Julia Gowin (links) und Gabriele Bischoff von Kita Frankfurt im neu gestalteten Raum für Rollenspiele.  
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Julia Gowin (links) und Gabriele Bischoff von Kita Frankfurt im neu gestalteten Raum für Rollenspiele.  

Kita

Frankfurter Kita öffnet nach tödlichem Unfall wieder

  • Georg Leppert
    vonGeorg Leppert
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Am Montag kommen die ersten Kinder zurück in die Atzelbergstraße nach Seckbach. Die Einrichtung sei sicher, betont die Bildungsdezernentin.

Die kleine Ecke in dem Raum, in dem sich die Kinder zu Rollenspielen treffen können, weckt Erinnerungen und Emotionen. An der Wand hängt ein Briefkasten. „Antonio“, steht auf dem Namensschild. So hieß der sechsjährige Junge, der im Oktober 2019 in der Kindertagesstätte an der Atzelbergstraße durch einen Stromschlag getötet wurde. Seine Freunde, die am Montag in die Kita zurückkehren werden, können Briefe oder Bilder in den Kasten werfen. Beklebt ist die Postbox mit einem Zitat von Antoine de Saint-Exupéry, der den „Kleinen Prinzen“ geschrieben hat: „Und wenn du dich getröstet hast, wirst du froh sein, mich gekannt zu haben.“ Ebenfalls in der Ecke steht ein Buch: „Weil du mir so fehlst“. Es handelt von Trauer und Abschied.

Neues Team

Nein, der Montag wird mit Sicherheit kein einfacher Tag im Kinderzentrum in Seckbach, das sagt Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) beim Pressetermin am Freitagmittag deutlich. Seit dem Unfall war die Einrichtung geschlossen. Mehr als sieben Monate lang. Alle Erzieherinnen und Erzieher, die zum Zeitpunkt des Unglücks in der Kita gearbeitet haben, haben auf eigenen Wunsch die Kita gewechselt. „Das war verständlich“, sagt Sylvia Weber.

Und nun die Wiedereröffnung: 72 Kinder sollen künftig am Atzelberg betreut werden, darunter auch zehn Kinder unter drei Jahren, aber nur noch 15 Jungen und Mädchen im Hort. Der Bedarf nach Hortplätzen sei in Seckbach kleiner als in anderen Stadtteilen, da die Zentgrafenschule als örtliche Grundschule ein Ganztagskonzept verfolgt, wie Weber ausführt.

Eigentlich ist es keine Wieder-, sondern eine Neueröffnung. Fast alles hat sich verändert in der Kita. Es gibt neues Personal (Leitung, stellvertretende Leitung, sieben pädagogische Fachkräfte, zwei Hausangestellte), neu gestaltete und umgebaute Räume und ein neues Konzept, bei dem die Sprachförderung einen pädagogischen Schwerpunkt bildet.

Erinnerung an Antonio.  

Etwa zwei Drittel der Kinder, die im Herbst vorigen Jahres die Einrichtung besuchten, würden zurückkehren. Einige wenige blieben in den Kitas, in denen sie in den vergangenen Monaten übergangsweise betreut wurden. Andere kommen im Sommer in die Schule und wollen nun nicht mehr für vier Wochen zurück in die Atzelbergstraße.

Über den tödlichen Unfall und die „auch für den ganzen Stadtteil furchtbare Zeit“ wurde viel gesprochen, wie Weber berichtet. Die Eltern hätten psychologische Betreuung bekommen. Und es wird weiter darüber gesprochen werden, da ist sich die Bildungsdezernentin sicher. Die Ecke zum Gedenken an Antonio zeigt: Die Kindertagesstätte will und kann trotz allem Neuanfang das Geschehene nicht verdrängen.

Ob die Kinder von Anfang an unbeschwert spielen werden? Sylvia Weber weiß es nicht. Was sie weiß: „Die Kita ist sicher, wir können sie guten Gewissens öffnen.“ Die gesamte Elektrik sei mehrfach begutachtet und abgenommen worden – sowohl von der Unfallkasse Hessen als auch von einem Sachverständigen.

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