum und generell für die Bedeutung von Natur in den Städten schaffen. Mehr Information: www.senckenberg.de/krautschau

Die Aktion am Donnerstag gehört zum Programm des Historischen Museums, das gerade „Die Stadt und das Grün“ in einer Ausstellung und mit einer Reihe von Veranstaltungen feiert. „Wir wollen rausgehen und zeigen, was in der Stadt wächst“, sagt Kuratorin Nina Gorgus, „und wie wichtig das ist.“

Die Gunst der Fuge

Mit dabei sind zehn Personen und ein Hund. Es gilt, jeden grünen Fund mit Kreide einzukringeln, den Namen dazuzuschreiben – Kahles Bruchkraut, Japanische Herbstanemone, Gartenwolfsmilch – und den Hashtag Krautschau daneben. Die Aktion soll der Stadtnatur Aufmerksamkeit verschaffen; das sensibilisiert. „Was wir hier sehen, da hat man oft gar kein Auge dafür“, sagt Julia Krohmer. #Krautschau und #MehrAlsUnkraut sind seit einiger Zeit Erkennungszeichen einer Guerillaaktion, die markiert, was in den Asphaltwüsten wächst. Es gebe an die 500 Arten, die in der Stadt die „Gunst der Fuge“ nutzen, wie es treffend der Botaniker Michael Hohla aus Österreich schrieb, sagt Julia Krohmer. Laien empfiehlt sie Pflanzenbestimmungs-Apps wie „Flora Incognita“.

Auf dem Weg zur Bockenheimer Warte: Habichtskraut, Malve, Gekrümmter Fuchsschwanz, Königskerze, Natternkopf, Kompasslattich, Färberkamille, Wilde Karde, Behaartes Knopfkraut, es hört nicht auf. Plötzlich sieht man überall Kraut wachsen. Am Ende der Tour sind es 33 Arten – in so einem „miesen Lebensraum“, wie die Gruppe feststellt, jedenfalls für Wildpflanzen.

Voller Bewunderung wird die Beharrlichkeit gefeiert, mit der die winzigen Geschöpfe in den Ritzen wurzeln, mit viel mehr Aufsässigkeit und Widerstandskraft als so manche Balkonpflanze, die sich trotz bester Pflege ziert. Schön wär’s, gäbe es mehr Raum für wildes Wachstum in der Stadt, das ist eine Erkenntnis aus der abendlichen Krautschau. Und solange daraus nichts wird: Respekt für die, die trotzdem ihren Standort behaupten. Oder wie Julia Krohmer schrieb: urbane Vielfalt zum Niederknien.

Platz ist in der kleinsten Ritze, hier für den Vogelknöterich.

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