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Adrien Jathe präsentiert schon mal einen Prototyp seiner innovativen Brille.

Frankfurt

Frankfurter Jungforscher mit Durchblick

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Adrien Jathe entwickelt eine Art Sonnenbrille, die nur punktuell verdunkelt. Erste Auszeichnungen gab es bereits.Adrien Jathe entwickelt eine spezielle Brille,die Schweißern und Piloten die Arbeit erleichtert.

Adrien Jathe sitzt im Konferenzraum und spricht über die Objekte, die vor ihm liegen. Zwei Brillenmodelle, mehrere kleinere Vierecke mit Wabenmustern, eine Solarzelle, eine Flüssigkristallzelle. Er stellt seine Idee vor, als wäre er ein alter Hase im Unternehmergeschäft und das Ganze ein Gespräch für neue Investoren. Tatsächlich ist der Frankfurter aber 18 Jahre, sitzt in einem Raum seiner Schule und zeigt, woran er in den vergangenen fast drei Jahren getüftelt hat und wofür er auch schon ausgezeichnet wurde: eine richtungsabhängige Verdunkelungstechnik zur Sichtunterstützung.

„Ich war mit meinem Vater im Auto unterwegs, als nach einem Regenschauer plötzlich wieder die Sonne hervorkam“, erinnert sich Jathe. Dadurch wurde der Asphalt so gleißend, dass er selbst und alle anderen kaum noch etwas sehen konnten. „Ich habe gedacht: ,Da muss man was Neues entwickeln‘.“ Gedacht, getan – der 18-Jährige dachte über eine Brille nach, die anders als eine gewöhnliche Sonnenbrille nur Bereiche auf dem Glas abdunkelt. Dadurch sei die Lichtquelle gedimmt, aber der Rest der Umgebung habe eine nahezu gleichmäßige Helligkeit. „So kann man die Sonne abdunkeln und trotzdem ohne Einschränkungen ein Buch lesen.“

So begann der Frankfurter, an einer speziellen Brille zu tüfteln – und alles in Einklang mit der Schule zu bringen. Jathe geht auf die Metropolitan School in Rödelheim. An der Ersatzschule wird, abgesehen von den Sprachen, auf Englisch unterrichtet. Am Ende bekommt man das internationale Abitur „International Baccalaureate“. Jathes Leistungsfächer sind Mathe, Chemie und Physik. „Ich möchte mal Ingenieurswissenschaften studieren.“ Der 18-Jährige hat sich sogar fürs MIT in Massachusetts beworben. Chancenlos sei er nicht, einen Platz an der amerikanischen Universität zu ergattern, sagt er.

Das liege auch an seinen Erfolgen bei zurückliegenden Wettbewerben. So nahm er am Jugend-forscht-Wettbewerb teil. Und landetet bei den regionalen und den landesweiten Ausscheiden auf dem ersten Platz. Beim anschließenden Bundesfinale kam er auf den vierten Rang. Dadurch durfte er nach China und konnte auch dort an einem Wettbewerb teilnehmen. Jathe erreichte den ersten Platz. Bei einem späteren Wettkampf in Amerika wurde er der Beste in der Kategorie Materialwissenschaft.

Doch was genau ist eigentlich die Erfindung des Schülers? Jathe erfand eine Struktur, die aus mehreren nebeneinanderliegenden Sechsecken besteht. Auf der Brille sollen diese so klein sein, dass das Auge sie gar nicht wahrnimmt und man eine ungehinderte Sicht hat. Für diese Struktur hat er ein europäisches Patent angemeldet, das Ergebnis steht noch aus.

Hinter den Sechsecken soll eine dünne Schicht liegen, bei der Flüssigkristallzellen mit Solarzellen kombiniert sind. Fällt Licht in einige der Rechtecke reagiert die Schicht dahinter. Die Solarzelle erzeugt eine Spannung, die die Flüssigkristallzellen verdunkelt. Das soll innerhalb von 60 Millisekunden geschehen. Ist der Lichtimpuls weg, soll die Schicht wieder aufhellen. Anwendung könnte solch eine Brille beim Schweißen oder beim Fliegen finden, etwa um Irritationen durch Laserpointer zu verhindern.

Mehrere Prototypen hat der Frankfurter schon hergestellt. Am Karlsruher Institut für Technologie durfte er sogar eine semitransparente Solarzelle fertigen, die er für seine Forschung nutzt. Immer wieder stieß er auf neue Schwierigkeiten, für die er eine Lösung finden musste. „Das Ganze hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.“ In einem halben Jahr will Jathe schließlich einen ersten komplett funktionstüchtigen Prototypen haben. Zudem will er ein Start-up gründen, um die Brillen auch zu vermarkten.

Eine unvergessliche Erfahrung hat der 18-Jährige im vergangenen Dezember gemacht. Mit 24 weiteren Nachwuchswissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern durfte er eine Woche in Schweden verbringen. Dort stand nicht nur der kulturelle Austausch auf dem Programm, sondern Jathe konnte sein Projekt auch dortigen Schülern vorstellen, es gab eine Ethikdebatte und Kontakt zu Unternehmen.

Zum krönenden Abschluss durften die Teilnehmer an der Nobelpreisverleihung teilnehmen und mit den Preisträgern sprechen. „Ich habe mir alle Autogramme auf Schokoladentafeln geben lassen.“ Diese zieren nun zu Hause seine Wand.

„Meine Mama fragt immer, warum manche meiner Forschungsphasen so lange dauern und wieso das nicht schneller geht. Die Nobelpreisträger haben mir erzählt, dass Forschen ein langer Prozess ist. Jetzt habe ich ihr etwas zu erzählen, dass es anderen Großen auch so geht“, sagt Jathe und lacht.

Und dann sagt der junge Mann ganz beiläufig: „Ich habe noch andere Projekte in der Schublade.“ Man darf gespannt sein.

Jugend forscht

15- bis 21-Jährigekönnen an Jugend forscht teilnehmen. Jüngere treten in der Juniorensparte Schüler experimentieren an.

Es gibt sieben Fachgebiete:Arbeitswelt, Biologie, Chemie, Geo- und Raumwissenschaften, Mathematik/Informatik, Physik und Technik.

Anmeldungbis zum 30. November unter www.jugend-forscht.de

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