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Die Skulptur der Künstlerin Rosemarie Trockel war das erst Denkmal in Deutschland, dass ausschließlich der Verfolgung von Homosexuellen im Nationalsozialismus gewidmet ist. 

Innenstadt

Frankfurter-Innenstadt: 25 Jahre Frankfurter Engel

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Gedenken an die Verfolgung Homosexueller am Klaus-Mann-Platz.

Seit 25 Jahren steht er inmitten des runden Klaus-Mann-Platzes: ein schmaler, schwarzer Engel. Erst bei näherem Hinsehen sieht man, dass der Kopf der geschwärzten Bronzefigur vom Körper abgetrennt und wieder aufgesetzt wurde. Eine Versinnbildlichung körperlichen Schmerzes. Als Mahnmal für Homosexuellenverfolgung während des Nationalsozialismus erinnert die Figur an physisches und psychisches Leid.

Um seiner Funktion in der Frankfurter Stadtgesellschaft zu gedenken, versammelten sich am vergangenen Samstag Vertreter der Stadtpolitik sowie die Initiatoren des Erinnerungsorts, die Initiative Homosexuellenverfolgung, am Klaus-Mann-Platz. Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) betonte dabei, dass die Statue mehr als nur eine Erinnerungsort für Opfer des Nationalsozialismus’ sei: „Sie mahnt auch vor den Folgen von gesellschaftlicher Diskriminierung bis heute.“

Lange war Gleichberechtigung in Deutschland keinesfalls eine Selbstverständlichkeit: Noch bis 1994 galt der Paragraph 175 des Strafgesetzbuchs, der sexuelle Handlungen zwischen männlichen Personen unter Strafe stellte. Zwar wurde der Paragraph nicht so streng wie während der NS-Diktatur angewandt, aber auch in der Bundesrepublik kam es zu Strafverfolgung von Homosexuellen.

Ulrich Gooß, Sprecher der Initiative Homosexuellenverfolgung, macht in seiner Ansprache auch auf Menschen aufmerksam, die noch nach der Nazizeit unter Stigmatisierung litten, wie etwa der Frankfurter Wolfgang Lauinger. Der Sohn eines Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung wurde von den Nazis als sogenannter Halbjude und Swingkid in Frankfurt inhaftiert – kam jedoch wieder frei. 1950 wurde er erneut – aufgrund seiner Homosexualität – in Untersuchungshaft genommen. Bis zu seinem Tod 2017 erhielt er dafür keine Entschädigung.

Fälle wie der von Lauinger seien keine Einzelheit, so Gooß. Umso wichtiger sei deshalb die Unterstützung der Stadt bei der Erinnerung und Aufarbeitung von Homosexuellenverfolgung. Die Stadt will deshalb auch ein Forschungsprojekt fördern: In Zusammenarbeit mit dem Fritz-Bauer-Institut der Universität Frankfurt soll Unrecht gegenüber Homosexuellen – nicht nur während des NS-Regimes – sondern bis zur Aussetzung des Paragraphen 175 aufgearbeitet werden.

„Ich bin sehr stolz darauf, dass wir in Frankfurt so progressiv für die Gleichberechtigung von Homosexuellen eintreten“, betont Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen (SPD). Denn bei seiner Errichtung 1994 war der „Frankfurter Engel“ das erste Mahnmal seiner Art. Für Gooß zeugt er von der fortschrittlichen Einbindung der Anliegen Homosexueller in der Stadt. „Anfang der 1990er Jahre wurde das Aids-Memorial, das jetzt auf dem Peterskirchhof steht, sogar in der Paulskirche eingeweiht. In diesem Jahr wurde diese Stadt auch wirklich zu unserer Stadt“, so der Initiativensprecher.

In der Vergangenheit wurde eine Replik des Kunstwerkes, geschaffen von der Künstlerin Rosemarie Trockel, im Haus der Kunst München gezeigt. „Wir wollen uns dafür einsetzen, dass die Nachbildung bald in Frankfurt ausgestellt wird“, sagt Hartwig.

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