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Wegen der Tische und Stühle des Café Mozart in der Töngesgasse ist es für Fußgängerinnen und Fußgänger zu eng. Peter Jülich
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Wegen der Tische und Stühle des Café Mozart in der Töngesgasse ist es für Fußgängerinnen und Fußgänger zu eng.

Fußverkehr

Frankfurter Innenstadt: Viele Probleme für Fußgänger:innen

  • Helen Schindler
    VonHelen Schindler
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Rücksichtlose Radfahrende, wild abgestellte E-Scooter: Bei einem Spaziergang durch die Frankfurter Innenstadt zeigen sich die Probleme für Fußgängerinnen und Fußgänger.

Frankfurt - Wir stehen auf der Promenade des Mainkais, als ein schwarzgekleideter Radfahrer in rasantem Tempo näherkommt, klingelt und so dicht an uns vorbeifährt, dass wir einen Schritt zur Seite machen müssen, damit er uns nicht streift. Genau solche Situationen gelte es zu vermeiden, schimpft Sylke Petry. Sie ist Mitglied der Arbeitsgruppe Fußverkehr Frankfurt/Offenbach, ebenso wie Manfred Bernard. Bei einem Rundgang durch die Frankfurter Innenstadt am Freitagmittag wollen wir uns anschauen, wie sich die Situation für Fußgängerinnen und Fußgänger gestaltet.

Radfahrer:innen sind nicht nur am Mainkai ein Problem. Schon an der Hauptwache, dem Ausgangspunkt unseres Rundgangs, sagt Petry: „Wir haben oft Probleme mit Radfahrenden“, während zwei Radler an ihr vorbeidüsen. „Das ist eigentlich schon zu schnell.“ Denn die Zeil ist eine Fußgängerzone, die für Fahrräder freigegeben ist. Das bedeutet: Radfahren ist hier zwar erlaubt, aber nur in Schrittgeschwindigkeit – woran sich bei weitem nicht alle halten. „Insgesamt wird in Frankfurt viel dafür getan, dass Radfahrer:innen auf der Straße fahren“, sagt Petry. „Das finden wir gut.“ Aber wenn die Fahrbahn nicht einladend sei, wichen sie oft auf Gehwege aus. „Das gefährdet Fußgängerinnen und Fußgänger.“

Frankfurt: Fußverkehr in Frankfurt mit Hürden verbunden

Die Arbeitsgruppe Fußverkehr Frankfurt/Offenbach, in der der Fußgängerverein Fuß e.V. und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zusammenarbeiten, hat rund zehn aktive Mitglieder. Sie setzen sich ein für die Förderung des Fußverkehrs, wozu beispielsweise attraktive und breite Gehwege, faire Ampelschaltungen, bessere barrierefreie Überquerungsmöglichkeiten von Straßen und allgemein mehr verkehrsberuhigte Bereiche und Fußgängerzonen zählen. Als Pendant zum Radfahrbüro fordert sie ein eigenes Fußverkehrsbüro in Frankfurt, „damit alle Formen der umweltverträglichen Fortbewegung gleichberechtigt gefördert werden“.

Unser nächster Stopp ist die Ecke Liebfrauenstraße/Bleidenstraße. An dem Eckhaus, in dem unter anderem Tchibo untergebracht ist, finden Bauarbeiten statt, weswegen ein temporär abgegrenzter Fußgängerweg eingerichtet wurde. „Wir fragen uns, warum der da ist“, sagt Bernard. Laut Schild ist die Straße nämlich ohnehin Fußgängerzone, zusätzlich auch Fahrradstraße, was bedeutet, dass sich Autos, Fußgänger:innen und Radfahrer:innen die Straße teilen. Die ganze Situation ist unübersichtlich, einige Fußgängerinnen und Fußgänger laufen auf der Straße, dicht an fahrenden Autos vorbei. „Die machen es richtig“, sagt Petry. Doch entspannt sieht das nicht aus. Andere nehmen den abgetrennten Gehweg, auf dem sie wie im Gänsemarsch hintereinander herlaufen müssen.

Auf der Frankfurter Zeil müssen Radfahrer:innen im Schritttempo unterwegs sein.

Wir biegen ab in die Töngesgasse. Vor dem Café Mozart und dem benachbarten Restaurant Römer-Pils-Brunnen stehen Tische und Stühle so auf dem Gehweg, dass es eng wird und wir ausweichen müssen.

Brauchbachstraße ein positives Beispiel für Fußverkehr in Frankfurt

Aber es ist nicht alles schlecht: Ein Positivbeispiel sei die Braubachstraße – die nächste Station auf unserer Route. Hier wurden ehemalige Autoparkplätze umfunktioniert; die sogenannten Parktaschen dienen nun als Abstellplatz für Fahrräder, als Fläche für Sitzbänke und der Außengastronomie der Cafes und Restaurants. Doch der strenge Blick der passionierten Fußgängerin Petry findet noch eine Kleinigkeit auszusetzen: Das Café Bitter&Zart hat zwei mit Kreide beschriebene Tafeln, die auf die 3G-Regel hinweist, mitten auf den Gehweg gestellt. „Wenn die jetzt noch am Rand stehen würden, wäre es perfekt“, sagt Petry. Denn: „Die Gehbahn sollte immer hindernisfrei sein.“

Insgesamt sehen Petry und Bernard durchaus Verbesserungen für den Fußverkehr in der Stadt. „Wir erkennen an, dass Frankfurt viel macht“, sagt Petry. „Aber es kommen auch neue Probleme hinzu“, betont Bernard: Zum Beispiel E-Scooter. Bernard plädiert dafür, dass die Scooter nur an extra dafür vorgesehenen Stellen abgestellt werden sollen und auf der Fahrbahn, nicht auf dem Gehweg fahren.

Unser Weg führt uns über den Römerberg zu unserem letzten Stopp: dem Mainkai. „Es hat uns sehr gefreut, als der Mainkai autofrei war“, betont Bernard. Er habe generell den Wunsch, den Autoverkehr in der Stadt zu reduzieren. Es sei aber auch nicht alles positiv gewesen. Eben jene Ampel mit der Anforderungsschaltung war während des Modellversuchs ausgeschaltet. „Wegen der vielen Fahrradfahrenden war es für Fußgänger:innen deutlich schwieriger, da rüberzukommen.“

Manfred Bernard und Sylke Petry von der AG Fußverkehr Frankfurt/Offenbach. Peter Jülich

Auf dem Mainkai fahren inzwischen wieder Autos, „er ist wieder so frequentiert wie vor dem Versuch“, befindet Bernard. Immerhin: Für Radfahrer:innen gibt es leuchtend rot markierte Wege auf der Straße. Dennoch bevorzugen viele die Promenade. „Ich stelle immer schon die Ohren auf, um zu hören, ob Fahrräder von hinten kommen“, sagt Petry, als wir den Mainkai entlanglaufen. „Ich habe nichts dagegen, solange sie hier vorsichtig fahren. Aber ich möchte nicht weggeklingelt werden.“

Auch wenn Fahrradfahrende eines der größten Probleme für Fußgänger:innen zu sein scheinen, betonen Petry und Bernard: „Wir wollen Radfahrer nicht gegen Fußgänger ausspielen.“ Im Endeffekt gehe es immer um Rücksichtnahme. Bernard fasst zusammen: „Man soll sich als Fußgänger nicht immer arrangieren müssen. Das schnelle Fahren ist ein Problem – unabhängig vom Fahrzeug.“ (Helen Schindler)

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