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Die Wohngruppe im Monikahaus.
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Die Wohngruppe im Monikahaus.

Frankfurt

Frankfurter Jugendheim fordert mehr Unterstützung

  • Steven Micksch
    VonSteven Micksch
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Wegen der Corona-Pandemie ist die Situation für Kinder und Erwachsene im Monikahaus in Frankfurt angespannt. Die Verantwortlichen fordern, dass die Jugendhilfe beim Impfen priorisiert wird.

Nach dem Mittagessen wird es kurz laut. Paul und Jessica, die in Wirklichkeit anders heißen, machen ein Wettrennen auf dem Flur. „Aus dem Weg“, ruft der 14-Jährige. Beide rennen los. Paul wird aber ausgebremst, die Sechsjährige gewinnt. „Unfair“, sagt Paul, doch für eine Revanche ist keine Zeit. Denn nun beginnt die Lernzeit für die sieben Kinder auf der vierten Etage des Monikahauses im Frankfurter Gallus. Trotz Corona im Kinder- und Jugendheim haben sie nicht resigniert.

„Die Kinder sind wirklich tapfer, da kann man stolz drauf sein“, sagt Heike Sienel, Geschäftsführerin des Trägers Sozialdienst katholischer Frauen Frankfurt. Meist seien die Kleinen vernünftiger als mancher Erwachsene. Aber so langsam reiche es den 14 Kindern und Jugendlichen, die aktuell im Monikahaus leben. Diejenigen, die älter als fünf Jahre sind, müssen stets Maske tragen, nur wenn sie allein im eigenen Zimmer sind, dürfen sie sie abnehmen. Auch auf den Abstand zueinander sollen sie achten. Die Kinder stellen dann sinnvolle Fragen, auf die die Erwachsenen keine Antwort haben. „In der Familie muss man keine Maske tragen, warum hier? Das ist doch meine Familie.“

Eine schwierige Situation, findet Heimleiter Jens Kurianowski. In allen Heimen werde familiennahe Erziehung praktiziert, die Beziehungsarbeit stehe im Vordergrund. Dazu gehöre, den Kindern mal ein Lächeln zu schenken oder sie in den Arm zu nehmen, um zu trösten. „Das alles geht jetzt nicht so einfach“, sagt Kurianowski. Eine Umarmung gebe es trotzdem, mit Maske. Das ist nicht das einzige Spannungsfeld im Monikahaus. Wie in vielen anderen Familien belaste das Homeschooling die Situation vor Ort. In Kinder- und Jugendheimen etwas mehr, denn dort müssen viel mehr Kinder betreut werden. „Bei einigen muss man dahinterstehen, damit es klappt“, sagt der Heimleiter. Deshalb habe man die Schichten auf den Vormittag umgelegt. Der Kontakt zu den Lehrkräften sei für alle Kinder wichtig. Auch sie seien Beziehungspersonen, die den Kindern Halt gäben. Nicht selten sagen die Kinder, dass sie Lehrer oder Klassenkameradin vermissten.

Keine einfache Situation für alle Beteiligten war es kurz vor Weihnachten, so Jens Kurianowski. Es gab mehrere Corona-Fälle im Monikahaus, vier Kinder und vier Erwachsene waren betroffen. Die Quarantäne traf aber alle in der Einrichtung. Die Kinder konnten nicht ihre Familien zu Hause besuchen.

Kein Wunder, dass der „Ausflug“ zum Testzentrum an der Messe ein richtiges Erlebnis für die Kinder in der Quarantäne gewesen sei. Endlich konnten sie mal wieder raus. „Das war natürlich eine Herausforderung, mit so vielen Menschen dort hinzufahren. Aber es war auch eine Gruppenerfahrung, die den Zusammenhalt gestärkt hat.“

Sienel und Kurianowski kritisieren, dass die Jugendhilfe bei der Priorisierung in Sachen Impfen anfangs schlicht vergessen worden sei. Zwar wurden Kinderheime mittlerweile höher priorisiert, aber nur solche, die Kinder betreuen, die unter Paragraf 35a des achten Sozialgesetzbuchs fallen (von einer seelischen Behinderung bedroht). Das Monikahaus falle darunter, aber es gebe eben auch viele Einrichtungen, auf die das nicht zutreffe.

Geschäftsführerin Heike Sienel fordert eine Hochstufung für den gesamten Bereich der Jugendhilfe. „Es ist ein Unding, dass die Jugendhilfe nicht Priorität 2 ist.“ Zudem gibt es den Wunsch in der Einrichtung, selbst Corona-Tests durchführen zu können. Eine dritte Forderung ist der Wunsch nach einer Anhebung des Entgelts. Die finanzielle Mehrbelastung in Jugendheimen werde nie thematisiert. Die Anschaffung von Masken, Desinfektionsmitteln und mehr sei im normalen Budget nicht vorgesehen. In anderen Bundesländern wurde eine Anhebung bereits umgesetzt.

Für die Mitarbeitenden stehen die Sorgen der Kinder an erster Stelle. Doch auch die Mitarbeiter:innen sorgen sich, dass man das Virus mit nach Hause nimmt oder mitbringt.

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