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Eine von drei Klima-Demos an diesem Freitag in Frankfurt war am Römer.

Demonstration

Drei Demonstrationen parallel

  • Helen Schindler
    vonHelen Schindler
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  • Kathrin Rosendorff
    Kathrin Rosendorff
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Über 2000 Menschen demonstrieren in Frankfurt fürs Klima und für soziale Gerechtigkeit.

Der Song „Hurra, die Welt geht unter“ von K. I. Z. und Henning May dröhnt an diesem Freitagmittag aus den Boxen am Römerberg. Es hat sich als Lied der „Fridays for Future“-Bewegung etabliert. Seit Beginn der Corona-Pandemie hat die Protestbewegung erstmals wieder zum globalen Klimastreik aufgerufen. Es ist der sechste. In Frankfurt gibt es drei Demonstrationen gleichzeitig: eine an der Alten Oper, eine an der Hauptwache und die dritte auf dem Römerberg. Insgesamt sind laut Polizei über 2000 Demonstrantinnen und Demonstranten gekommen. Der Veranstalter spricht von 3500 Teilnehmenden.

Die Frankfurter Aktivistinnen und Aktivisten haben sich erstmals mit anderen Gruppen zusammengeschlossen – zu einem „Intersektionalen Bündnis“. Mit dabei sind auch Migrantifa, Frauen*Streik, Black Power und Beheard. Der Großstreik läuft unter dem Motto „Eure Normalität ist unsere Krise“ und soll antirassistische, feministische und Klimagerechtigkeitsperspektiven vereinen. „Die Politik will zurück zur Normalität. Doch Normalität bedeutet auch Polizeigewalt, Kohleabbau, NSU 2.0, Lager auf Moria und Sexismus. Wir wollen eine Welt, in der das alles nicht mehr existiert“, sagt Rosa von „Fridays for Future“ bei der Kundgebung an der Hauptwache.

Nadine (23) aus Münster steht zusammen mit ihrer Schwester Melina (19) am Römerberg. Wie alle hier halten sie sich an Abstände und Maskenpflicht. Auf ihre Masken haben sie mit Kuli „#keinGradweiter“ geschrieben. „Die Corona-Krise hat die Klimakrise in den Schatten gestellt. Aber die Welt brennt. Deswegen müssen wir auf die Straße gehen. Es reicht auch nicht, dass wir vegan essen oder Zug fahren, statt zu fliegen. Es braucht politische Lösungen, damit sich was bewegt“, betont Nadine. Anfangs sei sie irritiert gewesen, dass es bei diesem Streik nicht nur um die Klimakrise, sondern auch um soziale Gerechtigkeit geht. „Ich dachte: Warum werfen sie alles in einem Topf? Aber wenn ich jetzt die Reden höre, macht es schon Sinn.“

Nasi, eine Sprecherin des Bündnisses Beheard an der Alten Oper, erklärt, warum: „Es ist an der Zeit, unsere Kämpfe für das Klima und gegen Rassismus und Sexismus zu vereinen. Denn eigentlich verfolgen wir alle ein Ziel: eine Welt, in der wir gemeinsam friedlich leben können. Dafür müssen wir gemeinsam gegen die Ausbeutung von Mensch und Natur vorgehen.“

„Un-fuck the System“ steht auf dem Demoschild der 25-jährigen Ciya am Römerberg. „Das System ist weltweit abgefuckt. Der Neoliberalismus und Kapitalismus und die patriarchalische Welt mit all ihren Folgen: Polizeigewalt, Sexismus, Diskriminierung, kaputtes Klima. Damit muss Schluss sein.“

Jana (15) aus dem Kreis Offenbach sagt: „Ich will eine Stimme sein und etwas bewegen, anstatt im Unterricht zu sitzen und nichts zu bewirken. Ich finde, das müssten viel mehr Schülerinnen und Schüler machen. Denn es ist unsere Zukunft.“ Sie sei hier, weil es sie nerve, dass jedes Mädchen immer noch mit Sexismus zu kämpfen habe und es immer noch eine normalisierte Homophobie in dieser Gesellschaft gebe. „In meiner Schule schreien die Leute immer noch ‚Schwuchtel‘ und sagen, dass sie sich vor Homosexuellen ekeln würden.“

Lisa (30) ist aus Heidelberg gekommen. „Make Love not CO2“ steht auf ihrem Plakat. „Die Klimakrise geht nicht weg, nur weil alle gerade über Corona reden“, sagt sie. Sie findet es schade, dass bei der Demo viele Junge und viele Alt-68er, aber eben nicht die die Eltern der „Fridays for Future“-Generation da seien. „Ich sehe hier keine 50- oder 60-Jährigen. Warum ist das so? Ich vermisse sie hier.“

Eine Sprecherin der Migrantifa spricht über die Ungerechtigkeit zwischen dem globalen Norden und dem globalen Süden. „Noch immer profitieren die EU und der globale Norden vom Kolonialismus, während Menschen im globalen Süden ausgebeutet werden. Das ist ein rassifizierter Kapitalismus. Das System muss ein für alle Mal zerschlagen werden“, sagt die Rednerin an der Hauptwache.

Julia (20) vom Bündnis Black Power hält ein Schild hoch, deren Aufschrift einen vorbeilaufenden Herren irritiert: „Don’t open your mouth for black dicks and close it for black issues („Öffne deinen Mund nicht für schwarze Penisse und schließe ihn dann für schwarze Themen“). Die Worte seien vielleicht im ersten Moment krass, spiegelten aber leider die Realität für viele schwarze Menschen wider.

Bier und Klima haben eins gemeinsam. Zu warm sind sie nicht gut.

„Auch ich erlebe es oft, dass Männer mich anmachen, weil sie einen Fetisch für Schwarze haben. Sie denken, dass ich, weil ich schwarz bin, wild im Bett sei. Auch schwarze Männer sind Opfer von solchen rassistisch sexualisierten Zuordnungen. Aber dann, wenn es um Rassismus und Gewalt gegen schwarze Menschen geht, halten genau diese Leute, die uns sexualisieren, den Mund.“

Inzwischen haben sich der Demo an der Alten Oper laut Polizeiangaben rund 900 Menschen angeschlossen. Um kurz vor halb zwei setzt sich der Demozug in Bewegung. Viele der jungen Menschen skandieren die typischen „Fridays for Future“-Slogans wie „Fight the System“ und „Power to the People“. Von der Hauptwache bewegen sich laut Polizeiangaben 700, vom Römerberg 650 Menschen in Richtung Mainufer. Um 14 Uhr hat auch die letzte der drei Gruppen ihr Ziel erreicht. Die Aktivistinnen und Aktivisten verteilen sich auf der Alten Brücke, der Ignatz-Bubis-Brücke und am Sachsenhäuser Ufer, dort endet die Demonstration.

Jenny (19) von „Fridays for Future“ betont noch einmal, wie wichtig es sei, heute hier auf die Straße zu gehen. „Nach dem Tod von George Floyd haben alle einen Hashtag gesetzt, ihr Profilbild schwarz gemacht, das war wie so ein Trend. Einen Hashtag zu setzen reicht aber nicht. Es muss weiter gehen. Das System muss sich ändern.“

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