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Frankfurter Innungsobermeister: „Heizlüfter sind das Dümmste“

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Von: Steven Micksch

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Bei verschuldeten Menschen könnte die Energiepreispauschale gar nicht erst ankommen.
Die Heizung auf Null ist keine gute Idee. Aber wer sie nur etwas abdreht, kann schon merklich Energie sparen. © Marco Steinbrenner/imago

Innungsobermeister Peter Paul Thoma über Energiesparmöglichkeiten in Wohnungen und Probleme der Branche.

Herr Thoma, wie sieht die Auftragslage in Ihrer Branche zurzeit aus?

Wir haben im Bereich der Energieberatung, aber auch im Handwerk bei der Ausführung, einen wahnsinnigen Boom an Aufträgen. Aber wir haben gleichzeitig auch viel zu wenig Fachpersonal, um die Anlagen umbauen und um die Beratung im Vorfeld leisten zu können. Offene Aufträge können teilweise gar nicht geschafft werden.

Wie sieht es bei den Materiallieferungen aus?

Lieferprobleme verschärfen das Ganze gerade noch. Gerade im Bereich der Regelung fehlen Bauteile. Eine Wärmepumpe, die Sie jetzt bestellen, kriegen Sie im März nächsten Jahres. Fast alles, was politisch oder technisch noch geregelt werden soll, kommt für diesen Winter zu spät.

Wenn die Branche so boomt, sind dann auch die Ausbildungsplätze heißbegehrt?

Die Innungsbetriebe freuen sich sofort, wenn sie gute Leute bekommen, wir bräuchten aber mehr Zulauf. Das Handwerk hat im Bereich des Baunebengewerbes eine Schlüsselstellung, um die Energiewende voranzubringen. Aber wir haben, glaube ich, auch ein Imageproblem. Der Handwerker hat nicht den Stellenwert in der Gesellschaft, den er haben sollte.

Woran liegt das?

Ein Vorwurf lautet, dass die Handwerker selbst dazu beigetragen haben. Der andere, dass man nicht so viel verdient. Aber während andere noch zur Schule gehen oder dann studieren, hat man als Auszubildender immerhin schon ein Einkommen. Wir brauchen schlussendlich aber auch Realschüler und Abiturienten, um den Anforderungen gerecht zu werden. Wir haben einen anspruchsvollen Beruf.

Wird es Probleme mit Ersatzteilen geben, wenn im Winter die Heizung ausfällt?

Das ist nicht unbedingt zu erwarten. Viele Hersteller haben noch Ersatzteile auf Lager. Letztlich findet der Fachmann auch immer eine Interimslösung, die zwar nicht optimal und meist auch nicht energiesparend ist, aber die Heizung laufen lässt.

Was können Mieter:innen trotzdem noch in diesem Winter tun ?

Sie können natürlich die Temperatur über das Thermostat regeln und um zu sparen beispielsweise die Heizung herunterdrehen. Bei Etagenheizungen kann der Raumtemperaturregler etwas runtergedreht werden. Es empfiehlt sich dann, die Tür zu schließen und sich entsprechend wärmer anziehen.

Was können Menschen mit Eigenheim tun?

Man kann natürlich die Heizkurve an seiner bestehenden Anlage senken. Perspektivisch kann man immer über Konzepte nachdenken, ob man noch eine Solaranlage dazubaut oder eine Wärmepumpe oder sein ganzes System umstellt. Sicherlich kann man auch die Außendämmung und Isolation der Fenster verbessern, was immerhin noch mit 20 Prozent vom Staat gefördert wird.

Kann man nicht einfach die Heizung in den meisten Räumen runterdrehen?

Das Runterdrehen hat Grenzen. Die Raumtemperatur sollte nicht unter 18 oder vielleicht auch 17 Grad fallen, weil sonst in Räumen, in denen Pflanzen stehen oder man sich doch etwas aufhält, die Gefahr der Schimmelbildung besteht.

Und wenn man Heizlüfter aufstellt?

Das ist mit Verlaub das Dümmste, was Sie machen können. Nicht nur, dass das Stromnetz zusammenbricht, wenn das alle machen, sondern es wird auch wahnsinnig teuer für Sie. Die Strompreise sind ja ebenfalls hoch.

Interview: Steven Micksch

Peter Paul Thoma (64) ist seit 2010 Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Frankfurt.
Peter Paul Thoma (64) ist seit 2010 Obermeister der Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik Frankfurt. © Steven Micksch

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