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Frankfurter Jugend konsumiert mehr Drogen

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Von: Steven Micksch

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Besonders Alkohol wurde 2021 wieder häufiger von Jugendlichen konsumiert – auch weil wieder Feiern im Freien möglich waren.
Besonders Alkohol wurde 2021 wieder häufiger von Jugendlichen konsumiert – auch weil wieder Feiern im Freien möglich waren. © Rolf Oeser

Die Frankfurter Drogentrendstudie Mosyd zeigt, dass die rückläufigen Zahlen des Vorjahres der Corona-Pandemie geschuldet waren. 2021 nahm der Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis wieder zu.

Frankfurts Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren konsumieren nach dem Wegfall der meisten Corona-Beschränkungen wieder mehr Drogen; vor allem Alkohol, Cannabis und Tabak. Dies geht aus der aktuellen Mosyd-Studie 2021 hervor, deren Ergebnisse am Dienstagvormittag vorgestellt wurden.

Mosyd steht für „Monitoring-System-Drogentrends“. Die Erhebung wird seit 20 Jahren vom Centre for Drug Research der Goethe-Universität Frankfurt erhoben und vom Drogenreferat der Stadt gefördert. In der neusten Studie wurden zwischen November 2021 und April 2022 insgesamt 1413 Menschen aus 79 Klassen in 22 allgemein- und berufsbildenden Schulen nach ihrem Konsum befragt. 951 davon waren aus der relevantesten Altersgruppe der 15- bis 18-Jährigen.

Corona-Knick wird nun deutlich

Bernd Werse vom Centre for Drug Research stellte die Trends der Studie 2021 vor. So wurden die Jugendlichen nach ihrem Alkoholkonsum und daraus resultierender Trunkenheit im letzten Monat (30-Tage-Prävalenz) gefragt. Mit 51 Prozent und 36 Prozent sei beides stark angestiegen, liege aber nur wieder auf dem Niveau von 2019. Der Knick, den es 2020 gab, sei damit eindeutig auf die Pandemie zurückzuführen. „Es hat weniger Gelegenheiten zum Trinken gegeben“, sagte Werse. Ähnliches zeigte sich auch beim Zigaretten- und Cannabiskonsum. Auch dort gab es 2020 einen Rückgang, in der neusten Studie sei der Konsum wieder auf dem Niveau des Jahres 2019.

Bei der Nutzung der E-Zigaretten zeige der Trend weiter nach oben. Seit 2014 steigt die 30-Tage-Prävalenz stetig und liegt nun bei 29 Prozent. Vor allem Einweg-E-Zigaretten, die nur einmal geraucht werden und dann im Müll landen, könnten im Trend liegen. Dies wolle man in künftigen Studien speziell erfragen. Der Konsum von Shishas habe sich bei der Jugend festgesetzt. Der 30-Tage-Wert sei mit 18 Prozent aber der niedrigste seit Erfassung der Kategorie 2006.

Lachgas birgt Gefahren

Als gefährlicher Trend wurde der Konsum von Lachgas ausgemacht. 13 Prozent der Befragten gaben an, schon einmal in ihrem Leben Lachgas konsumiert zu haben. Im Vorjahr waren es sieben, 2018 elf Prozent. „Dies ist ein lokales Phänomen, das wir uns nicht erklären können“, gab Werse zu. Der Leiter des Drogenreferates Artur Schroers sprach von einer Modeerscheinung, die auch durch Videos in sozialen Medien als „Challenges“ verbreitet würde. Sein Referat versuche, auf den etablierten Kanälen für die Aufklärung von Jugendlichen nun auch gezielt auf die Auswirkungen von Lachgas hinzuweisen.

Der Konsum sogenannter Räuchermischungen (Kräuter, die mit synthetischen Cannabinoiden versetzt sind) sei zwar rückläufig, jedoch lägen nun sogenannte Djangos beziehungsweise Baller-Liquids im Trend. Diese illegalen Mittel werden in E-Zigaretten geraucht. Der Konsum anderer illegaler Drogen wie Kokain und Ecstasy sei weiter rückläufig.

Abstinenz wieder gesunken

Der Prozentsatz der Jugendlichen, die angaben, in den letzten 30 Tagen abstinent von legalen und illegalen Drogen gelebt zu haben, sank von 45 auf 36. Dies sei schlüssig, da der Konsum etwa bei Alkohol, Zigaretten und Cannabis gestiegen sei. Gut die Hälfte der Befragten schätzt den eigenen Konsum als moderat ein.

Schroers erklärte, dass das Drogenreferat an der Erstellung einer Alkoholsuchtpräventionsstrategie arbeite. Alkohol sei die Lieblingsdroge der Jugendlichen und werde noch zu häufig verharmlost. Man wolle nun verstärkt auf Alkohol in der Prävention eingehen.

Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) betonte, dass die lückenlose Erhebung über einen Zeitraum von 20 Jahren einmalig in Deutschland sei. Auch EU-weit erhalte die Studie Beachtung, weil sie in das Drogenfrühwarnsystem einfließe. Letztendlich könne die Stadt daraus auch Rückschlüsse auf die Wirksamkeit ihrer drogenpolitischen Maßnahmen ziehen.

Der Konsum ist nach den Lockdowns wieder gestiegen.
Der Konsum ist nach den Lockdowns wieder gestiegen. © FR

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