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Nach dem großen Regen: Wasser sprudelt aus einem Frankfurter Gully.
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Nach dem großen Regen: Wasser sprudelt aus einem Frankfurter Gully.

Starkregen in Frankfurt

Frankfurter Kanalnetz bei Starkregen machtlos

  • George Grodensky
    VonGeorge Grodensky
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Wasser soll oberirdisch ablaufen oder versickern. Hauseigentümer müssen privat Vorsorge in Sachen Hochwasserschutz betreiben.

Der Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Am Donnerstag kann es gewittern, auch am Wochenende sind Starkregen und Hagel nicht ausgeschlossen. Dabei erholen sich die Frankfurterinnen und Frankfurter noch vom Starkregen aus der vergangenen Woche. Da zählte die Feuerwehr allein in Frankfurt mehr als 700 Notrufe.

Die Einsatzkräfte sehen sich gewappnet. Besonders vorbereiten möchten sie sich nicht. „Wir sind immer vorbereitet, egal was kommt“, sagt ein Feuerwehrsprecher. „Das ist der Sinn und Zweck einer Feuerwehr.“ Nur wegen des Wetterberichts Sandsäcke zu füllen, sei nicht sinnvoll. „Womöglich regnet es dann doch nicht.“ Lieber warte die Wehr auf das, was kommen mag – und arbeite jeden Notruf ab.

Erkannt haben die Einsatzkräfte, dass sie inzwischen häufiger wegen Wetterkapriolen ausrücken als früher. Seit 30 Jahren sei er dabei, sagt der Sprecher. Früher habe die Wehr auch mal Keller auspumpen müssen. „Aber nicht in diesem Ausmaß.“

1600 Kilometer Kanalnetz

Die Technik hat sich der Entwicklung angepasst. Die meisten Hauseigentümer:innen haben ihre Gebäude, auch die Altbauten, mit Rückstauklappen versehen. Die lassen das Abwasser aus dem Haus fließen, verhindern aber, dass Schmutz- und Regenwasser wieder zurück ins Haus gelangt. Spezielle Objekte, also Büroneubauten oder Krankenhäuser, haben auch eigene Pumpanlagen im Keller installiert.

Gleichwohl reicht das nicht, um bei extremen Regenfällen alle Keller und Winkel der Stadt trocken zu halten. Laut Statistik des Wetterdienstes gebe es Regen in der Intensität vom Dienstag nur alle 100 bis 200 Jahre, sagt Roland Kammerer, Technischer Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung SEF. „Das Kanalnetz wird in Deutschland nach Niederschlagsereignissen bemessen, die statistisch einmal in drei bis fünf Jahren auftreten.“

Damit komme das System klar. Nicht mit Jahrhundertfluten. Bei denen staut sich das Wasser auf Grundstücken und Straßen, fließt auf der Fahrbahn ab, wie in der vergangenen Woche. Das 1600 Kilometer lange Kanalnetz wird die Stadt nicht großflächig ausbauen. Nicht nur der Kosten wegen, es fehlt auch an Platz.

Tokio hat riesige Zisternen

Zum Vergleich: Japans Hauptstadt Tokio hat wegen der stetig wiederkehrenden Taifune 1992 ein gigantisches unterirdisches Reservoir gebaut. 15 Jahre hat das gedauert und mehr als zwei Milliarden Euro gekostet. Seither leiten zehn Meter dicke Rohre den Regen durch Tunnel in fünf riesige Kübel aus Beton. Die liegen 50 Meter unter der Erde, sind 65 Meter hoch und 32 Meter breit.

Frankfurt setzt dagegen darauf, mehr Wasser an der Oberfläche zu halten, es gerade nicht in den Kanal zu leiten. Die Grundlagen schaffe die Stadtplanung bereits seit 20 Jahren, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. Bebauungspläne und Satzungen zum Thema Niederschlagwasser verpflichteten Anwohner:innen dazu, Zisternen oder Regentonnen zu nutzen und Wasser versickern zu lassen. Derzeit steht etwa die „Freiraum- und Klimasatzung“ zum Beschluss an. Die soll es Hauseigentümer:innen nicht nur erschweren, Schottergärten anzulegen. Sie soll auch weitere Vorgaben zur Versickerung von Regenwasser und gegen die Versiegelung von Grundstücken machen.

Auf dem Riedberg hat die Stadt entsprechende Flächen geschaffen. In der Parkanlage am Kätcheslach finden sich Mulden, die Wasser aufnehmen, damit das Bächlein nicht zum reißenden Strom anschwillt und den „Bach runter“ fließt in die Nidda. Ähnlich „clevere Landschaftsarchitektur“, wie Gellert sagt, findet sich auch im neu gebauten Stadtbezirk Gateway Gardens am Flughafen. Dazu passt, dass die Stadtentwässerung seit vielen Jahren den Flüssen Main und Nidda wieder mehr Platz einräumt. Die Renaturierung der Niddawehre, der Anschluss von Altarmen, der neu geschaffene Fechenheimer Mainbogen, all das dient nicht nur dem Artenschutz. In den Auenlandschaften bekommt das Wasser Platz, sich dort auszubreiten, wo es wenig stört.

Versickerungsflächen sind nötig

Immerhin erkennt die Stadtentwässerung die Flüsse und Bäche als Orte, an denen Überschwemmung drohen könnte. Künftig werden weitere durch Hochwasser gefährdete Stellen dazu kommen: Seit einiger Zeit arbeitet das Umweltamt an einer Starkregen-Gefahrenkarte. Sie sei so gut wie fertig, die Ämter seien in „der finalen Abstimmung“, heißt es aus dem Umweltdezernat. Vorgestellt werden soll die Karte noch im Sommer.

Sie soll die Stellen ausweisen, an denen die Stadt an der Oberfläche und im Kanalnetz womöglich nachbessern muss: etwa Bordsteine erhöhen, die Straßenneigung ändern, damit das Wasser anders fließt, Versickerungsflächen schaffen. Die Karte soll aber auch private Grundstückseigentümer:innen informieren, damit sie ihre Häuser besser schützen: zum Beispiel den Vorgarten entsiegeln, damit Wasser versickern kann, oder Stufen vor Lichtschächten oder Eingangstüren bauen, damit das Wasser nicht hin den Keller fließt.

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